Sebastian: Danke, dass Du mir ein Interview gibst.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

KarinRoller_Klein_1Karin: Ende letztes Jahrtausend wurde ich vom Börsenvirus infiziert. Der Einstieg damals erfolgte mit klassischen Aktien, dann kamen mit der Zeit Derivate hinzu – und hängen geblieben bin ich vor einigen Jahren an der Forex. Währungshandel ist stark technisch geprägt, so dass ich als Technische Analystin mit Ichimoku und Fibonacci meine „Spielwiese“ gefunden habe.

Sebastian: Du handelst primär Devisen, wird es hier Einschränkungen für Dein Trading geben aufgrund der Finanztransaktionssteuer geben?

Karin: Insbesondere beim Devisenhandel am Spotmarkt gibt es zwei diametral auseinandergehende  Meinungen: Die einen sagen FTT-pflichtig, die anderen sagen nicht FTT-pflichtig … wäre natürlich schön, wenn nicht FTT-pflichtig (FTT = Financial Transaction Tax).

Aber davon abgesehen wird diskutiert, dass Unternehmen, die Währungsrisiken hedgen, von der FTT ausgenommen werden sollen  …. gleiches gilt für die Fondsbranche.  Das ist eine krasse Ungleichbehandlung – die Großen lässt man wie üblich laufen.

Angenommen, der Handel am Devisen-Spotmarkt ist FTT-pflichtig, dann ist die Rechnung relativ einfach. Bei einem Lot = 100.000 Euro werden (vermutlich) 0,01% = 10 Euro je Half Turn fällig, für den Round Turn also 20 Euro. Da ich nicht scalpe, sondern trendfolgend unterwegs bin und gerne mal ein paar duzend Pips mitnehme, macht das eigentlich nicht so viel aus.

Nach meinem jetzigen Kenntnisstand ist es aufgrund der in die FTT eingebauten Steuervermeidungsstrategien von Deutschland aus kaum bis gar nicht möglich, als privater Trader die FTT zu umgehen. Ein Lichtblick ist, dass Finanzminister Schäuble für den Bundeshaushalt 2014 noch keine Einnahmen aus der FTT geplant hat und dass auch noch in Brüssel über die Ausgestaltung diskutiert wird.

Die Hoffnung stirbt zuletzt  – insbesondere an der Börse!

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von einer Finanztransaktionssteuer?

Karin: Nichts.

Für mich ist die FTT erstens nur Wahlkampftheater und zweitens eine Steuer mehr, über die die klammen Regierungen  versuchen, ihre Haushalte zu sanieren, anstatt sinnvoll zu sparen.

Blicken wir mal 111 Jahre zurück: 1902 wurde die Schaumweinsteuer eingeführt. Damit sollte die kaiserliche Flotte finanziert werden. Die kaiserliche Flotte gibt es längst nicht mehr – die Steuer ist aber bis heute geblieben. Ist eine Steuer erst einmal eingeführt, dann bleibt sie uns auch erhalten. Der Soli ist auch ein gutes Beispiel dafür. Der wurde 1991 eingeführt – als temporäre Steuer. 23 Jahre später zahlen wir immer noch …

Zurück zur FTT: Die soll eingeführt werden, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Wie soll eine Transaktionssteuer die Finanzmärkte stabilisieren? Sicher – margenarmer Hochfrequenzhandel wird eingedämmt, auch Scalper müssen sich womöglich eine neue Strategie suchen. Aber stabilisiert das die Finanzmärkte?  Zumal von den „Großen“ für die Großen der Branche Ausnahmen gefordert werden.

Die FTT durchgerechnet auf einen FDAX-Kontrakt sieht so aus: Besteuert wird der Nominalbetrag. Angenommen, der FDAX steht bei 8.000 Punkten, dann sind das 200.000 Euro Nominal. Davon 0,01% macht je Transaktion 20 Euro, für einen Round Turn damit 40 Euro. Also knapp zwei Punkte im FDAX. Da muss jeder seine Strategie daraufhin abklopfen, ob sie sich tatsächlich noch lohnt. Die FTT muss immer abgeführt werden – egal ob der Trade im Gewinn oder im Verlust endet. Und die Gewinne werden über weitere Steuern abgeschöpft.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht von staatlicher Seite aus in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Karin: Finanzkrisen können nicht mit einer Transaktionssteuer verhindert oder finanziert werden. Da müssen die Finanzinstitute zu wesentlich mehr Transparenz gezwungen werden und deren zum Teil dubiosen Geschäfte reguliert werden. Das Risiko muss der Kapitalbasis angepasst werden. Ich drücke das sicher laienhaft aus, aber nehmen wir beispielsweise einen privaten Trader, der sich überhebelt und sein Konto platt gemacht hat. Der ist pleite! Der Staat springt nicht ein und schießt auch kein Geld zu, so dass er mit seiner schlechten Strategie und schlechtem Risk- und Moneymanagement weitermachen kann!

