Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

eine interessante Leserfrage erreichte mich vor wenigen Tagen. Darin ging es um die Frage ob auch Privatleute von der Steuer betroffen seien oder nur Banken und Fonds. Bisher gibt es hierzu wenig Konkretes.

Allerdings wurde seitens der Politik bereits darüber diskutiert die privaten Händler außen vor zu lassen und nicht zu besteuern. Dies klingt auf den ersten Blick nobel, doch muss man hier etwas tiefer gehen und darf diese Aussage nicht einfach so akzeptieren!

Privatleute zahlen auf jeden Fall die Steuer!

Möglicherweise werden private Händler von der Steuer ausgenommen (was ich ehrlich nicht glauben kann, denn die Banken werden ins Ausland fliehen und einer muss gemolken werden). Allerdings haben die meisten Deutschen Sparverträge, Versicherungen und Fonds die sie bei Banken und Fondsgesellschaften verwalten lassen.

Diese werden die Finanztransaktionssteuer bezahlen müssen und reichen die Kosten dafür direkt an die Anleger weiter. Die Folge ist eine noch geringere Rendite als sie ohnehin schon ist. Nur wer alles selbst macht und seine Gelder komplett in Eigenregie verwaltet, könnte profitieren wenn Privatleute ausgenommen sind. Doch kaum Jemand hat die Zeit und Erfahrung dies wirklich selbst zu tun.

Vermeidung der Finanztransaktionssteuer durch Handel von ausländischen Werten?

Eine weitere gute Frage desselben Lesers war, ob man auch Steuer bezahlen müsse wenn man US-Futures handle. Angenommen in Deutschland wird die Steuer wie schon öfter in diesem Blog beschrieben eingeführt. Die Steuer würde dann auf deutsche Aktien und wahrscheinlich Futures anfallen. Doch was passiert wenn man als Deutscher weiterhin in den USA seine Futures handelt?

Auch hier gibt es bisher keine genauen Aussagen. Laut aktueller Vorlage sieht es danach aus, dass diese Werte nicht betroffen sind. Man handelt in den USA seine Produkte über eine US-Börse.

Normalerweise ist das nicht das Einflussgebiet der deutschen Politiker und man kann eigentlich nicht einfach eine Steuer auf US-Werte erheben. Tendenziell würde ich daher sagen, dass beim Handel von US-Futures nichts passieren dürfte. Gleiches gilt auch für CFDs und FX-Produkte die derzeit komplett außen vor gelassen werden und sich in Frankreich größerer Beliebtheit erfreuen, da man steuerfrei weiterhandeln kann.

Ihr Sebastian Hell

 

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5 Gedanken zu “Finanztransaktionssteuer nur für Banken und Fonds oder auch für Privatleute?

  1. Vielen Dank für den interessanten Beitrag!

    Sie schreiben „Normalerweise ist das nicht das Einflussgebiet der deutschen Politiker und man kann eigentlich nicht einfach eine Steuer auf US-Werte erheben.“

    Aber wir müssen unsere Gewinne beim Handel von US-Werten in Form der Abgeltungssteuer hier doch auch versteuern. Was wäre bei der Finanztransaktionssteuer dabei anders?

  2. Hallo Herr B,

    Ihre Anmerkung ist richtig. Doch ist die FTS eigentlich dazu gedacht, dass man das Spekulieren mit Derivaten erschweren will. Nur wenige Länder wollen die FTS überhaupt einführen. Es wäre daher vollkommen übertrieben diese auch auf Länder außerhalb des FTS-Bereichs zu erstrecken wie beispielsweise die USA. Diese können selbst ihre Märkte regulieren. Außerdem ist die Kontrolle extrem schwierig. Man kann bei einem US-Broker die US-Futures handeln und der Staat könnte es nur dadurch kontrollieren, indem die Bürger verpflichtet werden selbst ihre Auszüge einzureichen. Dies ist zwar möglich, würde aber einen gigantischen Verwaltungsaufwand bedeuten. Ich denke, dass man sich dies ersparen will. Ich werde aber gerne dazu berichten, wenn konkrete Vorgaben vorliegen. Aktuell ist vieles noch nebulös und da die Politiker keine Trader sind, bin ich mir sicher, dass man sich über viele Dinge bisher gar keine Gedanken gemacht hat.

    Beste Grüße

    Sebastian Hell

  3. Hallo,

    laut dem letzten Kommissions-Vorschlag wären CFDs schon betroffen, da Derivate prinzipiell mit 0.01% besteuert werden würden. Siehe:

    http://ec.europa.eu/taxation_customs/taxation/other_taxes/financial_sector/index_en.htm

    Ich halte es außerdem für überhaupt nicht ausgeschlossen, dass zB ein privater Trader aus Deutschland, der mit einem UK Broker handelt, steuerpflichtig wird. Der müsste das dann halt einfach im Rahmen der Steuererklärung deklarieren. Eine Horrorvorstellung, aber definitiv nicht ausgeschlossen.

  4. Hallo,

    danke für den Hinweis. Ich denke jedoch, dass bei Derivaten nur Futures und Optionen gemeint sind. Keine außerbörslichen Geschäfte wie CFDs, FX, CFDs usw. Aber das kann möglicherweise auch noch kommen. In Frankreich sind CFDs und FX bisher steuerfrei.

    Beste Grüße

    Sebastian Hell

  5. Pingback: Die Finanztransaktionssteuer und ihre Folgen für Riestersparer!

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