Die Einführung der Finanztransaktionssteuer – auch als „Tobin Tax“ bekannt – war von Anfang an heftig umstritten. Als Spielball von politischen Interessen, Wirtschaftslobbyismus und linker Polemik war es schwer eine Sachdiskussion zu diesem Thema zu führen. Inzwischen haben sich 11 EU-Staaten auf die Einführung der Steuer geeinigt, die jede einzelne Finanztransaktion mit einem bestimmten Prozentsatz besteuern soll. Bei Derivaten soll diese Steuer bei 0,01 % des gehandelten Volumens liegen.

Herkunftsprinzip und Ausgabeprinzip:

Wie der Blog transaktionssteuer.info berichtet, soll bei der Finanztransaktionssteuer (FTS), sowohl das Ausgabe- als auch das Herkunftsprinzip zum tragen kommen.
Das Ausgabeprinzip besagt, dass alle Finanzinstrumente, die in dem besteuernden Staat emittiert oder an einer inländischen Börse gehandelt werden, der Transaktions-Besteuerung unterliegen. Würde man jedoch allein dieses Prinzip anwenden, würden sich Trader und Investoren umgehend nach alternativen Handelsplätzen umsehen. Die englische LSE oder andere ausländische Börsenplätze würden sofort reagieren und zum Beispiel den FDAX (freilich unter anderem Namen) auf ihrem elektronischen Parkett handelbar machen. Die Folge wäre eine Abwanderung von Kapital und die volkswirtschaftlichen Kritiker der FTS würden damit Recht behalten, dass die Steuer nur Nachteile für den Finanzplatz Deutschland bringt, ohne zu erhöhten Steuereinnahmen zu führen.
Aus diesem Grund soll zudem das Herkunftsprinzip angewandt werden: Hierbei richtet sich die Erhebung der Steuer nach dem Wohn- bzw. Firmensitz des Traders. Dies bedeutet, dass die Steuer auch dann fällig würde, wenn „Herr Schulze aus Wiesbaden“ in London den FTSE 100 handelt – auch wenn Großbritannien bei der FTS überhaupt nicht mitmacht!

Darum klagt Großbritannien:

Während das Ausgabeprinzip sogar noch zu einer Stärkung des Finanzplatzes London führt, da viele Anleger wegen der Steuer dorthin ausweichen würden, befürchtet man an der Themse durch das Herkunftsprinzip sogar Schaden für die britische Finanzindustrie. Großbritannien müsste die Steuer dann nämlich im Rahmen von internationalen Steuerhilfeabkommen einziehen, diese aber sodann gleich wieder an das Land, welches die Steuer erhebt abführen. Weiterhin könnte die europarechtlich verankerte Dienstleistungsfreiheit durch die FTS beeinträchtigt sein, da Finanzunternehmen aus den 11 FTS-Ländern dann möglicherweise in ihren Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern unzulässig benachteiligt würden.

Abwarten, Herr Schäuble!

Für Trader und Anleger wird der Ausgang der Klage vor dem Europäsichen Gerichtshof sehr spannend werden und auch die damit einhergehenden Änderungen an der FTS. Gesichert scheint, dass die Steuer in 2014 kommen wird, aber möglicherweise ändern sich bis dahin noch viele Details.

Quelle: http://www.termintrader.com/termintrader/trading-artikel/ausbildung/eine-chance-fuer-trader-england-klagt-gegen-finanztransaktionssteuer,12,2475.html

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2 Gedanken zu “Gastkommentar: Eine Chance für Trader: England klagt gegen Finanztransaktionssteuer

  1. im letzten absatz steht u.a. „…Gesichert scheint, dass die Steuer in 2014 kommen wird, aber möglicherweise ändern sich bis dahin noch viele Details….“. woher rührt diese „sicherheit“? nach meiner kenntnis gehen inzwischen selbst sehr starke befürworter der FTT davon aus, dass die einführung per 2014 nicht zu leisten ist, alleine schon aus legislativen gründen.

  2. Aktuell gibt es in den Medien sehr viele Berichte über den möglichen Beginn der Steuer. Ich habe selbst schon darauf verwiesen, dass Herr Schäuble die Einnahmen für 2014 gar nicht eingeplant hat. Ich denke, dass eine Finanztransaktionssteuer, wenn auch in kleiner Version kommen wird. Das müssen die Politiker vor der Wahl fast auf die Reihe bekommen um die Wähler zu gewinnen.

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