Aber die Finanzinstitute sind „Systemrelevant“ und  „too big to fail“ – und dürfen locker flockig weitermachen mit ihrem schlechten Geschäftsmodell. Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste werden sozialisiert.  Und keiner traut sich, die Notbremse zu ziehen – außer Island vielleicht. Und solange die Regierungen einspringen und pleite gegangene Finanzinstitute retten, gibt es auch keinen Grund für die anderen, etwas am Geschäftsmodell zu ändern.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Karin: Der Umzug in ein warmes Land ist sicher eine Option, um dem kalten Wetter zu entgehen. Aber die FTT kann damit alleine nicht umgangen werden. Durch das Ansässigkeitsprinzip und das Ausgabeprinzip sollen Steuervermeidungsstrategien verhindert werden. Es entsteht die Steuerschuld, sobald eine der Transaktionsparteien in einem der teilnehmenden Mitgliedsstaaten ansässig ist, beziehungsweise wenn das gehandelte Finanzprodukt von einem der teilnehmenden Staaten ausgegeben wurde. Sobald also zum Beispiel der FDAX oder der Bund-Future der EUREX gehandelt wird – egal von wem und wo – wird die FTT fällig – das ist das Ausgabeprinzip. Den Bund vom sonnigen Hawaii aus zu handeln ist also FTT-pflichtig. Genauso FTT-pflichtig ist es allerdings, wenn ich von Deutschland aus den S&P Future handle – das ist das Ansässigkeitsprinzip. Erst wenn keiner der an der Transaktion Beteiligten in einem der teilnehmenden Staaten ansässig ist und ebenso das Produkt, dann besteht keine FTT-Pflicht. Hawaii mit US-Broker und S&P Future wäre also FTT-frei.

Wenn es bei der geplanten Ausgestaltung der FTT bleibt, ist es als privater Trader nicht einfach,  der FTT zu „entgehen“.  Geht nur über Umzug und andere Märkte … aber insbesondere ein Umzug muss wohl überlegt sein. Und dann muss die FTT erst noch beschlossen und umgesetzt werden.

Sebastian: Vielen Dank für das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Karin Roller, Deutschland, Vorstandsmitglied VTAD e.V.

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Sebastian: Danke, dass Du die Zeit für ein kurzes Interview zur Finanztransaktionssteuer gefunden hast. Kannst Du bitte etwas über Deinen Hintergrund als Trader sagen?

joerg_mahnertJörg: Ich bin seit nun mittlerweile 27 Jahren als Trader und Investor aktiv. Mein Spezialgebiet ist die Point&Figure-Charttechnik, die ich in faktisch allen Zeitebenen einsetze. Ich bin als Positions-, Swing und Intraday-Trader mit dieser Charttechnik „unterwegs“. Gehandelt werden faktisch alle Märkte, wobei das Hauptgewicht auf dem Index- und Aktienhandel, kombiniert mit Optionsstrategien liegt.

 

Sebastian: Was hältst Du von der geplanten Finanztransaktionssteuer?

Jörg: Prinzipiell erkenne ich die Notwendigkeit an, dass die Staaten mehr Steuern aus Finanzgeschäften generieren. Allerdings scheint mir die Finanztransaktionssteuer genau der falsche Weg zu sein. Man zielt damit wohl besonders auf den Hochfrequenzhandel ab. Allerdings steht zu erwarten, dass genau die Initiatoren dieses Handels ruckartig auf Finanzplätze ausweichen werden, bei denen diese Steuer nicht anfällt. Dass das plausibel ist, zeigt die 1985 in Schweden eingeführte Börsenumsatzsteuer, die statt erwarteter 165 Millionen Euro pro Jahr nur 9 Millionen einbrachte und 1992 wieder abgeschafft wurde. Es trifft einmal wieder die Falschen, nämlich private Trader.

Sebastian: Wird sich Dein Handel einschränken? Musst Du Deine Strategien oder anderes verändern?

Jörg: Ich werde meinen Positionstraderanteil erhöhen, um die Handelsfrequenz in ihrer Gesamtheit zu senken. Ich bin auch sehr gespannt, wie Derivate nun schlussendlich besteuert werden. Leider herrscht bei den Verantwortlich selber noch mehr als leichte Unschlüssigkeit darüber.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Jörg: Eine sehr schwierige Frage. Eventuell sollte darüber nachgedacht werden, ob wir die seit Jahren herrschende Derivateschwemme in dieser Form weiterführen sollten. Hier sehe ich durchaus den Grund für manche Überreaktionen der Märkte in den vergangenen Jahren.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Jörg: Ein Umzug kommt als stolzer Aachener eher nicht in Frage. Aber natürlich wird die Frage, welche Märkte sich steueroptimiert handeln lassen, in der Zukunft immer wichtiger.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Jörg Mahnert, Deutschland, Aktienhändler

 

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Sebastian: Danke, dass Du Dir Zeit nehmen konntest für ein Interview.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

lars_erichsenLars: Sehr gern. Mein Name ist Lars Erichsen, ich bin 41 Jahre alt und habe mich schon während meines Betriebswirtschaftsstudiums intensiv mit den Kapitalmärkten beschäftigt. Durch die fehlenden Aktienkurse und Nachrichten in Echtzeit für Privatanleger, waren diese damals erheblich benachteiligt gegenüber institutionellen Marktteilnehmern. Glücklicherweise haben sich die Umstände deutlich verbessert und so  verdiene ich seit 14 Jahren meinen Lebensunterhalt mit dem Aktienhandel. Zudem bin ich als Chefredakteur für den Inhalt des CFD-Briefes verantwortlich und verantworte außerdem inhaltlich den kostenlosen Trading-Brief.

