Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat am 08. Mai 2013 eine neue Studie zur Thematik der Finanztransaktionssteuer veröffentlicht. Man kommt darin zu folgenden sehr interessanten Schlüssen:

  1. Obwohl in der aktuellen Fassung des Steuerentwurfs der EU Kommission nur Finanzinstitute steuerpflichtig sind, ist dennoch damit zu rechnen, dass die erhöhten Kosten auf Verbraucher und Unternehmen abgewälzt werden und dadurch alle die Finanztransaktionssteuer entweder direkt oder indirekt entrichten müssen.
  2. Das DAI sieht sehr große Probleme in möglichen Kaskadeneffekten. Ich habe dieses Thema bereits schon früher in diesem Blogbeitrag ausführlich besprochen.
  3. Die Klassifizierung von Unternehmen als „Finanzinstitut“ könnte große Probleme nach sich ziehen. Es gibt eine Reihe an Unternehmen deren Geschäftsmodell die Finanzierung von Waren oder Rohstoffen für andere Firmen ist. Würde eine Klassifizierung dieser Unternehmen als Finanzinstitute erfolgen, dann würden erhebliche Mehrkosten entstehen. Wie genau die Abgrenzung zu einem Finanzinstitut erfolgen wird, ist bis dato noch unklar.
  4. Unternehmen werden bei der Absicherung von Risiken massiv behindert. Des Weiteren wird in die Altersvorsorge vieler Menschen eingegriffen, die ihre Vorsorge über Versicherungen, Banken etc. verwalten lassen. Die Transaktionssteuer würde dort immer anfallen.
  5. Abschließend führt das DAI auf, dass für 24 größere Unternehmen Mehrkosten zwischen 600 Millionen und 1,5 Milliarden Euro entstehen könnten. Damit sind direkte Folgen und Auswirkungen auf die Realwirtschaft wahrscheinlich.

 

Die gesamte Studie umfasst 25 Seiten und kann hier abgerufen werden

Ihr Sebastian Hell

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Interview zur Finanztransaktionssteuer: Andrea Unger, Italien, System-Trader (Trading-Weltmeister 2008 & 2009 & 2010 & Q4 2012)

Sebastian: Schön, dass Du mir ein kurzes Interview zur Finanztransaktionssteuer geben kannst. Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

andrea_ungerAndrea: Ich handle seit mittlerweile über 12 Jahren. Mein Spezialgebiet liegt in der Erstellung von automatischen Handelssystemen, die ich in unterschiedlichen Märkten (Rohstoffe, Devisen, Indizes und Zinsen) einsetze. Dabei kommen auch teils sehr verschiedene Handelsansätze zum Tragen, die von sehr kurzfristigen bis hin zu langfristigen Strategien reichen.

Sebastian: In Italien gibt es bereits eine Finanztransaktionssteuer. Schränkt das Deinen Handel von Futures und Aktien ein?

Andrea: Die Ausgestaltung der italienischen Finanztransaktionssteuer ist sehr ungewöhnlich. Ziel sollte ursprünglich die Bestrafung der „bösen Spekulanten“ sein. Man wollte diese an den Kosten der Finanzkrise beteiligen und zukünftige Krisen verhindern. In der Praxis ist es jedoch so, dass jeder außer den „bösen Spekulanten“ bestraft wird. Die Steuer ist nur auf wenige Aktien ausgerichtet und fällt auch nur dann an, wenn man Positionen über Nacht hält. Obwohl die Finanztransaktionssteuer auch auf Termingeschäfte wie Futures übertragen wurde, sind die Kosten derart gering, dass es Niemanden wirklich stört. Solange die Finanztransaktionssteuer in Italien in ihrer derartigen Form bestehen bleibt, gibt es keinerlei Handelseinschränkungen für mich.

Sebastian: Wenn sich Frau Merkel durchsetzt, dann wird die Finanztransaktionssteuer noch viel härter. Eine komplette Besteuerung von Derivaten mit 0,01 Prozent wird  in elf Ländern erfolgen. Siehst Du hier Probleme für Deinen Handel?

