Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

nachdem monatelang nur „Positives“ seitens der Politiker über die Finanztransaktionssteuer berichtet wurde, melden sich nun erste Kritiker. Die Stimmen innerhalb der Politik werden lauter, die mit drastischen Problemen für die Wirtschaft rechnen. So schrieb beispielsweise der baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende und Finanzminister Nils Schmid einen offenen Brief an Wolfgang Schäuble. Schmid äußerte darin seine Bedenken bezüglich der aktuellen Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer. Vor allem die Probleme, die Banken wie der LBBW bevorstehen würden, könnten laut Schmid nicht im Interesse der Politik sein. Das Bundesfinanzministerium war angeblich erstaunt über den Brief und dass ein Politiker es offenbar wagte sich gegen die Steuer zu stellen!

Damit aber nicht genug!

Florian Rentsch, Wirtschaftsminister des Landes Hessen, teilte mit dass sich das Land Hessen gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer stellen würde. Damit steht er mit seinen Kollegen der FDP im krassen Gegensatz zu Herrn Schäuble, der laut eigenen Aussagen „mit aller Kraft“ für die Einführung der Steuer kämpfen wird. Wie das politische Tauziehen in den nächsten Monaten weitergehen wird bleibt spannend. Gut ist jedoch, dass sich zumindest ein paar wenige Politiker öffentlich gegen die Finanztransaktionssteuer stellen!

Ihr Sebastian Hell

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Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat am 08. Mai 2013 eine neue Studie zur Thematik der Finanztransaktionssteuer veröffentlicht. Man kommt darin zu folgenden sehr interessanten Schlüssen:

  1. Obwohl in der aktuellen Fassung des Steuerentwurfs der EU Kommission nur Finanzinstitute steuerpflichtig sind, ist dennoch damit zu rechnen, dass die erhöhten Kosten auf Verbraucher und Unternehmen abgewälzt werden und dadurch alle die Finanztransaktionssteuer entweder direkt oder indirekt entrichten müssen.
  2. Das DAI sieht sehr große Probleme in möglichen Kaskadeneffekten. Ich habe dieses Thema bereits schon früher in diesem Blogbeitrag ausführlich besprochen.
  3. Die Klassifizierung von Unternehmen als „Finanzinstitut“ könnte große Probleme nach sich ziehen. Es gibt eine Reihe an Unternehmen deren Geschäftsmodell die Finanzierung von Waren oder Rohstoffen für andere Firmen ist. Würde eine Klassifizierung dieser Unternehmen als Finanzinstitute erfolgen, dann würden erhebliche Mehrkosten entstehen. Wie genau die Abgrenzung zu einem Finanzinstitut erfolgen wird, ist bis dato noch unklar.
  4. Unternehmen werden bei der Absicherung von Risiken massiv behindert. Des Weiteren wird in die Altersvorsorge vieler Menschen eingegriffen, die ihre Vorsorge über Versicherungen, Banken etc. verwalten lassen. Die Transaktionssteuer würde dort immer anfallen.
  5. Abschließend führt das DAI auf, dass für 24 größere Unternehmen Mehrkosten zwischen 600 Millionen und 1,5 Milliarden Euro entstehen könnten. Damit sind direkte Folgen und Auswirkungen auf die Realwirtschaft wahrscheinlich.

 

Die gesamte Studie umfasst 25 Seiten und kann hier abgerufen werden

Ihr Sebastian Hell

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Sebastian: Danke, dass Du Dir Zeit nehmen konntest für ein Interview.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

rene_WolframRené: Ich bin seit nunmehr 15 Jahren an den Märkten aktiv, seit 10 Jahren lebe ich hauptberuflich von der Börse. Ich handele auf verschiedenen Zeitebenen, in verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Strategien und versuche so, die Dynamik der Märkte zu adaptieren und aus der Vielzahl der sich bietenden Möglichkeiten das Optimum herauszuholen.

Sebastian: Wird Dein Handel durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer betroffen sein? Falls Ja, welche Auswirkungen wird es geben?

