Sebastian: Michael, danke dass Du Dich für das Interview bereit erklärt hast. Kannst Du den Lesern kurz etwas über Dich erzählen über Deinen Hintergrund, Handelsstil, etc.

MichaelGassnerMichael: Ich handle schon seit über 30 Jahren sehr aktiv an den Märkten. Seit 20 Jahren handle ich insbesondere den FDax, sowohl im sehr kurzfristigen Bereich, als auch im Bereich Swing-Trading. Im Swing-Trading komme ich hier auf ca. 10 Trades am Tag. Im kurzfristigen Bereich auf bis zu 50 Trades am Tag.

Sebastian: Was hältst Du von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

Michael: Die Einführung der FTS würde den deutschen Kapitalmarkt in den Bereich eines Entwicklungslandes zurückführen. Nicht nur das Tradingvolumen  würde massiv zurückgehen, sondern auch die Möglichkeiten der Kapitalaufnahme für mittelständische und große deutsche Unternehmen würden massiv eingeschränkt werden. Getroffen werden hier insbesondere auch der Kleinanleger und die Nachwuchstrader. Die sowieso schon im Vergleich zu anderen Industrienationen eingeschränkte Aktienmarktkultur in Deutschland würde massiv leiden.

Der Kapitalmarkt hat ja die Aufgabe die verfügbaren Kapitalmittel möglichst effizient in den attraktivsten zukunftsträchtigsten Feldern respektive  Unternehmen einzusetzen. Im Prinzip der Kern einer freien Marktwirtschaft.  Diese sehr wichtige Funktion der Börse würde massiv eingeschränkt werden.

Interessanterweise werden die ursprünglich geplanten Adressaten der FTS aber gerade nicht getroffen. Banken mit ihren Handelsabteilungen werden elegant ins Ausland abwandern.

Sebastian: Wird Dein Handel dadurch betroffen sein? Du lebst zwar im nicht betroffenen Ausland (Schweiz), aber so wie es aussieht musst Du beim Handel des FDAX  in Deutschland auch die Steuer berappen.

Michael: Das ist richtig. Das Problem ist jedoch nicht nur die Steuer an sich, sondern die potentielle Änderung der Struktur des Marktes. Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Studien, die mit einer Abnahme des Handelsvolumens von ca. 80 % rechnen! Selbst die Europäische Kommission sieht dies ähnlich.

Für mich hätte der FDAX daher nicht mehr genügend Liquidität und ein wesentlich erratischeres Kursbild. Ein Handel wäre für mich dann nicht mehr sinnvoll. Außerdem würden sich meine Kosten für einen Kauf/Verkauf etwa verzwanzigfachen!

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Michael: Langfristig reguliert sich der Markt tatsächlich  von alleine. Lediglich kurzfristig sollten Maßnahmen wie kurzfristige Handelsaussetzungen etc., getroffen werden. Hier hat man z.B. in den USA ein recht gutes Regelwerk.

Der letzte der Risiken entdecken würde, ist die Politik.  Die Finanzmärkte sind da immer schneller und effektiver. Und eine Abwärtsbewegung muss nicht nur negativ sein. Sie ist ab und zu notwendig, um Blasen und Fehlallokationen abzubauen (Gutes Beispiel hierfür die Neue Markt Korrektur). Die derzeitige massive Liquiditätsflut, hervorgerufen durch viele Notenbanken  lösen die Probleme nur kurzfristig.

Die große Krise wird dadurch jedoch nur noch größer.  Die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren eine Blase ungeheuren Ausmaßes angefüttert.

Sebastian: Hast Du für die Zukunft spezielle Maßnahmen geplant aufgrund der Finanztransaktionssteuer? Beispielsweise Handel anderer Märkte, Weg- oder Umzug, etc.?

Michael: Wenn die FTS tatsächlich kommt, werde ich auf andere Handelsprodukte ausweichen müssen.

Da ich gerne zu normalen Tageszeiten handle, wird sich dann meine Aktivität auf den Handelsplatz London konzentrieren. Nahezu der gesamte europäische Handel wird sich dann dort konzentrieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

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