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eine Finanztransaktionssteuer funktioniert wie eine Mehrwertsteuer auf börsliche und außerbörsliche Produkte. Kauft oder verkauft der Investor ein finanzielles Produkt, so muss er die Finanztransaktionssteuer zusätzlich an den Staat abführen. Diese beträgt im Schnitt knappe 0,1 %. Die Funktion der Finanztransaktionen ist zum einen, kurzfristige Spekulationen zu vermeiden. So ist es schlicht aufgrund der Abgabe unrentabel für Anleger, ausschließlich kurzfristig zu denken. Außerdem ist es eine weitere Möglichkeit für Staaten, Steuereinnahmen zu erhöhen.

Frühformen der Finanztransaktionssteuer

Die frühste Form der Finanztransaktionssteuer trat im 17. Jahrhundert in England auf. Hier wurde eine Steuer auf den Stempel belegt, die bei jeder Finanztransaktion bezahlt werden musste. Eine ähnliche Steuer wurde 1881 von Preußen eingeführt, die bis 1992 Bestand hatte.

Alles begann mit Keynes

Der englische Ökonom John Maynard Keynes war der Erste, der die Idee einer expliziten Finanztransaktionssteuer verfolgte. Nach der großen Depression im Jahre 1936 argumentierte Keynes, dass die kurzfristige Spekulation eingedämmt werden müsse, indem man die Finanztransaktionssteuer einführt. Dies würde den Firmen erlauben, sich auf längerfristige Gewinnmaximierung zu konzentrieren. Auf der anderen Seite entkräftete er sein eigenes Argument, da er befürchtete, dass die Liquidität einiger Branchen durch eine solche Steuer gefährdet werden würde.

Keynes Schüler setzte seine Arbeit fort

Die Tobin-Steuer geht auf einen der Schüler Keynes zurück. James Tobin hatte eine Steuer entwickelt, mit der er vor allem den Devisenmarkt nach dem Zusammenbruch des Bretton-Wood-Systems die Entwicklung der Währungen an langfristige Faktoren koppeln wollte. Diese Steuer wurde niemals umgesetzt.

Entwicklung in der Europäischen Union

Unter dem Druck der Finanzkrise wurden immer mehr Möglichkeiten diskutiert, die den Handel mit Wertpapieren einschränken sollten. Auch die Finanztransaktionssteuer wurde von unzähligen Experten diskutiert. Insbesondere linke Kräfte propagieren diese Steuer, da es mit ihr möglich wäre, den die Macht des Finanzsektors zu beschneiden. Liberale Wirtschaftswissenschaftler besinnen sich hingegen auf das Argument, das einst Keynes selbst vorgebracht hatte, dass eine Finanztransaktionssteuer bedrohliche Auswirkungen auf die Liquidität der Wirtschaftsinstitutionen haben könnte. Ein Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg am 13. Oktober 2012 beschloss, dass eine ganze Reihe von Staaten in der EU die Finanztransaktionssteuer einführen würde.

Welche Staaten sind dabei?

Frankreich machte am 01. August 2012 den Anfang und führte die Steuer ein. Am 01. März 2013 folgte Italien. Zu Beginn des Jahres 2014 werden womöglich Deutschland, Belgien, Österreich, Portugal, Slowenien, Griechenland, Italien, Spanien, Slowakei und Estland die Finanztransaktionssteuer in ihre Gesetzgebung aufnehmen.

 

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Ein Gedanke zu “Die Geschichte der Finanztransaktionssteuer

  1. Sehr geehrter Herr Hell,

    ich danke Ihnen für Ihr Bemühen, gegen die FTS anzukämpfen. Ich bin bei Ihnen. Diese Steuer ist eine „Hexenverbrennung“, purer Aktionismus, passt aber leider zur gesamtgesellschaftlichen (links)-Entwicklung. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einige wichtige Punkte lenken.
    1.) diese Steuer verringert das Handelsvolumen – besonders in den kleinen Zeiteinheiten, daher wird die ATR größer, die Volatilität steigt. Demzufolge kann diese, und wird diese FTS keine „Beruhigung“ der Märkte erzeugen, sondern genau das Gegenteil. Größere Tageshandelsspannen sind die Folge.
    2.) Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen Kassa und Termin. Während die robuste Kasse eine Steuer von 0,1 % noch zähneknirschend wegstecken wird, werden die sensiblen Terminmärkte bei 0,01 verrückt spielen.
    3.) Diese FTS wird am Anleihemarkt über nacht diskontiert, am nächsten morgen rentieren Bundesanleihen schon höher – viel höher als die doppelte Steuer. Wer zahlt die höhere Rendite? …
    4.) Ein Volumenrückgang z.B. im FDAX kann ein über den Zinsspread hinausgehende Differenz hervorrufen – und wird eine über den Zinsspread hinausgehende Differenz hervorrufen !! – welche nicht mehr durch Arbitrage aufgefangen wird, wonach Absicherungsgeschäfte ungenau werden und über diesen Weg auf den Kassamarkt durchschlagen.
    5.) Höhere Absicherungskosten für Unternehmen werden sich dramatisch auf den Endverbraucherpreis auswirken.
    6.) Es ist rechtlich fraglich, inwieweit eine FTS auf einen Terminmarkt (Bund,FDAX, WTI u.s.w.) angewendet werden darf – es handelt sich hierbei um den Abschluss eines standartisierten Vertrages, nicht – noch nicht – um eine Finanztransaktion im eigentlichen Sinne, denn diese setzt das transferieren von Geld vom Konto A nach Konto B voraus. Dies geschiet bei Futures aber erst (sieht man von Gebühren mal ab) bei Positionsschließung.
    7.) Abwanderung von Firmen – UND HÄNDLERN !!!!! Berufshändler sind die Honigbienen in den Terminmärkten, sie fliegen von Blüte zu Blüte – von commercial zu commercial – das ganze im Schwarm, Berufshändler sind Risikoabsorbanten und somit versicherungstechnisch für die Commercials unterwegs.

    Ich bin sicher, dass Sie dies alles so oder ähnlich sehen, ich musste mir das alles mal von der Seele reden.

    Machen Sie bitte weiter!

    Ich verbleibe

    MfG

    Jörg-Matthias Loos

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