Sebastian: Danke, dass Du die Zeit für ein kurzes Interview zur Finanztransaktionssteuer gefunden hast. Kannst Du bitte etwas über Deinen Hintergrund als Trader sagen?

joerg_mahnertJörg: Ich bin seit nun mittlerweile 27 Jahren als Trader und Investor aktiv. Mein Spezialgebiet ist die Point&Figure-Charttechnik, die ich in faktisch allen Zeitebenen einsetze. Ich bin als Positions-, Swing und Intraday-Trader mit dieser Charttechnik „unterwegs“. Gehandelt werden faktisch alle Märkte, wobei das Hauptgewicht auf dem Index- und Aktienhandel, kombiniert mit Optionsstrategien liegt.

 

Sebastian: Was hältst Du von der geplanten Finanztransaktionssteuer?

Jörg: Prinzipiell erkenne ich die Notwendigkeit an, dass die Staaten mehr Steuern aus Finanzgeschäften generieren. Allerdings scheint mir die Finanztransaktionssteuer genau der falsche Weg zu sein. Man zielt damit wohl besonders auf den Hochfrequenzhandel ab. Allerdings steht zu erwarten, dass genau die Initiatoren dieses Handels ruckartig auf Finanzplätze ausweichen werden, bei denen diese Steuer nicht anfällt. Dass das plausibel ist, zeigt die 1985 in Schweden eingeführte Börsenumsatzsteuer, die statt erwarteter 165 Millionen Euro pro Jahr nur 9 Millionen einbrachte und 1992 wieder abgeschafft wurde. Es trifft einmal wieder die Falschen, nämlich private Trader.

Sebastian: Wird sich Dein Handel einschränken? Musst Du Deine Strategien oder anderes verändern?

Jörg: Ich werde meinen Positionstraderanteil erhöhen, um die Handelsfrequenz in ihrer Gesamtheit zu senken. Ich bin auch sehr gespannt, wie Derivate nun schlussendlich besteuert werden. Leider herrscht bei den Verantwortlich selber noch mehr als leichte Unschlüssigkeit darüber.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Jörg: Eine sehr schwierige Frage. Eventuell sollte darüber nachgedacht werden, ob wir die seit Jahren herrschende Derivateschwemme in dieser Form weiterführen sollten. Hier sehe ich durchaus den Grund für manche Überreaktionen der Märkte in den vergangenen Jahren.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Jörg: Ein Umzug kommt als stolzer Aachener eher nicht in Frage. Aber natürlich wird die Frage, welche Märkte sich steueroptimiert handeln lassen, in der Zukunft immer wichtiger.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Jörg Mahnert, Deutschland, Aktienhändler

 

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