Andrea: Diese Form der steuerlichen Ausgestaltung wäre definitiv deutlich schwieriger für mich. Ich bin zwar kein Hochfrequenz-Händler, doch eine Besteuerung von 0,01 Prozent bei Derivaten würde große Teile meines Gewinns vernichten. Die Systeme und damit die gesamten Strategiekörbe wären weniger robust und deutlich anfälliger für Verluste. Die Konsequenz wäre eine Umstellung der Systeme auf andere Märkte und andere Strategien. Ich habe bereits Strategien für diesen Fall entwickelt, handle diese jedoch noch nicht, da mir die Ansätze selbst nicht gefallen. Sollte die Steuer jedoch kommen, müsste ich reagieren und meinen Handel anpassen.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Andrea: Ich bin kein Fan einer Finanztransaktionssteuer, da ich selbst nicht daran glaube, dass man destabilisierende Spekulationen mittels einer Steuer in den Griff bekommen kann. Damit Märkte negativ beeinflusst werden, muss mit enormen Summen spekuliert werden. Unternehmen und Personen die derartige Beträge kontrollieren und in die Märkte geben können, haben auch das Know How eine Finanztransaktionssteuer problemlos zu umgehen. Nicht die normalen Trader die ihren Lebensunterhalt verdienen sind das Problem sondern meist wenige Hedge Fonds mit Milliardenbeträgen. Diese kann man jedoch kaum kontrollieren.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Andrea: Ich lebe in Italien und werde meinen Lebensmittelpunkt auch nicht aufgrund des Trading verlagern. Auch der Handel anderer Märkte könnte schwierig sein, je nachdem worauf die Finanztransaktionssteuer anfällt. Daher bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig als mit längerfristigen Strategien und größeren Positionen zu arbeiten, um die Steuer zu kompensieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Andrea: Ich danke Dir für Deinen Einsatz mit Deiner Seite um allen Tradern eine Stimme zu geben! So etwas gibt es bisher leider überhaupt nicht!

 

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Nach einem meiner letzten Beiträge über die Finanztransaktionssteuer in Italien, kontaktierte mich der besprochene Broker Directa aus Italien und setzte mich mit auf den Presseverteiler. Man hat vor Kurzem eine detaillierte Pressemeldung mit einer guten Auswertung veröffentlicht. Dadurch haben wir nun saubere Daten aus Italien von einem der größeren Broker. Die Pressemeldung finden Sie nachfolgend.

Ihr
Sebastian Hell

Informationsblatt für die Presse 29.04.2013

Finanztransaktionssteuer in Italien: Directa verzeichnet 18 % weniger Ordervolumen

Die italienische Variante der Anfang des Jahres von den EU-Finanzministern beschlossenen FTT besteuert seit dem 1. März zu 0,12 Prozent alle italienischen Assets, die Overnight gehandelt werden. Intraday-Geschäfte und ausländische Aktien werden nicht besteuert. Verglichen mit Januar und Februar sind diese zu besteuernden Trades im März um 14 Prozent zurückgegangen, von 8.529 auf 7.330 am Tag. Das tägliche Ordervolumen ist sogar um insgesamt 18,6 Prozent gefallen. Wenn man die Transaktionskosten vergleicht, so hat der Directa-Kunde im Januar und Februar pro Transaktion 3,22 Euro an Kommissionen bezahlt. Ab dem 1. März sind die Kosten auf 4,58 Euro gestiegen. Das sind Mehrkosten von über 43 Prozent.

Weniger Steuereinnahmen als vom Staat erwartet

Directa macht als einer der größten Online-Broker Italiens rund 25 Prozent des Online-Trading-Marktes an der italienischen Börse aus, drei Prozent betreffen den zu besteuernden Overnight-Handel. „Täglich werden von unseren Kunden durchschnittlich 10.000 Euro an Steuern abgeführt“, erklärt Fabbri. „Wenn man das hochrechnet, kommt man bis Ende des Jahres auf rund 3 Millionen Euro. Bedenkt man aber, dass der italienische Staat sich aus den Einnahmen der Steuer rund eine Milliarde errechnet hat, frage ich mich, wo er die restlichen 997 Millionen hernehmen will.“

Positive Jahresbilanz für 2012 trotz Umsatzrückgang

Die Kunden des italienischen Online-Brokers Directa S.I.M.p.A. haben 2012 auf den italienischen Aktienmärkten einen Umsatz von insgesamt 31 Milliarden Euro erreicht. Das sind 15.3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich dazu sank der Handelsumsatz der italienischen Börse um insgesamt 28,8 Prozent. Dennoch konnte Directa – aufgrund der massiven Rückgänge der Transaktionen und des Handelsumsatzes – seinen Marktanteil auf dem elektronischen Aktienmarkt der italienischen Börse (MTA) von 2,61 Prozent (2011) auf 3,10 Prozent erhöhen.