René: Ich denke, die Auswirkungen für mich werden verglichen mit reinen Daytradern und Scalpern eher moderat negativ ausfallen. Bei den meisten meiner Setups ziele ich auf Gewinnspannen ab, die groß genug sind, um eine drastische Steuer zu kompensieren. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich natürlich auch für mich bestimmte Geschäfte nicht mehr lohnen und ich somit meine Handelsfrequenz eher zurückfahren werde.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von der Einführung einer Steuer in dieser Form?

René: Es ist gelinde gesagt ganz großer Unsinn und sie wird genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich bewirken soll. Der Handel wird viel illiquider werden, weil sich große Gruppen aus dem Markt zurückziehen werden. Die Folge wird sein, dass wir im schlechtesten Fall Verhältnisse bekommen, wie an Provinzbörsen. Die Gefahr von irrationalen Bewegungen ist dann viel größer. Schließlich sind es einzig und allein professionelle Trader, die selbst in hektischen und riskanten Phasen bereit sind, Liquidität in den Markt zu schießen. Vertreibt man sie vom Marktgeschehen, macht man die Märkte nicht ruhiger, sondern unnötig hektischer und schwieriger kalkulierbar. Es passt aber absolut in das Bild der bisherigen Krisenpolitik, die immer wieder daraus bestand, dass man ein Feuer mit Brandbeschleuniger zu löschen versuchte.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

René: Märkte regulieren sich selbst. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Die Frequenz mit der es zu immer neuen Blasenbildungen und Crashs kommt, nimmt doch erst zu, seitdem die Zentralbanken und immer stärker auch die Politik eingreifen. Durch das Intervenieren werden kranke Wirtschaftszweige künstlich am Leben gehalten, was effektiv den gesunden Zweigen Kapital abzieht. Liquiditätsüberschüsse fließen überwiegend nicht in die Realwirtschaft, sondern werden von den Banken dazu genutzt, um Geschäfte zu tätigen, die sie wahrscheinlich nicht machen würden, wenn sie das Risiko tatsächlich selbst tragen müssten. Wenn die nächste Blase platz – und das wird sie so sicher wie das Amen in der Kirche – gehen Politik und Zentralbanken die Möglichkeiten aus, gegenzusteuern. Wo sich der Staat dann bedienen kann, muss und vermutlich auch wird, kann sich ja jeder am Beispiel Zypern ausrechnen.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

René: Auswandern wegen der Finanztransaktionssteuer ganz sicher nicht. Die Verwendung unserer Steuergelder und die Lügengeschichten, die den unbedarften Bürgern aufgetischt werden, wären eher Gründe, dem Land den Rücken zu kehren. Doch meine Familie lebt hier, meine Freunde leben hier – deshalb würde ich den Wohnsitz nicht ins Ausland verlegen. Was die Märkte angeht, so handele ich schon jetzt zu 85% in Dollar und an den amerikanischen Terminbörsen gehandelte Futures. Ich werde auf kurze, schnelle Trades im FDAX verzichten, doch das mache ich bereits jetzt, so dass sich für mich aus aktueller Sicht nicht allzu viel verändern wird, wenn die FTS kommt. In anderen Ländern wurde sie recht schnell wieder zurückgenommen, als man gesehen hat, welche negativen Auswirkungen sie hat. Dies setzt Verstand und Reflektionsvermögen bei den Entscheidungsträgern voraus. Die letzten 10 Jahre haben diese Merkmale nicht ganz so ausgeprägt erkennen lassen, weshalb ich sehr gespannt bin, ob man die Sache irgendwann kippt.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit René Wolfram, Deutschland, Trader für multiple Märkte

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Sebastian: Danke, dass Du mir ein paar Fragen zur Finanztransaktionssteuer beantwortest. Kannst Du etwas zu Deinem Hintergrund sagen?

Kai_skoruppa_Bild_1Kai: Ich bin seit 1998 an der Börse aktiv. Angefangen mit Optionsscheinen, habe ich im Laufe der Jahre sehr viele Anlageklassen kennengelernt. Wobei mir die systematische Herangehensweise im Forex-Markt letztendlich den größten Erfolg gebracht hat. In den letzten Jahren hat sich ja auch einiges im Bereich Software getan, sodass die Vollautomatisierung des Handels nicht mehr annähernd so schwierig ist, wie das noch Mitte der 2000er der Fall war.