Sebastian: Wird Dein Handel durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer betroffen sein? Falls Ja, welche Auswirkungen wird es geben?

Lars: Absolut, ja. Ein Großteil meiner Trades verläuft im kurzfristigen Zeitrahmen und zielt auf relativ kleine Gewinnspannen ab. Sofern ich den Ansatz nicht verändere, ist die offensichtliche Auswirkung also eine Schmälerung des Gewinns. Zudem wird es Trades geben die sich nicht mehr lohnen, mein Beitrag zur Liquidität im Markt nimmt also ab.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von der Einführung einer Steuer in dieser Form?

Lars: Die Finanztransaktionssteuer ist nicht die einzige, deren Sinnhaftigkeit oder Begründung für ihre Existenz man in Zweifel ziehen darf. Besorgniserregend erscheint mit aber ihre Entstehung. Es war deutlich erkennbar, dass viele EU-Staaten, die heute für die Einführung stimmen würden, ursprünglich dagegen waren und sich dann dem Druck, auch dem finanziellen, größerer Staaten wie Deutschland und Frankreich gebeugt haben. Das ist ein zutiefst undemokratischer Prozess und Wasser auf die Mühlen der Euro-Kritiker. Die Argumentation unseres Finanzministers für eine Finanztransaktionssteuer zeugt von fehlendem Praxiswissen.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Lars: Seit es Notenbanken gibt sind Märkte, streng betrachtet, nicht selbstregulierend. Die letzte Finanzkrise ist ja erst durch das massive Eingreifen der FED entstanden. Ohne große Veranlassung hat Alan Greenspan die Zinsen auf ein Niveau gesenkt, welches die Blase am Immobilienmarkt erzeugt und letztendlich zur Bankenkrise geführt hat. Seitdem ist der Einfluss der Notenbanken sukzessive gestiegen und hat nun fast schon experimentellen Charakter.

Sollten die regulativen Möglichkeiten der Notenbanken nicht mehr ausreichen, bliebe nur noch eine Ausweitung der staatlichen Eingriffe in die wirtschaftlichen Abläufe – keine angenehme Vorstellung. Ich glaube es gibt im Bereich der Energie, Wasser – und Lebensmittelversorgung Bereiche, in denen feste Regeln gelten sollten, die das Grundrecht der Menschen auf diese Güter berücksichtigen. Statt sich hier verpflichtend zu engagieren und außerdem die Grundlagen für Neugründer und mutige Ideen zu verbessern, sucht die Politik einfallslos nach neuen Einnahmequellen, um des Status Quo zu sichern.

Das geht ein wenig über Deine Frage hinaus, aber ich halte diesen Ansatz für ein grundlegendes Problem. Die mögliche Einführung einer Transaktionssteuer ist da nur ein weiteres Symptom. Man kann dieses Phänomen in vielen Bereichen beobachten – allein die Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt. Mein Heimatland, Schleswig-Holstein, liegt hier bundesweit sogar an der Spitze.  Entschuldige den kleinen Ausflug.

Sebastian: Du handelst vorwiegend CFDs. Denkst Du, dass Du dadurch Vorteile haben könntest? Eventuell werden diese ausgenommen.

Lars: Privat handele ich überwiegend Aktien. Sollten CFDs tatsächlich ausgenommen werden, dann würde ich dies in der Strategie  berücksichtigen. Für die Kunden des CFD-Briefes würde ich es mir natürlich wünschen.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Lars: Ich lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern gerne an der norddeutschen Küste und wenn wir mal über einen Umzug ins Ausland nachgedacht haben, dann hat bisher eigentlich häufiger das Wetter eine Rolle gespielt als die steuerliche Situation. Es ist für mich noch nicht abschätzbar, wie negativ der Einfluss durch die Transaktionssteuer werden könnte, da muss ich einfach abwarten.

Generell ist eine Umstellung im Handel nach 14 Jahren natürlich nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen, aber darüber nachdenken werde ich. Lieber wäre es mir, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde, dass eine derartige Steuer mehr Schaden als Nutzen bringt.

Daher danke ich Dir auch für Deinen Einsatz und Deine Aufklärung rund um dieses Thema und wünsche Dir viel Erfolg!

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Lars Erichsen, Deutschland, CFD-Trader

 

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Sebastian: Danke, dass Du mir ein Interview gibst.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

jensJens: Ich bin jetzt mittlerweile schon seit über 16 Jahren an der Börse aktiv. Seit fast 10 Jahren handele ich intensiv an den Terminmärkten und habe mich auf den Handel von Optionen spezialisiert. Vorrangig Optionen auf Futures in den USA.

Sebastian: Du handelst primär Optionen und Futures an den internationalen Terminmärkten. Wird Dein Handel durch die Finanztransaktionssteuer betroffen sein oder gar eingeschränkt werden?