Neues Handelssystem LMAX

„2012 war für viele sehr mühselig – das war abzuwarten und ist nicht verwunderlich“, erklärt Directa-Vorstandsvorsitzender Mario Fabbri. „Ich denke aber, dass es uns ganz gut gelungen ist, die massiven Rückgänge einzudämmen. Vor allem aber haben wir weiter in den Ausbau unseres Serviceangebots investiert. Nur dadurch konnten wir im Oktober diesen Jahres dem Forex-Trading das multilaterale Handelssystem (MTF) LMAX Exchange anbieten. Dies ist eine entscheidende Neuigkeit, die wir auch weiter ausbauen wollen. So ist in Zukunft beispielsweise ein 24-Stunden-Service geplant.“

Pressekontakt Directa Deutschland:

Alexandra Barone, +49 – 162 – 6068669, a.barone@gmx.de

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Kurzporträt Directa

Die seit März 1996 operativ tätige Directa Sim nimmt auf dem italienischen Online-Trading-Markt eine Pionierstellung ein und zählt zu den ersten Online-Brokern weltweit. Sie wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, Privatanlegern zu ermöglichen, direkt von ihrem PC aus kostengünstig und mit unverzüglicher Orderausführung an den Finanzmärkten zu handeln.

Der Schwerpunkt lag dabei von Anfang an auf sehr aktiven Kunden, die dank Directa über das Internet an der Mailänder Börse (Aktien, Derivate, Anleihen), der NYSE, NASDAQ, AMEX, OTC und CME (über Market Maker oder ECN), an der Eurex, auf XETRA in Frankfurt und Chi-X in London handeln können. Directa ist keine Bank, sondern eine Wertpapier-Maklergesellschaft (eine italienische SIM), d.h. ein Finanzdienstleister, der nach dem italienischen Gesetz befugt ist, u.a. Börsenaufträge von privaten und institutionellen Kunden entgegenzunehmen und Geldmittel und Wertpapiere von Privatkunden zu verwahren. Directa unterliegt der italienischen Börsenaufsichtsbehörde Consob und der italienischen Zentralbank Banca Italia. Weitere Informationen finden Sie unter www.directa.com

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

vor etwa einer Woche wurde bekannt, dass LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter vor dem Finanzausschuss klar gemacht hat, dass die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) eine Finanztransaktionssteuer unter Umständen nicht verkraften würde. Die Analysten der Bank hätten errechnet, dass durch die Besteuerung jeder Transaktion Mehrkosten von drei Milliarden Euro entstehen könnten, die für die LBBW nicht tragbar wären.

Finanztransaktionssteuer greift nicht wie die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden

Das „schlaue“ an der Finanztransaktionssteuer, zumindest aus Sicht der Politik ist, dass die Steuer bei jeder Transaktion greifen soll. Während die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden erhoben wird und Unternehmen diese wieder vom Finanzamt zurückholen können, soll dies bei der Finanztransaktionssteuer nicht der Fall sein. Bei der Mehrwertsteuer wird sichergestellt, dass keine unnötige Verteuerung der Produkte entsteht wenn diese von mehreren Firmen weiterverarbeitet werden. Sie fällt nur einmal am Ende des Prozesses beim Endkunden (Verbraucher) an.

Finanztransaktionssteuer „darf“ immer bezahlt werden

Die Finanztransaktionssteuer wird immer erhoben, auch wenn ein Produkt bankenintern gehandelt wird und erst später an Kunden weitergegeben. Gerade bei Emissionen von Staatsanleihen, die zuerst von den Banken gekauft und später erst weitergegeben werden, würde die Steuer immer wieder anfallen. Gleiches gilt auch für die Emission von Aktien, falls diese zunächst auf dem Handelsbuch der Bank verbleiben und später schrittweise abverkauft werden. Durch die ständige Besteuerung von Wertpapieren steigen die Kosten extrem an.

US-Banken freuen sich und gewinnen Marktanteile

Laut einer Studie der Deutschen Bank gewinnen US-Banken durch die geplante Finanztransaktionssteuer mehr Anteile. Es sei bereits jetzt schon ein Trend zu beobachten, dass Banken außerhalb der EU bevorzugt werden.

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Briten haben vor wenigen Tagen Klage beim Europäischen Gerichtshof gegen die geplante Finanztransaktionssteuer eingelegt. Damit will Großbritannien deutlich zeigen, dass man nicht nur gegen die Steuer ist, sondern durchaus den Willen besitzt auch zu handeln. Bisher waren die Worte des englischen Finanzministers eher zurückhaltend, doch mit der Klage folgt zumindest eine sichtbare Demonstration des Widerwillens gegen eine solche Steuer.