Sebastian: Ab 2014 wird wahrscheinlich eine Finanztransaktionssteuer in elf Ländern eingeführt werden. Falls nicht 2014 dann auf jeden Fall 2015. Was hältst Du davon?

Kai: Natürlich war kein ernsthafter Trader erfreut, als 2011 der erste Gesetzesentwurf für eine Transaktionsteuer von der EU-Kommission vorgelegt wurde. Die Absicht besteht ja darin, die Banken und Hedgefonds an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen. Ob diese Absicht am Ende jedoch auch erfüllt wird, steht für mich offen. Wie schon so oft in der Geschichte werden unter dem Deckmantel, die „Bösen“ zu bestrafen, Lösungen vorgeschlagen, die letztendlich alle Steuerzahler zu tragen haben.

Sebastian: Siehst du Probleme für Deinen Handel durch eine Finanztransaktionssteuer?

Kai: Momentan lässt sich noch zu wenig Konkretes hierzu sagen. Denn solange keine eindeutigen Gesetze gefällt worden sind, können wir über die Kosten die auf uns zukommen nur spekulieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es nun mal zu der normalen Arbeit eines Händlers gehört sich ständig auf neue Gegebenheiten im Markt anzupassen. Ich ziehe hier gerne den Vergleich zum Börsenhandel vor 15 Jahren. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen man bei den Brokern für einen Round-turn bis zu 40 USD und mehr bezahlt hat. Auch zu dieser Zeit gab es Händler, die trotz alledem Geld verdient haben. Die Gebühren, welche wir bei den Brokern heutzutage bezahlen, sind in den letzten Jahren auf ein Minimum geschrumpft. Kommt die Transaktionssteuer, dann werden diese wieder um einen gewissen Betrag ansteigen. So ist das nun Mal. Gute Händler werden auch dann noch Geld verdienen. Davon bin ich überzeugt.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden, um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Kai: Es gibt Bereiche, die einer Regulierung bedürfen. Eines dieser Bereiche ist zum Beispiel der High Frequency Handel (Hochfrequenz-Handel). Viele verwechseln das HF-Trading mit dem automatisierten Trading. Jedoch ist das automatisierte Trading nichts anderes als eine Vorgehensweise in der man wichtige Aufgaben, in denen wir Menschen weniger gut sind, an eine Software abgibt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Anzahl der Trades wird hierdurch nicht unbedingt gesteigert. Im HF-Trading jedoch ist die Steigerung der Trades genau das Ziel. Es werden Tausende Positionen in Millisekunden geöffnet und wieder geschlossen um hiermit andere Marktteilnehmer durcheinanderzubringen und ungeahnte Bewegungen am Markt herbeizurufen.

Ein anderes Thema sind Produkte von Banken, die so komplex sind, dass Sie von den allermeisten Bankangestellten nicht mehr verstanden werden. Diese Produkte führen dann zu derartigen Krisen wie wir sie zuletzt 2008 gesehen haben und ich bin der Meinung, dass man gut und gerne darauf verzichten sollte. Börsen-Blasen wird es jedoch immer geben. Solche entstehen aus menschlichen Verhaltensmustern wie Angst und Gier und man kann sie nur schwer kontrollieren. Da hilft auch keine Finanztransaktionssteuer.

Sebastian: Planst Du spezielle Maßnahmen aufgrund der Steuer wie bspw. Standortverlagerung oder Handel anderer Märkte zu ergreifen?

Kai: Die einzige Chance, die ich sehe, ist wie immer die Anpassung meiner Tradingsysteme. Eine Möglichkeit wäre es, den Handel auf Produkte zu verlagern, die von der FTS nicht betroffen sind (wenn es denn so etwas überhaupt geben wird). Natürlich muss man die genauen Gesetzestexte abwarten und dann entsprechende Entscheidungen treffen. Da ich persönlich jedoch vorwiegend mit Forex handle, kann es sein, dass ich gar nicht von diesem Thema betroffen sein werde. Denn ich kann mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass auch der freie Austausch von Devisen besteuert werden soll. Also abwarten und handeln, wenn es so weit ist.