Jens: Als in Deutschland ansässiger Steuerzahler wird mich natürlich die FTS auch treffen, wobei ich aktuell noch nicht genau einschätzen kann in welchem Umfang. Es gibt zwar konkrete Aussagen, dass Derivate einem Steuersatz von  0,01 % unterworfen sein werden, aber gerade beim Thema Optionen ist nichteindeutig geklärt, worauf diese 0,01% am Ende tatsächlich berechnet werden. Und so könnte diese Steuer zwischen einigen Cent bis hin zu mehreren Euro reichen. Und erst wenn man genau weiß wie hoch diese Steuer tatsächlich sein wird, lässt sich abschätzen wie groß der Einfluss auf den Handel sein wird. Grundsätzlich kann man wohl aber davon ausgehen, dass Strategien die nur sehr kurz im Markt sind und auf kleinste Preisveränderungen abzielen deutlich mehr tangiert werden als längerfristige Handelsstrategien.  Ganz aktuell hört man ja, dass die FTS nur für Finanzinstitute gelten soll und nicht für private Händler. Man wird sehen was letztendlich da auf uns zukommt.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von einer Finanztransaktionssteuer?

Jens: Überhaupt nichts. Alle neuen Steuern werden heute benutzt um einerseits das Wahlvolk zu beruhigen und andererseits den unerschöpflichen Geldhunger des Staates zu befriedigen. Der Nutzen der durch solch eine Steuer erreicht werden soll ist lediglich vorgeschoben. Durch Steuern werden niemals Fehlentwicklungen beseitigt, der Staat bedient sich nur dieser Entwicklungen um immer neue Steuern und Abgaben zu erheben. Letztendlich bezahlen die Kleinanleger mangels Gestaltungsmöglichkeiten mehr Steuern und die Institutionen verschieben ihre Steuerpflicht in Länder in denen weniger besteuert wird. Volkswirtschaftlicher Nutzen daher null bzw. im schlimmsten Fall sogar negativ, da dies langfristig das Vermögen der breiten Masse reduziert.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht von staatlicher Seite aus in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Jens: Nein. Der Staat sollte nicht eingreifen sondern vorab Regeln aufstellen, in denen sich ein Markt frei und fair gestalten kann. Und diese Regeln sollten für alle gelten. Wodurch gerade der Staat prädestiniert sein soll Krisen zu verhindern hat sich mir noch nicht erschlossen. Tatsächlich greift der Staat ja auch nie ein, sondern wird von den Märkten getrieben und betreibt dann Kosmetik um die größten Schäden zu vertuschen. Die Mär vom bösen Spekulanten der die Preise treibt und Länder in den Schuldensumpf führt mag ja bei einfach gestrickten Wählern ankommen, aber man muss sich doch nur die Verschwendung des Staates anschauen (jedes Staates – nicht nur Deutschland) um zu erkennen, dass der Staat in den meisten Fällen kein guter Krisenmanager ist.  Warum sollte er dies also in den Finanzmärkten können?

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Jens: Nein, aktuell nicht. Als Börsenhändler führt man ja in Deutschland kein so schlechtes Leben, wenn man auch einmal die andere Seite der Steuermedaille sieht. Uns geht es hier besser als 95% der Weltbevölkerung, wir jammern halt alle nur gern. Und wenn ich eines Tages mal in ein anderes Land ziehe, dann dürfte die Hauptmotivation das bessere Wetter sein.  Und auch der Handel anderer Märkte ist derzeit nicht geplant, wobei man hier niemals nie sagen sollte, denn gerade die Entwicklung der Finanzindustrie bringt permanent interessante Gelegenheiten und Chancen.

Sebastian: Vielen Dank für das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Jens Rabe, Deutschland, Optionshändler

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Sebastian: Danke, dass Du Dir Zeit nehmen konntest für ein Interview.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

rene_WolframRené: Ich bin seit nunmehr 15 Jahren an den Märkten aktiv, seit 10 Jahren lebe ich hauptberuflich von der Börse. Ich handele auf verschiedenen Zeitebenen, in verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Strategien und versuche so, die Dynamik der Märkte zu adaptieren und aus der Vielzahl der sich bietenden Möglichkeiten das Optimum herauszuholen.

Sebastian: Wird Dein Handel durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer betroffen sein? Falls Ja, welche Auswirkungen wird es geben?

René: Ich denke, die Auswirkungen für mich werden verglichen mit reinen Daytradern und Scalpern eher moderat negativ ausfallen. Bei den meisten meiner Setups ziele ich auf Gewinnspannen ab, die groß genug sind, um eine drastische Steuer zu kompensieren. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich natürlich auch für mich bestimmte Geschäfte nicht mehr lohnen und ich somit meine Handelsfrequenz eher zurückfahren werde.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von der Einführung einer Steuer in dieser Form?