Warum klagen die Briten?

In einigen Foren kam die Frage auf warum die Briten eigentlich klagen. Sie seien von der Steuer ohnehin nicht betroffen. Dies ist jedoch falsch! Aufgrund der Globalisierung sitzen viele britische Firmen in den teilnehmenden Ländern an der Finanztransaktionssteuer. Daher haben diese Firmen ebenfalls mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie einheimische Unternehmen.

Finanzplatz London ebenfalls gefährdet

Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer kann dazu führen, dass London als Finanzplatz ebenfalls gefährdet wird. Ein großer Teil der Transaktionen wird sich nach London verlagern. Doch aufgrund des Herkunftsprinzips werden Trader, die in den teilnehmenden Ländern ansässig sind, auch die Steuer abführen müssen, wenn sie Wertpapiere aus Großbritannien handeln. Dies ist vor allem ein Aufreger für alle Länder die nicht teilnehmen, da sie gleichermaßen bestraft werden aber nichts von den Einnahmen erhalten.

Refinanzierung ist auch ein Thema

Die Refinanzierung der Staaten ist zudem ein wichtiger Streitpunkt. Investoren die in den elf teilnehmenden Ländern der Finanztransaktionssteuer ansässig sind, werden beim Kauf von Staatsanleihen einen Renditeaufschlag fordern. Dies ist nur logisch, da aufgrund der Steuer die Kosten steigen und diese durch eine höhere Rendite kompensiert werden müssen. Wie hoch der Aufschlag ausfallen könnte, muss erst berechnet werden und ist von Erfahrungswerten abhängig. Bei Hunderten Milliarden Euro an Refinanzierungen sind jedoch schon geringe Aufschläge entscheidend.

Ihr
Sebastian Hell

 

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Die Einführung der Finanztransaktionssteuer – auch als „Tobin Tax“ bekannt – war von Anfang an heftig umstritten. Als Spielball von politischen Interessen, Wirtschaftslobbyismus und linker Polemik war es schwer eine Sachdiskussion zu diesem Thema zu führen. Inzwischen haben sich 11 EU-Staaten auf die Einführung der Steuer geeinigt, die jede einzelne Finanztransaktion mit einem bestimmten Prozentsatz besteuern soll. Bei Derivaten soll diese Steuer bei 0,01 % des gehandelten Volumens liegen.

Herkunftsprinzip und Ausgabeprinzip:

Wie der Blog transaktionssteuer.info berichtet, soll bei der Finanztransaktionssteuer (FTS), sowohl das Ausgabe- als auch das Herkunftsprinzip zum tragen kommen.
Das Ausgabeprinzip besagt, dass alle Finanzinstrumente, die in dem besteuernden Staat emittiert oder an einer inländischen Börse gehandelt werden, der Transaktions-Besteuerung unterliegen. Würde man jedoch allein dieses Prinzip anwenden, würden sich Trader und Investoren umgehend nach alternativen Handelsplätzen umsehen. Die englische LSE oder andere ausländische Börsenplätze würden sofort reagieren und zum Beispiel den FDAX (freilich unter anderem Namen) auf ihrem elektronischen Parkett handelbar machen. Die Folge wäre eine Abwanderung von Kapital und die volkswirtschaftlichen Kritiker der FTS würden damit Recht behalten, dass die Steuer nur Nachteile für den Finanzplatz Deutschland bringt, ohne zu erhöhten Steuereinnahmen zu führen.
Aus diesem Grund soll zudem das Herkunftsprinzip angewandt werden: Hierbei richtet sich die Erhebung der Steuer nach dem Wohn- bzw. Firmensitz des Traders. Dies bedeutet, dass die Steuer auch dann fällig würde, wenn „Herr Schulze aus Wiesbaden“ in London den FTSE 100 handelt – auch wenn Großbritannien bei der FTS überhaupt nicht mitmacht!

Darum klagt Großbritannien:

Während das Ausgabeprinzip sogar noch zu einer Stärkung des Finanzplatzes London führt, da viele Anleger wegen der Steuer dorthin ausweichen würden, befürchtet man an der Themse durch das Herkunftsprinzip sogar Schaden für die britische Finanzindustrie. Großbritannien müsste die Steuer dann nämlich im Rahmen von internationalen Steuerhilfeabkommen einziehen, diese aber sodann gleich wieder an das Land, welches die Steuer erhebt abführen. Weiterhin könnte die europarechtlich verankerte Dienstleistungsfreiheit durch die FTS beeinträchtigt sein, da Finanzunternehmen aus den 11 FTS-Ländern dann möglicherweise in ihren Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern unzulässig benachteiligt würden.