Sebastian: Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Kai Skoruppa, Deutschland, Trader & Betreiber von Forex-Ausbildung.com

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In meinem Beitrag „Banken verlieren Marktanteile wegen Finanztransaktionssteuer“ hatte ich darauf verwiesen, dass nach aktueller Lesart die Finanztransaktionssteuer nicht wie die Mehrwertsteuer funktionieren würde. Daraufhin erhielt ich einige Anfragen wie die Steuer denn genau erhoben wird.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?

Bei der Mehrwertsteuer ist die Erklärung ganz einfach. Diese fällt nur beim Endkunden also Verbraucher an. Unternehmen können sich über das Finanzamt die bezahlten Mehrwertsteuern wieder zurückholen. Gleichzeitig muss die eingenommene Mehrwertsteuer aber auch abgegeben werden. Damit ist diese Steuer ein Posten der dem Unternehmen keinen Ertrag oder Verlust einbringt. Nur der Endkunde bezahlt die Mehrwertsteuer und der Staat hat hieran seine Einnahmen. Der Grund für diese Ausgestaltung ist, dass Produkte utopisch teuer werden würden, wenn die Mehrwertsteuer immer anfallen würde. Stellen Sie sich nur Produkte vor, an denen mehrere Firmen am Produktionsprozess beteiligt sind wie beispielsweise Handys. Für jedes Teil würde Mehrwertsteuer anfallen. Jeder wertsteigernde Schritt des Gerätes wie bspw. der Zusammenbau würde ebenfalls wieder besteuert werden. Am Ende kosteten die Geräte Unsummen. Um dies zu verhindern, wurde die oben besprochene  Vorgehensweise entworfen.

Finanztransaktionssteuer mit gänzlich anderem Ablauf

Die Finanztransaktionssteuer soll bei jeder Transaktion anfallen. Dadurch entstehen sogenannte Kaskadeneffekte. Den normalen Trader betrifft dies nicht, da er die Steuer einmal bezahlen muss, eine Position jedoch nicht intern in mehreren Handelsbüchern verschiebt. Banken haben jedoch gerade im Handel von Derivaten oder Aktienemissionen sowie Handel von Staatsanleihen mehrere bankinterne Abteilungen sowie Tochterfirmen die Großtransaktionen abwickeln. Beispielweise kauft eine Banktochter Staatsanleihen des deutschen Staates. Hierauf muss die FTS (Finanztransaktionssteuer) bezahlt werden. Anschließend wird die Position bankintern weitergereicht beispielsweise an die Verkaufsabteilung um an Bankkunden die Anleihen weiter zu geben. Es würde wieder die Steuer entstehen. Dieser Prozess kann bei großen Projekten einige Abteilungen oder Firmen beinhalten und führt zu einer immensen Besteuerung einer Transaktion die eigentlich nur unternehmensintern weitergegeben wird.

Eine Lösung muss her

Bisher gibt es noch keine Aussagen wie diese Probleme gelöst werden können. Das einzige was möglicherweise ausgenommen werden wird ist das Market Making. Dieses wäre ohnehin nicht mehr möglich nach Einführung der FTS. Die Margen sind hauchdünn und 10 Basispunkte Steuer würden das Market Making unrentabel machen. Die Folge wäre eine Austrocknung der Liquidität, was im Endeffekt auch die Realwirtschaft belastet!

Ihr Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

vor etwa einer Woche wurde bekannt, dass LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter vor dem Finanzausschuss klar gemacht hat, dass die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) eine Finanztransaktionssteuer unter Umständen nicht verkraften würde. Die Analysten der Bank hätten errechnet, dass durch die Besteuerung jeder Transaktion Mehrkosten von drei Milliarden Euro entstehen könnten, die für die LBBW nicht tragbar wären.

Finanztransaktionssteuer greift nicht wie die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden

Das „schlaue“ an der Finanztransaktionssteuer, zumindest aus Sicht der Politik ist, dass die Steuer bei jeder Transaktion greifen soll. Während die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden erhoben wird und Unternehmen diese wieder vom Finanzamt zurückholen können, soll dies bei der Finanztransaktionssteuer nicht der Fall sein. Bei der Mehrwertsteuer wird sichergestellt, dass keine unnötige Verteuerung der Produkte entsteht wenn diese von mehreren Firmen weiterverarbeitet werden. Sie fällt nur einmal am Ende des Prozesses beim Endkunden (Verbraucher) an.