René: Es ist gelinde gesagt ganz großer Unsinn und sie wird genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich bewirken soll. Der Handel wird viel illiquider werden, weil sich große Gruppen aus dem Markt zurückziehen werden. Die Folge wird sein, dass wir im schlechtesten Fall Verhältnisse bekommen, wie an Provinzbörsen. Die Gefahr von irrationalen Bewegungen ist dann viel größer. Schließlich sind es einzig und allein professionelle Trader, die selbst in hektischen und riskanten Phasen bereit sind, Liquidität in den Markt zu schießen. Vertreibt man sie vom Marktgeschehen, macht man die Märkte nicht ruhiger, sondern unnötig hektischer und schwieriger kalkulierbar. Es passt aber absolut in das Bild der bisherigen Krisenpolitik, die immer wieder daraus bestand, dass man ein Feuer mit Brandbeschleuniger zu löschen versuchte.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

René: Märkte regulieren sich selbst. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Die Frequenz mit der es zu immer neuen Blasenbildungen und Crashs kommt, nimmt doch erst zu, seitdem die Zentralbanken und immer stärker auch die Politik eingreifen. Durch das Intervenieren werden kranke Wirtschaftszweige künstlich am Leben gehalten, was effektiv den gesunden Zweigen Kapital abzieht. Liquiditätsüberschüsse fließen überwiegend nicht in die Realwirtschaft, sondern werden von den Banken dazu genutzt, um Geschäfte zu tätigen, die sie wahrscheinlich nicht machen würden, wenn sie das Risiko tatsächlich selbst tragen müssten. Wenn die nächste Blase platz – und das wird sie so sicher wie das Amen in der Kirche – gehen Politik und Zentralbanken die Möglichkeiten aus, gegenzusteuern. Wo sich der Staat dann bedienen kann, muss und vermutlich auch wird, kann sich ja jeder am Beispiel Zypern ausrechnen.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

René: Auswandern wegen der Finanztransaktionssteuer ganz sicher nicht. Die Verwendung unserer Steuergelder und die Lügengeschichten, die den unbedarften Bürgern aufgetischt werden, wären eher Gründe, dem Land den Rücken zu kehren. Doch meine Familie lebt hier, meine Freunde leben hier – deshalb würde ich den Wohnsitz nicht ins Ausland verlegen. Was die Märkte angeht, so handele ich schon jetzt zu 85% in Dollar und an den amerikanischen Terminbörsen gehandelte Futures. Ich werde auf kurze, schnelle Trades im FDAX verzichten, doch das mache ich bereits jetzt, so dass sich für mich aus aktueller Sicht nicht allzu viel verändern wird, wenn die FTS kommt. In anderen Ländern wurde sie recht schnell wieder zurückgenommen, als man gesehen hat, welche negativen Auswirkungen sie hat. Dies setzt Verstand und Reflektionsvermögen bei den Entscheidungsträgern voraus. Die letzten 10 Jahre haben diese Merkmale nicht ganz so ausgeprägt erkennen lassen, weshalb ich sehr gespannt bin, ob man die Sache irgendwann kippt.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit René Wolfram, Deutschland, Trader für multiple Märkte

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Sebastian: Danke, dass Du mir ein paar Fragen zur Finanztransaktionssteuer beantwortest. Kannst Du etwas zu Deinem Hintergrund sagen?

Kai_skoruppa_Bild_1Kai: Ich bin seit 1998 an der Börse aktiv. Angefangen mit Optionsscheinen, habe ich im Laufe der Jahre sehr viele Anlageklassen kennengelernt. Wobei mir die systematische Herangehensweise im Forex-Markt letztendlich den größten Erfolg gebracht hat. In den letzten Jahren hat sich ja auch einiges im Bereich Software getan, sodass die Vollautomatisierung des Handels nicht mehr annähernd so schwierig ist, wie das noch Mitte der 2000er der Fall war.

Sebastian: Ab 2014 wird wahrscheinlich eine Finanztransaktionssteuer in elf Ländern eingeführt werden. Falls nicht 2014 dann auf jeden Fall 2015. Was hältst Du davon?

Kai: Natürlich war kein ernsthafter Trader erfreut, als 2011 der erste Gesetzesentwurf für eine Transaktionsteuer von der EU-Kommission vorgelegt wurde. Die Absicht besteht ja darin, die Banken und Hedgefonds an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen. Ob diese Absicht am Ende jedoch auch erfüllt wird, steht für mich offen. Wie schon so oft in der Geschichte werden unter dem Deckmantel, die „Bösen“ zu bestrafen, Lösungen vorgeschlagen, die letztendlich alle Steuerzahler zu tragen haben.

Sebastian: Siehst du Probleme für Deinen Handel durch eine Finanztransaktionssteuer?