Abwarten, Herr Schäuble!

Für Trader und Anleger wird der Ausgang der Klage vor dem Europäsichen Gerichtshof sehr spannend werden und auch die damit einhergehenden Änderungen an der FTS. Gesichert scheint, dass die Steuer in 2014 kommen wird, aber möglicherweise ändern sich bis dahin noch viele Details.

Quelle: http://www.termintrader.com/termintrader/trading-artikel/ausbildung/eine-chance-fuer-trader-england-klagt-gegen-finanztransaktionssteuer,12,2475.html

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

in Italien wurde in diesem Jahr die Finanztransaktionssteuer eingeführt. Nun gibt es erste Zahlen von einem Online Broker der ein Viertel des italienischen Aktienhandels an der italienischen Borsa Italiana ausmachen soll.

Umsatz bricht im März ein

Der oben erwähnte Broker namens Directa vermeldete einen Umsatzrückgang von 19 Prozent im März. Dies kann auf die Finanztransaktionssteuer zurückzuführen sein, muss jedoch nicht in meinen Augen. Von der Steuer sind nur Werte von mehr als 500 Millionen Euro Marktkapitalisierung betroffen. Momentan sind das gut 70 Aktien. Da nur wenige Aktien unter die Steuer fallen, kann der Monat März für Directa auch normal schwach gewesen sein. Es müsste genau gezeigt werden, wie hoch der Handelsrückgang innerhalb der Kategorie der betroffenen Aktien gewesen ist. Ich will die Steuer nicht in Schutz nehmen, aber Zahlen sollten für eine solide Argumentation auch richtig unterlegt sein.

Mehr Erfahrung ist notwendig

Bevor genaue Rückschlüsse gezogen werden können, brauchen wir mehrere Monate an Erfahrungswerten. Alles andere kann in einer stichhaltigen Diskussion in jede Richtung ausgelegt werden.

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

erst in meinem letzten Beitrag „Was der weltgrößte Broker von der Finanztransaktionssteuer hält“ habe ich darüber geschrieben wie ICAP aus London die Steuer sieht.

Nun habe ich einen sehr aufschlussreichen Bericht der Deutschen Bank erhalten, dessen Kernaussagen ebenfalls höchst interessant sind und der deutlich zeigt wie Politiker wider besseres Wissen agieren!

Die Kernaussagen der Deutschen Bank im Kurz-Check:

  1. Die Steuer ist nicht zielführend. Weniger der Finanzsektor als mehr Unternehmen und Haushalte werden bestraft. Die Finanzzentren der beteiligten Länder würden massiv schrumpfen und die Realwirtschaft würde leiden.
  2. Ein Anstieg der Kosten für die Finanzierung der beteiligten Staaten durch Staatsanleihen würde erfolgen. Aufgrund der erhöhten Kosten durch die Steuer, müsste sich dies im Zinssatz widerspiegeln. Für Länder wie Deutschland sicherlich tragbar, für viele andere jedoch nicht. Insgesamt müssten die beteiligten Staaten mehr als 8,5 Milliarden Euro mehr an Zinsen bezahlen!
  3. Die EU Kommission kommt in einer eigenen Studie zu dem Schluss, dass die Steuer das BIP um 0,4 Prozent schmälern dürfte. Bei Erwartung von Einnahmen in Höhe von 0,2 Prozent, werden real also 0,2 Prozent des BIP oder 30 bis 35 Milliarden Euro verloren (!!!)
  4. Ein Rückgang um 70 bis 90 Prozent des Derivatehandels in den beteiligten Staaten wird erwartet. Ein gewünschter Effekt der EU laut der Deutschen Bank. Doch vergisst man hier, dass viele Unternehmen sich gegen Preisrisiken mittels Derivaten absichern müssen.
  5. Die Absicherungskosten für Unternehmen würden sich verdreifachen!

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Firma ICAP aus London ist laut eigenen Angaben der weltgrößte Broker.  Über eine Milliarde Pfund Umsatz macht das Unternehmen mit Sitz in London, New York, Tokio und 20 weiteren Standorten pro Jahr. Über 3.000 Mitarbeiter arbeiten für die Firma. Die Stimme des Unternehmens hat durchaus Gewicht und daher möchte ich nachfolgend die Kernpunkte aus einer jüngst veröffentlichten Studie zusammenfassen.