Finanztransaktionssteuer „darf“ immer bezahlt werden

Die Finanztransaktionssteuer wird immer erhoben, auch wenn ein Produkt bankenintern gehandelt wird und erst später an Kunden weitergegeben. Gerade bei Emissionen von Staatsanleihen, die zuerst von den Banken gekauft und später erst weitergegeben werden, würde die Steuer immer wieder anfallen. Gleiches gilt auch für die Emission von Aktien, falls diese zunächst auf dem Handelsbuch der Bank verbleiben und später schrittweise abverkauft werden. Durch die ständige Besteuerung von Wertpapieren steigen die Kosten extrem an.

US-Banken freuen sich und gewinnen Marktanteile

Laut einer Studie der Deutschen Bank gewinnen US-Banken durch die geplante Finanztransaktionssteuer mehr Anteile. Es sei bereits jetzt schon ein Trend zu beobachten, dass Banken außerhalb der EU bevorzugt werden.

Ihr
Sebastian Hell

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Sebastian: Michael, danke dass Du Dich für das Interview bereit erklärt hast. Kannst Du den Lesern kurz etwas über Dich erzählen über Deinen Hintergrund, Handelsstil, etc.

MichaelGassnerMichael: Ich handle schon seit über 30 Jahren sehr aktiv an den Märkten. Seit 20 Jahren handle ich insbesondere den FDax, sowohl im sehr kurzfristigen Bereich, als auch im Bereich Swing-Trading. Im Swing-Trading komme ich hier auf ca. 10 Trades am Tag. Im kurzfristigen Bereich auf bis zu 50 Trades am Tag.

Sebastian: Was hältst Du von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

Michael: Die Einführung der FTS würde den deutschen Kapitalmarkt in den Bereich eines Entwicklungslandes zurückführen. Nicht nur das Tradingvolumen  würde massiv zurückgehen, sondern auch die Möglichkeiten der Kapitalaufnahme für mittelständische und große deutsche Unternehmen würden massiv eingeschränkt werden. Getroffen werden hier insbesondere auch der Kleinanleger und die Nachwuchstrader. Die sowieso schon im Vergleich zu anderen Industrienationen eingeschränkte Aktienmarktkultur in Deutschland würde massiv leiden.

Der Kapitalmarkt hat ja die Aufgabe die verfügbaren Kapitalmittel möglichst effizient in den attraktivsten zukunftsträchtigsten Feldern respektive  Unternehmen einzusetzen. Im Prinzip der Kern einer freien Marktwirtschaft.  Diese sehr wichtige Funktion der Börse würde massiv eingeschränkt werden.

Interessanterweise werden die ursprünglich geplanten Adressaten der FTS aber gerade nicht getroffen. Banken mit ihren Handelsabteilungen werden elegant ins Ausland abwandern.

Sebastian: Wird Dein Handel dadurch betroffen sein? Du lebst zwar im nicht betroffenen Ausland (Schweiz), aber so wie es aussieht musst Du beim Handel des FDAX  in Deutschland auch die Steuer berappen.

Michael: Das ist richtig. Das Problem ist jedoch nicht nur die Steuer an sich, sondern die potentielle Änderung der Struktur des Marktes. Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Studien, die mit einer Abnahme des Handelsvolumens von ca. 80 % rechnen! Selbst die Europäische Kommission sieht dies ähnlich.

Für mich hätte der FDAX daher nicht mehr genügend Liquidität und ein wesentlich erratischeres Kursbild. Ein Handel wäre für mich dann nicht mehr sinnvoll. Außerdem würden sich meine Kosten für einen Kauf/Verkauf etwa verzwanzigfachen!

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Michael: Langfristig reguliert sich der Markt tatsächlich  von alleine. Lediglich kurzfristig sollten Maßnahmen wie kurzfristige Handelsaussetzungen etc., getroffen werden. Hier hat man z.B. in den USA ein recht gutes Regelwerk.