Kai: Momentan lässt sich noch zu wenig Konkretes hierzu sagen. Denn solange keine eindeutigen Gesetze gefällt worden sind, können wir über die Kosten die auf uns zukommen nur spekulieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es nun mal zu der normalen Arbeit eines Händlers gehört sich ständig auf neue Gegebenheiten im Markt anzupassen. Ich ziehe hier gerne den Vergleich zum Börsenhandel vor 15 Jahren. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen man bei den Brokern für einen Round-turn bis zu 40 USD und mehr bezahlt hat. Auch zu dieser Zeit gab es Händler, die trotz alledem Geld verdient haben. Die Gebühren, welche wir bei den Brokern heutzutage bezahlen, sind in den letzten Jahren auf ein Minimum geschrumpft. Kommt die Transaktionssteuer, dann werden diese wieder um einen gewissen Betrag ansteigen. So ist das nun Mal. Gute Händler werden auch dann noch Geld verdienen. Davon bin ich überzeugt.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden, um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Kai: Es gibt Bereiche, die einer Regulierung bedürfen. Eines dieser Bereiche ist zum Beispiel der High Frequency Handel (Hochfrequenz-Handel). Viele verwechseln das HF-Trading mit dem automatisierten Trading. Jedoch ist das automatisierte Trading nichts anderes als eine Vorgehensweise in der man wichtige Aufgaben, in denen wir Menschen weniger gut sind, an eine Software abgibt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Anzahl der Trades wird hierdurch nicht unbedingt gesteigert. Im HF-Trading jedoch ist die Steigerung der Trades genau das Ziel. Es werden Tausende Positionen in Millisekunden geöffnet und wieder geschlossen um hiermit andere Marktteilnehmer durcheinanderzubringen und ungeahnte Bewegungen am Markt herbeizurufen.

Ein anderes Thema sind Produkte von Banken, die so komplex sind, dass Sie von den allermeisten Bankangestellten nicht mehr verstanden werden. Diese Produkte führen dann zu derartigen Krisen wie wir sie zuletzt 2008 gesehen haben und ich bin der Meinung, dass man gut und gerne darauf verzichten sollte. Börsen-Blasen wird es jedoch immer geben. Solche entstehen aus menschlichen Verhaltensmustern wie Angst und Gier und man kann sie nur schwer kontrollieren. Da hilft auch keine Finanztransaktionssteuer.

Sebastian: Planst Du spezielle Maßnahmen aufgrund der Steuer wie bspw. Standortverlagerung oder Handel anderer Märkte zu ergreifen?

Kai: Die einzige Chance, die ich sehe, ist wie immer die Anpassung meiner Tradingsysteme. Eine Möglichkeit wäre es, den Handel auf Produkte zu verlagern, die von der FTS nicht betroffen sind (wenn es denn so etwas überhaupt geben wird). Natürlich muss man die genauen Gesetzestexte abwarten und dann entsprechende Entscheidungen treffen. Da ich persönlich jedoch vorwiegend mit Forex handle, kann es sein, dass ich gar nicht von diesem Thema betroffen sein werde. Denn ich kann mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass auch der freie Austausch von Devisen besteuert werden soll. Also abwarten und handeln, wenn es so weit ist.

Sebastian: Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Kai Skoruppa, Deutschland, Trader & Betreiber von Forex-Ausbildung.com

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Interview zur Finanztransaktionssteuer: Andrea Unger, Italien, System-Trader (Trading-Weltmeister 2008 & 2009 & 2010 & Q4 2012)

Sebastian: Schön, dass Du mir ein kurzes Interview zur Finanztransaktionssteuer geben kannst. Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

andrea_ungerAndrea: Ich handle seit mittlerweile über 12 Jahren. Mein Spezialgebiet liegt in der Erstellung von automatischen Handelssystemen, die ich in unterschiedlichen Märkten (Rohstoffe, Devisen, Indizes und Zinsen) einsetze. Dabei kommen auch teils sehr verschiedene Handelsansätze zum Tragen, die von sehr kurzfristigen bis hin zu langfristigen Strategien reichen.

Sebastian: In Italien gibt es bereits eine Finanztransaktionssteuer. Schränkt das Deinen Handel von Futures und Aktien ein?

Andrea: Die Ausgestaltung der italienischen Finanztransaktionssteuer ist sehr ungewöhnlich. Ziel sollte ursprünglich die Bestrafung der „bösen Spekulanten“ sein. Man wollte diese an den Kosten der Finanzkrise beteiligen und zukünftige Krisen verhindern. In der Praxis ist es jedoch so, dass jeder außer den „bösen Spekulanten“ bestraft wird. Die Steuer ist nur auf wenige Aktien ausgerichtet und fällt auch nur dann an, wenn man Positionen über Nacht hält. Obwohl die Finanztransaktionssteuer auch auf Termingeschäfte wie Futures übertragen wurde, sind die Kosten derart gering, dass es Niemanden wirklich stört. Solange die Finanztransaktionssteuer in Italien in ihrer derartigen Form bestehen bleibt, gibt es keinerlei Handelseinschränkungen für mich.

Sebastian: Wenn sich Frau Merkel durchsetzt, dann wird die Finanztransaktionssteuer noch viel härter. Eine komplette Besteuerung von Derivaten mit 0,01 Prozent wird  in elf Ländern erfolgen. Siehst Du hier Probleme für Deinen Handel?

