Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

in der letzten Woche ging mir eine interessante Pressemeldung des Broker Directa aus Italien zu. Darin stand folgender Absatz geschrieben:

 Die italienische Variante der Anfang des Jahres von den EU-Finanzministern beschlossenen Finanztransaktionssteuer ist am 1. März 2013 eingeführt worden, Sie besteuert zu 0,12 Prozent alle italienischen Assets, die Overnight gehandelt werden, ab 1. September müssen auch Derivate besteuert werden, Intraday-Geschäfte und ausländische Aktien werden nicht besteuert. Die Transaktionskosten bei Directa sind von 3,22 Euro pro Transaktion im Februar 2013 auf 4,58 Euro im März gestiegen.

„Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr ist das Gesamtvolumen in den ersten neun Monaten von 2,114 auf 1,757 Millionen zurückgegangen. Im Intraday-Geschäft sind die Orders um 10 Prozent gefallen“, erklärt directa-Managerin Elena Motta. Das Online-Trading macht ein Drittel des allgemeinen Volumens von 284 Milliarden Euro an der italienischen Börse aus. Zugenommen hat hingegen das Interesse der Trader im Hinblick auf den ausländischen Markt: Bei den US-Aktienkäufen konnte Directa – verglichen mit dem Vorjahr – eine Zunahme des Handlesvolumens von 19 Prozent verbuchen. „Bezüglich der deutschen Assets und Märkte haben wir eine Zunahme von drei bis vier Prozent verzeichnet“, erklärt Geschäftsführer Mario Fabbri.

Die vom Staat erwarteten Einnahmen von einer Milliarde sind allerdings ausgeblieben. Insgesamt wurden laut der italienischen Wirtschaftszeitung „Il sole 24 ore“ (06.12.2013) nur 159 Millionen eingenommen. Ein Grund mehr, über eine Änderung der Tobin Tax nachzudenken, fordert die fünfte parlamentarische Kommission (Haushaltsplan) unter Francesco Boccia. Der Gesetzesentwurf, von elf Senatoren unterstützt, sieht u.a. vor, dass die Tobin Tax ab März 2014 auf 0,1 Prozent auf Aktien festgefroren wird, statt wie vorgesehen auf 0,2 Prozent zu steigen.

Quelle: Directa; Fettungen: Transaktionssteuer.info

Die obere Darstellung von Directa zeigt eindrucksvoll was in diesem Blog immer wieder prophezeit wurde. Das inländische Handelsvolumen nimmt sofort nach Einführung der Steuer ab. Trader reagieren über ihre Handelsplattformen und können mit wenigen Klicks die Orders an eine andere Börse senden. Zudem zeigt sich, dass der Staat 84 Prozent weniger eingenommen hat als erwartet. Italien sollte als Lehrbeispiel für alle Politiker dienen, die immer noch an den Erfolg der Finanztransaktionssteuer glauben.

Ihr Sebastian Hell

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