  1. Die Wirtschaften der teilnehmenden Länder werden nachhaltig durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer geschädigt. Anstelle einer Verringerung des Handels, werden sich die Beteiligten einfach in anderen Ländern niederlassen, die nicht unter die Finanztransaktionssteuer fallen. Für Großfirmen ist dies relativ einfach durch die Gründung neuer Niederlassungen und Tochterfirmen möglich.
  2. Innerhalb der Teilnehmerländer ansässige Banken und Firmen werden einen gravierenden Wettbewerbsnachteil erfahren. Die Transaktionskosten steigen massiv an. Institute außerhalb der Zone der Finanztransaktionssteuer können erheblich bessere Angebote machen und werden dadurch ihre Marktanteile ausbauen können. ICAP erwartet, dass Firmen die von der Finanztransaktionssteuer betroffen sind, primär Geschäfte mit Unternehmen außerhalb der elf teilnehmenden Länder machen werden.
  3. Großbritannien könnte durch eine Welle von Neugründungen profitieren, wenn Unternehmen ihren Sitz nach England verlagern um die FTS (Finanztransaktionssteuer) zu umgehen. Erhöhte Steuereinnahmen wären die Folge.
  4. Die Verteilung der Einnahmen könnte zu einem großen Streitpunkt innerhalb der EU werden.
  5. ICAP bezweifelt, dass eine Einführung ab 2014 in der geplanten Form möglich ist. Eine zentrale Behörde für die Überwachung der Finanztransaktionssteuer müsste geschaffen werden. Diese müsste vor allem auch den Handel in Ländern überwachen die nicht an der FTS teilnehmen. Ein derartiger Großapparat würde deutlich länger als Januar 2014 benötigen um funktionsfähig zu sein.

 

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

die Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer scheint nun Form anzunehmen. Bisher war nicht ganz klar wie die Steuer aussehen wird. Wird es eine italienische Lösung geben, die dem Ausgabeprinzip entspricht oder eine wie von Deutschland geforderte Ausgestaltung nach dem Herkunftsprinzip. Bevor ich weiter ausführe, sollten die beiden Prinzipien kurz erklärt werden.

  • Ausgabeprinzip

    Hierbei fällt die Steuer auf Finanzprodukte an, die der Steuer unterliegen und in den Ländern ausgegeben werden, die bei der Finanztransaktionssteuer mitmachen. Bestes Beispiel hierfür sind Italien und Frankreich. Die Staatsbürger und Ausländer werden beim Handel der ausgewählten Produkte besteuert, sonst aber nicht. Wenn also ein Italiener oder Franzose in New York Futures handelt, dann wird er nicht besteuert. Handelt er oder ein Ausländer jedoch die Aktien die unter die FTS fallen, dann fällt die Steuer an. Diese Variante kann leicht umgangen werden indem man einfach im Ausland handelt.

  • Herkunftsprinzip

    Hier wird es (zumindest für den Fiskus) schon spannender. Herkunftsprinzip bedeutet, dass alle Staatsbürger die in den teilnehmenden Ländern leben, Steuer auf alles bezahlen müssen was die Politiker für gut (oder schlecht) befinden. Ein Deutscher müsste also dann die Steuer auf deutsche Finanzprodukte aber auch amerikanische oder asiatische Werte bezahlen sofern die Politiker diese mit besteuern (mit Sicherheit wird der Fiskus auch Auslandswerte besteuern).

Doppelt hält besser!

Mit dem Herkunftsprinzip ist es aber nicht getan! Es ist geplant auch das Ausgabeprinzip zur Geltung kommen zu lassen. Dadurch will man auch verdienen, wenn Ausländer Finanzprodukte in den Teilnehmerländern der FTS handeln. So versucht man die Finanzplätze vollends zu ruinieren!

Was kann man machen?

Betrachtet man die aktuelle Gesetzesvorlage sieht es danach aus, als ob der Handel unmöglich werden wird, zumindest für kurzfristige Händler. Allerdings scheint es auch Lösungen zu geben. Diese werde ich jedoch erst präsentieren wenn die Gesetzesvorlage entsprechend abgeschlossen ist. Derzeit bin ich mit Anwälten und Steuerberatern in Kontakt, um eine saubere Lösung zu finden die FTS legal zu umgehen.

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