Andrea: Diese Form der steuerlichen Ausgestaltung wäre definitiv deutlich schwieriger für mich. Ich bin zwar kein Hochfrequenz-Händler, doch eine Besteuerung von 0,01 Prozent bei Derivaten würde große Teile meines Gewinns vernichten. Die Systeme und damit die gesamten Strategiekörbe wären weniger robust und deutlich anfälliger für Verluste. Die Konsequenz wäre eine Umstellung der Systeme auf andere Märkte und andere Strategien. Ich habe bereits Strategien für diesen Fall entwickelt, handle diese jedoch noch nicht, da mir die Ansätze selbst nicht gefallen. Sollte die Steuer jedoch kommen, müsste ich reagieren und meinen Handel anpassen.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Andrea: Ich bin kein Fan einer Finanztransaktionssteuer, da ich selbst nicht daran glaube, dass man destabilisierende Spekulationen mittels einer Steuer in den Griff bekommen kann. Damit Märkte negativ beeinflusst werden, muss mit enormen Summen spekuliert werden. Unternehmen und Personen die derartige Beträge kontrollieren und in die Märkte geben können, haben auch das Know How eine Finanztransaktionssteuer problemlos zu umgehen. Nicht die normalen Trader die ihren Lebensunterhalt verdienen sind das Problem sondern meist wenige Hedge Fonds mit Milliardenbeträgen. Diese kann man jedoch kaum kontrollieren.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Andrea: Ich lebe in Italien und werde meinen Lebensmittelpunkt auch nicht aufgrund des Trading verlagern. Auch der Handel anderer Märkte könnte schwierig sein, je nachdem worauf die Finanztransaktionssteuer anfällt. Daher bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig als mit längerfristigen Strategien und größeren Positionen zu arbeiten, um die Steuer zu kompensieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Andrea: Ich danke Dir für Deinen Einsatz mit Deiner Seite um allen Tradern eine Stimme zu geben! So etwas gibt es bisher leider überhaupt nicht!

 

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Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Peter Müller, Geschäftsführer QTrade . Das Interview hat mein Kollege Marcel Adler in Sankt Petersburg geführt.

MA: Danke, dass Sie Zeit für ein Interview gefunden haben. Ich weiß, dass Sie sehr viel unterwegs sind. Können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

pmueller_120x160PM:  Ich bin 36 Jahre alt und lebe derzeit abwechselnd in München und in Sachsen, wo ich geboren bin. Für Trading begann ich mich erstmals mit etwa 18 Jahren zu interessieren und handelte ab da recht aktiv – zunächst mit asiatischen Pennystocks, später dann mit Futures. Während meines Studiums der Rechtswissenschaften arbeitete ich zeitweise bei einem Broker im Frankfurter Raum, um „die andere Seite“ kennenzulernen. Noch während meines Studiums gründete ich mit Partnern ein Unternehmen zum Vertrieb von Finanzinformationen und später ein Unternehmen zur Beratung von Hedgefonds und anderen institutionellen Kunden. Seit 2009 bin ich Geschäftsführer der QTrade GmbH.

MA: Was halten Sie von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

PM: Ich finde die Idee Finanztransaktionen zu besteuern nicht grundsätzlich schlecht. Jedoch sollte eine Steuer auch das politische Ziel erfüllen. Bei der FTS sind diese Ziele zum einen die Generierung von Mehrsteuereinnahmen und zum anderen der Schutz des Finanzmarktes vor massiven Verwerfungen in Folge hochfrequenter Spekulation. Nachdem, was ich bisher über die Pläne zur Ausgestaltung der FTS erfahren habe, werden diese Ziele meiner Einschätzung nach gerade nicht erreicht werden. Das Kapital ist flüchtig und insbesondere große Marktteilnehmer wie Banken und Hedgefonds, werden das Geschäft einfach ins FTS-Ausland verlagern und dadurch der Steuer entgehen. Nicht die vielfach beschworenen Heuschrecken und Finanzhaie werden diese Steuer bezahlen, sondern die kleinen und mittelgroßen privaten Trader. Zudem übersieht die Politik, dass auch die reine Spekulation ihre Funktion hat, indem sie an den Märkten erst die nötige Liquidität und damit gerade Stabilität schafft. Sollten unsere Märkte nun mangels Intraday-Liquidität austrocknen, werden die Märkte eher noch erratischer und unvorhersehbarer reagieren.

MA: Wie hätte denn die Steuer Ihrer Meinung nach anders gestaltet werden müssen?

PM:  Um Schaden für einzelne Finanzplätze zu vermeiden, hätte man zumindest alle großen Standorte inklusive USA und Fernost anbinden müssen. Da dies nicht mal in Europa gelungen ist, hätte man die Steuer konsequent fallen lassen müssen. Es ist aber im Moment so, als würden Zigaretten in einem Supermarkt besteuert werden und im nächsten nicht  (wobei die Zigaretten vergleichbar sind, die Supermärkte direkt nebeneinander im Wettbewerb stehen und nicht durch eine Grenze mit effektiven Kontrollen getrennt sind). Das Ausgabeprinzip schadet nur dem Standort und das Herkunftsprinzip diskriminiert die Trader und führt zu Abwanderung. Will die deutsche und europäische Politik jetzt nicht plötzlich ins Lager der Globalisierungsgegner wechseln und sich international abschotten, ist die FTS bereits jetzt gescheitert.

MA: Aus Sicht des Brokers: Was hat die Branche zu erwarten?

