Sebastian: Danke, dass Du mir ein paar Fragen zur Finanztransaktionssteuer beantwortest. Kannst Du etwas zu Deinem Hintergrund sagen?

Kai_skoruppa_Bild_1Kai: Ich bin seit 1998 an der Börse aktiv. Angefangen mit Optionsscheinen, habe ich im Laufe der Jahre sehr viele Anlageklassen kennengelernt. Wobei mir die systematische Herangehensweise im Forex-Markt letztendlich den größten Erfolg gebracht hat. In den letzten Jahren hat sich ja auch einiges im Bereich Software getan, sodass die Vollautomatisierung des Handels nicht mehr annähernd so schwierig ist, wie das noch Mitte der 2000er der Fall war.

Sebastian: Ab 2014 wird wahrscheinlich eine Finanztransaktionssteuer in elf Ländern eingeführt werden. Falls nicht 2014 dann auf jeden Fall 2015. Was hältst Du davon?

Kai: Natürlich war kein ernsthafter Trader erfreut, als 2011 der erste Gesetzesentwurf für eine Transaktionsteuer von der EU-Kommission vorgelegt wurde. Die Absicht besteht ja darin, die Banken und Hedgefonds an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen. Ob diese Absicht am Ende jedoch auch erfüllt wird, steht für mich offen. Wie schon so oft in der Geschichte werden unter dem Deckmantel, die „Bösen“ zu bestrafen, Lösungen vorgeschlagen, die letztendlich alle Steuerzahler zu tragen haben.

Sebastian: Siehst du Probleme für Deinen Handel durch eine Finanztransaktionssteuer?

Kai: Momentan lässt sich noch zu wenig Konkretes hierzu sagen. Denn solange keine eindeutigen Gesetze gefällt worden sind, können wir über die Kosten die auf uns zukommen nur spekulieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es nun mal zu der normalen Arbeit eines Händlers gehört sich ständig auf neue Gegebenheiten im Markt anzupassen. Ich ziehe hier gerne den Vergleich zum Börsenhandel vor 15 Jahren. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen man bei den Brokern für einen Round-turn bis zu 40 USD und mehr bezahlt hat. Auch zu dieser Zeit gab es Händler, die trotz alledem Geld verdient haben. Die Gebühren, welche wir bei den Brokern heutzutage bezahlen, sind in den letzten Jahren auf ein Minimum geschrumpft. Kommt die Transaktionssteuer, dann werden diese wieder um einen gewissen Betrag ansteigen. So ist das nun Mal. Gute Händler werden auch dann noch Geld verdienen. Davon bin ich überzeugt.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden, um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Kai: Es gibt Bereiche, die einer Regulierung bedürfen. Eines dieser Bereiche ist zum Beispiel der High Frequency Handel (Hochfrequenz-Handel). Viele verwechseln das HF-Trading mit dem automatisierten Trading. Jedoch ist das automatisierte Trading nichts anderes als eine Vorgehensweise in der man wichtige Aufgaben, in denen wir Menschen weniger gut sind, an eine Software abgibt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Anzahl der Trades wird hierdurch nicht unbedingt gesteigert. Im HF-Trading jedoch ist die Steigerung der Trades genau das Ziel. Es werden Tausende Positionen in Millisekunden geöffnet und wieder geschlossen um hiermit andere Marktteilnehmer durcheinanderzubringen und ungeahnte Bewegungen am Markt herbeizurufen.

Ein anderes Thema sind Produkte von Banken, die so komplex sind, dass Sie von den allermeisten Bankangestellten nicht mehr verstanden werden. Diese Produkte führen dann zu derartigen Krisen wie wir sie zuletzt 2008 gesehen haben und ich bin der Meinung, dass man gut und gerne darauf verzichten sollte. Börsen-Blasen wird es jedoch immer geben. Solche entstehen aus menschlichen Verhaltensmustern wie Angst und Gier und man kann sie nur schwer kontrollieren. Da hilft auch keine Finanztransaktionssteuer.

Sebastian: Planst Du spezielle Maßnahmen aufgrund der Steuer wie bspw. Standortverlagerung oder Handel anderer Märkte zu ergreifen?

Kai: Die einzige Chance, die ich sehe, ist wie immer die Anpassung meiner Tradingsysteme. Eine Möglichkeit wäre es, den Handel auf Produkte zu verlagern, die von der FTS nicht betroffen sind (wenn es denn so etwas überhaupt geben wird). Natürlich muss man die genauen Gesetzestexte abwarten und dann entsprechende Entscheidungen treffen. Da ich persönlich jedoch vorwiegend mit Forex handle, kann es sein, dass ich gar nicht von diesem Thema betroffen sein werde. Denn ich kann mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass auch der freie Austausch von Devisen besteuert werden soll. Also abwarten und handeln, wenn es so weit ist.

Sebastian: Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Kai Skoruppa, Deutschland, Trader & Betreiber von Forex-Ausbildung.com

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