Sebastian: Danke, dass Du mir ein Interview gibst.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

jensJens: Ich bin jetzt mittlerweile schon seit über 16 Jahren an der Börse aktiv. Seit fast 10 Jahren handele ich intensiv an den Terminmärkten und habe mich auf den Handel von Optionen spezialisiert. Vorrangig Optionen auf Futures in den USA.

Sebastian: Du handelst primär Optionen und Futures an den internationalen Terminmärkten. Wird Dein Handel durch die Finanztransaktionssteuer betroffen sein oder gar eingeschränkt werden?

Jens: Als in Deutschland ansässiger Steuerzahler wird mich natürlich die FTS auch treffen, wobei ich aktuell noch nicht genau einschätzen kann in welchem Umfang. Es gibt zwar konkrete Aussagen, dass Derivate einem Steuersatz von  0,01 % unterworfen sein werden, aber gerade beim Thema Optionen ist nichteindeutig geklärt, worauf diese 0,01% am Ende tatsächlich berechnet werden. Und so könnte diese Steuer zwischen einigen Cent bis hin zu mehreren Euro reichen. Und erst wenn man genau weiß wie hoch diese Steuer tatsächlich sein wird, lässt sich abschätzen wie groß der Einfluss auf den Handel sein wird. Grundsätzlich kann man wohl aber davon ausgehen, dass Strategien die nur sehr kurz im Markt sind und auf kleinste Preisveränderungen abzielen deutlich mehr tangiert werden als längerfristige Handelsstrategien.  Ganz aktuell hört man ja, dass die FTS nur für Finanzinstitute gelten soll und nicht für private Händler. Man wird sehen was letztendlich da auf uns zukommt.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von einer Finanztransaktionssteuer?

Jens: Überhaupt nichts. Alle neuen Steuern werden heute benutzt um einerseits das Wahlvolk zu beruhigen und andererseits den unerschöpflichen Geldhunger des Staates zu befriedigen. Der Nutzen der durch solch eine Steuer erreicht werden soll ist lediglich vorgeschoben. Durch Steuern werden niemals Fehlentwicklungen beseitigt, der Staat bedient sich nur dieser Entwicklungen um immer neue Steuern und Abgaben zu erheben. Letztendlich bezahlen die Kleinanleger mangels Gestaltungsmöglichkeiten mehr Steuern und die Institutionen verschieben ihre Steuerpflicht in Länder in denen weniger besteuert wird. Volkswirtschaftlicher Nutzen daher null bzw. im schlimmsten Fall sogar negativ, da dies langfristig das Vermögen der breiten Masse reduziert.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht von staatlicher Seite aus in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Jens: Nein. Der Staat sollte nicht eingreifen sondern vorab Regeln aufstellen, in denen sich ein Markt frei und fair gestalten kann. Und diese Regeln sollten für alle gelten. Wodurch gerade der Staat prädestiniert sein soll Krisen zu verhindern hat sich mir noch nicht erschlossen. Tatsächlich greift der Staat ja auch nie ein, sondern wird von den Märkten getrieben und betreibt dann Kosmetik um die größten Schäden zu vertuschen. Die Mär vom bösen Spekulanten der die Preise treibt und Länder in den Schuldensumpf führt mag ja bei einfach gestrickten Wählern ankommen, aber man muss sich doch nur die Verschwendung des Staates anschauen (jedes Staates – nicht nur Deutschland) um zu erkennen, dass der Staat in den meisten Fällen kein guter Krisenmanager ist.  Warum sollte er dies also in den Finanzmärkten können?

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Jens: Nein, aktuell nicht. Als Börsenhändler führt man ja in Deutschland kein so schlechtes Leben, wenn man auch einmal die andere Seite der Steuermedaille sieht. Uns geht es hier besser als 95% der Weltbevölkerung, wir jammern halt alle nur gern. Und wenn ich eines Tages mal in ein anderes Land ziehe, dann dürfte die Hauptmotivation das bessere Wetter sein.  Und auch der Handel anderer Märkte ist derzeit nicht geplant, wobei man hier niemals nie sagen sollte, denn gerade die Entwicklung der Finanzindustrie bringt permanent interessante Gelegenheiten und Chancen.

Sebastian: Vielen Dank für das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Jens Rabe, Deutschland, Optionshändler

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.