PM: Ich kann nur für unser Unternehmen sprechen: Wir sehen das Ganze gelassen, wobei wir die Entwicklungen genau beobachten und das Thema regelmäßig mit unseren Rechtsanwälten und anderen Beratern besprechen. Die Branche entwickelt sich ständig weiter und wird auch auf die Einführung der FTS eine kreative Antwort finden. Trader wie Broker die sich nicht anpassen, werden aber sicher mit Problemen zu kämpfen haben. Aber gerade darin sehen wir auch eine Chance…

MA:  Sollte aus Ihrer Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

PM:  Es kann schon Situationen geben, in denen eingegriffen werden muss. Der Markt ist kein losgelöstes Überwesen, sondern Teil unserer Gesellschaft mit der Aufgabe gesellschaftlichen Nutzen und Wohlstand zu schaffen. Eingriffe sollten jedoch sehr sparsam und wohlüberlegt erfolgen – genauso wie eine Operation nur durchgeführt wird, wenn sie unvermeidlich ist. Der Eingriff könnte sonst mehr schaden als nutzen. Letztlich ist das eine Einzelfallentscheidung.

MA: Gibt es spezielle Pläne für die Zukunft von QTrade in punkto Finanztransaktionssteuer?

PM: Die gibt es.

MA: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

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Sebastian: Michael, danke dass Du Dich für das Interview bereit erklärt hast. Kannst Du den Lesern kurz etwas über Dich erzählen über Deinen Hintergrund, Handelsstil, etc.

MichaelGassnerMichael: Ich handle schon seit über 30 Jahren sehr aktiv an den Märkten. Seit 20 Jahren handle ich insbesondere den FDax, sowohl im sehr kurzfristigen Bereich, als auch im Bereich Swing-Trading. Im Swing-Trading komme ich hier auf ca. 10 Trades am Tag. Im kurzfristigen Bereich auf bis zu 50 Trades am Tag.

Sebastian: Was hältst Du von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

Michael: Die Einführung der FTS würde den deutschen Kapitalmarkt in den Bereich eines Entwicklungslandes zurückführen. Nicht nur das Tradingvolumen  würde massiv zurückgehen, sondern auch die Möglichkeiten der Kapitalaufnahme für mittelständische und große deutsche Unternehmen würden massiv eingeschränkt werden. Getroffen werden hier insbesondere auch der Kleinanleger und die Nachwuchstrader. Die sowieso schon im Vergleich zu anderen Industrienationen eingeschränkte Aktienmarktkultur in Deutschland würde massiv leiden.

Der Kapitalmarkt hat ja die Aufgabe die verfügbaren Kapitalmittel möglichst effizient in den attraktivsten zukunftsträchtigsten Feldern respektive  Unternehmen einzusetzen. Im Prinzip der Kern einer freien Marktwirtschaft.  Diese sehr wichtige Funktion der Börse würde massiv eingeschränkt werden.

Interessanterweise werden die ursprünglich geplanten Adressaten der FTS aber gerade nicht getroffen. Banken mit ihren Handelsabteilungen werden elegant ins Ausland abwandern.

Sebastian: Wird Dein Handel dadurch betroffen sein? Du lebst zwar im nicht betroffenen Ausland (Schweiz), aber so wie es aussieht musst Du beim Handel des FDAX  in Deutschland auch die Steuer berappen.

Michael: Das ist richtig. Das Problem ist jedoch nicht nur die Steuer an sich, sondern die potentielle Änderung der Struktur des Marktes. Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Studien, die mit einer Abnahme des Handelsvolumens von ca. 80 % rechnen! Selbst die Europäische Kommission sieht dies ähnlich.

Für mich hätte der FDAX daher nicht mehr genügend Liquidität und ein wesentlich erratischeres Kursbild. Ein Handel wäre für mich dann nicht mehr sinnvoll. Außerdem würden sich meine Kosten für einen Kauf/Verkauf etwa verzwanzigfachen!

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Michael: Langfristig reguliert sich der Markt tatsächlich  von alleine. Lediglich kurzfristig sollten Maßnahmen wie kurzfristige Handelsaussetzungen etc., getroffen werden. Hier hat man z.B. in den USA ein recht gutes Regelwerk.

Der letzte der Risiken entdecken würde, ist die Politik.  Die Finanzmärkte sind da immer schneller und effektiver. Und eine Abwärtsbewegung muss nicht nur negativ sein. Sie ist ab und zu notwendig, um Blasen und Fehlallokationen abzubauen (Gutes Beispiel hierfür die Neue Markt Korrektur). Die derzeitige massive Liquiditätsflut, hervorgerufen durch viele Notenbanken  lösen die Probleme nur kurzfristig.

Die große Krise wird dadurch jedoch nur noch größer.  Die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren eine Blase ungeheuren Ausmaßes angefüttert.

Sebastian: Hast Du für die Zukunft spezielle Maßnahmen geplant aufgrund der Finanztransaktionssteuer? Beispielsweise Handel anderer Märkte, Weg- oder Umzug, etc.?

Michael: Wenn die FTS tatsächlich kommt, werde ich auf andere Handelsprodukte ausweichen müssen.

Da ich gerne zu normalen Tageszeiten handle, wird sich dann meine Aktivität auf den Handelsplatz London konzentrieren. Nahezu der gesamte europäische Handel wird sich dann dort konzentrieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

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