Der letzte der Risiken entdecken würde, ist die Politik.  Die Finanzmärkte sind da immer schneller und effektiver. Und eine Abwärtsbewegung muss nicht nur negativ sein. Sie ist ab und zu notwendig, um Blasen und Fehlallokationen abzubauen (Gutes Beispiel hierfür die Neue Markt Korrektur). Die derzeitige massive Liquiditätsflut, hervorgerufen durch viele Notenbanken  lösen die Probleme nur kurzfristig.

Die große Krise wird dadurch jedoch nur noch größer.  Die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren eine Blase ungeheuren Ausmaßes angefüttert.

Sebastian: Hast Du für die Zukunft spezielle Maßnahmen geplant aufgrund der Finanztransaktionssteuer? Beispielsweise Handel anderer Märkte, Weg- oder Umzug, etc.?

Michael: Wenn die FTS tatsächlich kommt, werde ich auf andere Handelsprodukte ausweichen müssen.

Da ich gerne zu normalen Tageszeiten handle, wird sich dann meine Aktivität auf den Handelsplatz London konzentrieren. Nahezu der gesamte europäische Handel wird sich dann dort konzentrieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Mähr der guten Finanztransaktionssteuer, die angeblich nur die bösen Banken bestrafen soll und niemanden anderen, wird für Leser dieses Blogs immer unglaubwürdiger. In früheren Beiträgen hatte ich bereits auf die Auswirkungen für Unternehmer, den Wirtschaftsraum der EU, Riester-Sparer sowie Privatleute hingewiesen.

Nun können sich auch Rentner einreihen!

Also ob die oben genannten „Nebenwirkungen“ der Finanztransaktionssteuer nicht schon genug wären, sind laut einer aktuellen Studie des Münchener Professors Dr. Christoph Kaserer auch die Rentner massiv betroffen. Bisherige Berechnungen zur Auswirkung einer FTS auf die Rentner gingen meist von einer zu geringen Umschlaghäufigkeit in den Portfolios aus. Allerdings ist diese durch die Schwankungen an den Märkten und dem verstärkten Trend in Richtung Finanzanlagen in den letzten Jahren gestiegen.

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Quelle: Prof. Dr. Christoph Kaserer, TU München

Die obenstehende Tabelle zeigt die Verminderung der Rente bei einer Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,1 % und einer unterschiedlichen Umschlaghäufigkeit (U) in Abhängigkeit der Rentenlaufzeit (m).

Jemand der beispielsweise 20 Jahre seine Rente erhalten würde und eine Umschlaghäufigkeit von 80 Prozent hat (0,8), würde eine Verminderung der Rente durch die Steuer von 5,45 Prozent erfahren.

Das gesamte Gutachten von Herrn Prof. Dr. Kaserer findet sich hier!

Ihr
Sebastian Hell

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Die Einführung der Finanztransaktionssteuer – auch als „Tobin Tax“ bekannt – war von Anfang an heftig umstritten. Als Spielball von politischen Interessen, Wirtschaftslobbyismus und linker Polemik war es schwer eine Sachdiskussion zu diesem Thema zu führen. Inzwischen haben sich 11 EU-Staaten auf die Einführung der Steuer geeinigt, die jede einzelne Finanztransaktion mit einem bestimmten Prozentsatz besteuern soll. Bei Derivaten soll diese Steuer bei 0,01 % des gehandelten Volumens liegen.

Herkunftsprinzip und Ausgabeprinzip:

Wie der Blog transaktionssteuer.info berichtet, soll bei der Finanztransaktionssteuer (FTS), sowohl das Ausgabe- als auch das Herkunftsprinzip zum tragen kommen.
Das Ausgabeprinzip besagt, dass alle Finanzinstrumente, die in dem besteuernden Staat emittiert oder an einer inländischen Börse gehandelt werden, der Transaktions-Besteuerung unterliegen. Würde man jedoch allein dieses Prinzip anwenden, würden sich Trader und Investoren umgehend nach alternativen Handelsplätzen umsehen. Die englische LSE oder andere ausländische Börsenplätze würden sofort reagieren und zum Beispiel den FDAX (freilich unter anderem Namen) auf ihrem elektronischen Parkett handelbar machen. Die Folge wäre eine Abwanderung von Kapital und die volkswirtschaftlichen Kritiker der FTS würden damit Recht behalten, dass die Steuer nur Nachteile für den Finanzplatz Deutschland bringt, ohne zu erhöhten Steuereinnahmen zu führen.
Aus diesem Grund soll zudem das Herkunftsprinzip angewandt werden: Hierbei richtet sich die Erhebung der Steuer nach dem Wohn- bzw. Firmensitz des Traders. Dies bedeutet, dass die Steuer auch dann fällig würde, wenn „Herr Schulze aus Wiesbaden“ in London den FTSE 100 handelt – auch wenn Großbritannien bei der FTS überhaupt nicht mitmacht!

Darum klagt Großbritannien:

Während das Ausgabeprinzip sogar noch zu einer Stärkung des Finanzplatzes London führt, da viele Anleger wegen der Steuer dorthin ausweichen würden, befürchtet man an der Themse durch das Herkunftsprinzip sogar Schaden für die britische Finanzindustrie. Großbritannien müsste die Steuer dann nämlich im Rahmen von internationalen Steuerhilfeabkommen einziehen, diese aber sodann gleich wieder an das Land, welches die Steuer erhebt abführen. Weiterhin könnte die europarechtlich verankerte Dienstleistungsfreiheit durch die FTS beeinträchtigt sein, da Finanzunternehmen aus den 11 FTS-Ländern dann möglicherweise in ihren Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern unzulässig benachteiligt würden.

Abwarten, Herr Schäuble!

Für Trader und Anleger wird der Ausgang der Klage vor dem Europäsichen Gerichtshof sehr spannend werden und auch die damit einhergehenden Änderungen an der FTS. Gesichert scheint, dass die Steuer in 2014 kommen wird, aber möglicherweise ändern sich bis dahin noch viele Details.

Quelle: http://www.termintrader.com/termintrader/trading-artikel/ausbildung/eine-chance-fuer-trader-england-klagt-gegen-finanztransaktionssteuer,12,2475.html

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

erst in meinem letzten Beitrag „Was der weltgrößte Broker von der Finanztransaktionssteuer hält“ habe ich darüber geschrieben wie ICAP aus London die Steuer sieht.

Nun habe ich einen sehr aufschlussreichen Bericht der Deutschen Bank erhalten, dessen Kernaussagen ebenfalls höchst interessant sind und der deutlich zeigt wie Politiker wider besseres Wissen agieren!

Die Kernaussagen der Deutschen Bank im Kurz-Check:

  1. Die Steuer ist nicht zielführend. Weniger der Finanzsektor als mehr Unternehmen und Haushalte werden bestraft. Die Finanzzentren der beteiligten Länder würden massiv schrumpfen und die Realwirtschaft würde leiden.
  2. Ein Anstieg der Kosten für die Finanzierung der beteiligten Staaten durch Staatsanleihen würde erfolgen. Aufgrund der erhöhten Kosten durch die Steuer, müsste sich dies im Zinssatz widerspiegeln. Für Länder wie Deutschland sicherlich tragbar, für viele andere jedoch nicht. Insgesamt müssten die beteiligten Staaten mehr als 8,5 Milliarden Euro mehr an Zinsen bezahlen!
  3. Die EU Kommission kommt in einer eigenen Studie zu dem Schluss, dass die Steuer das BIP um 0,4 Prozent schmälern dürfte. Bei Erwartung von Einnahmen in Höhe von 0,2 Prozent, werden real also 0,2 Prozent des BIP oder 30 bis 35 Milliarden Euro verloren (!!!)
  4. Ein Rückgang um 70 bis 90 Prozent des Derivatehandels in den beteiligten Staaten wird erwartet. Ein gewünschter Effekt der EU laut der Deutschen Bank. Doch vergisst man hier, dass viele Unternehmen sich gegen Preisrisiken mittels Derivaten absichern müssen.
  5. Die Absicherungskosten für Unternehmen würden sich verdreifachen!

Ihr
Sebastian Hell

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