Sebastian: Danke, dass Du Dir Zeit nehmen konntest für ein Interview.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

lars_erichsenLars: Sehr gern. Mein Name ist Lars Erichsen, ich bin 41 Jahre alt und habe mich schon während meines Betriebswirtschaftsstudiums intensiv mit den Kapitalmärkten beschäftigt. Durch die fehlenden Aktienkurse und Nachrichten in Echtzeit für Privatanleger, waren diese damals erheblich benachteiligt gegenüber institutionellen Marktteilnehmern. Glücklicherweise haben sich die Umstände deutlich verbessert und so  verdiene ich seit 14 Jahren meinen Lebensunterhalt mit dem Aktienhandel. Zudem bin ich als Chefredakteur für den Inhalt des CFD-Briefes verantwortlich und verantworte außerdem inhaltlich den kostenlosen Trading-Brief.

Sebastian: Wird Dein Handel durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer betroffen sein? Falls Ja, welche Auswirkungen wird es geben?

Lars: Absolut, ja. Ein Großteil meiner Trades verläuft im kurzfristigen Zeitrahmen und zielt auf relativ kleine Gewinnspannen ab. Sofern ich den Ansatz nicht verändere, ist die offensichtliche Auswirkung also eine Schmälerung des Gewinns. Zudem wird es Trades geben die sich nicht mehr lohnen, mein Beitrag zur Liquidität im Markt nimmt also ab.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von der Einführung einer Steuer in dieser Form?

Lars: Die Finanztransaktionssteuer ist nicht die einzige, deren Sinnhaftigkeit oder Begründung für ihre Existenz man in Zweifel ziehen darf. Besorgniserregend erscheint mit aber ihre Entstehung. Es war deutlich erkennbar, dass viele EU-Staaten, die heute für die Einführung stimmen würden, ursprünglich dagegen waren und sich dann dem Druck, auch dem finanziellen, größerer Staaten wie Deutschland und Frankreich gebeugt haben. Das ist ein zutiefst undemokratischer Prozess und Wasser auf die Mühlen der Euro-Kritiker. Die Argumentation unseres Finanzministers für eine Finanztransaktionssteuer zeugt von fehlendem Praxiswissen.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Lars: Seit es Notenbanken gibt sind Märkte, streng betrachtet, nicht selbstregulierend. Die letzte Finanzkrise ist ja erst durch das massive Eingreifen der FED entstanden. Ohne große Veranlassung hat Alan Greenspan die Zinsen auf ein Niveau gesenkt, welches die Blase am Immobilienmarkt erzeugt und letztendlich zur Bankenkrise geführt hat. Seitdem ist der Einfluss der Notenbanken sukzessive gestiegen und hat nun fast schon experimentellen Charakter.

Sollten die regulativen Möglichkeiten der Notenbanken nicht mehr ausreichen, bliebe nur noch eine Ausweitung der staatlichen Eingriffe in die wirtschaftlichen Abläufe – keine angenehme Vorstellung. Ich glaube es gibt im Bereich der Energie, Wasser – und Lebensmittelversorgung Bereiche, in denen feste Regeln gelten sollten, die das Grundrecht der Menschen auf diese Güter berücksichtigen. Statt sich hier verpflichtend zu engagieren und außerdem die Grundlagen für Neugründer und mutige Ideen zu verbessern, sucht die Politik einfallslos nach neuen Einnahmequellen, um des Status Quo zu sichern.

Das geht ein wenig über Deine Frage hinaus, aber ich halte diesen Ansatz für ein grundlegendes Problem. Die mögliche Einführung einer Transaktionssteuer ist da nur ein weiteres Symptom. Man kann dieses Phänomen in vielen Bereichen beobachten – allein die Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt. Mein Heimatland, Schleswig-Holstein, liegt hier bundesweit sogar an der Spitze.  Entschuldige den kleinen Ausflug.

Sebastian: Du handelst vorwiegend CFDs. Denkst Du, dass Du dadurch Vorteile haben könntest? Eventuell werden diese ausgenommen.

Lars: Privat handele ich überwiegend Aktien. Sollten CFDs tatsächlich ausgenommen werden, dann würde ich dies in der Strategie  berücksichtigen. Für die Kunden des CFD-Briefes würde ich es mir natürlich wünschen.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Lars: Ich lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern gerne an der norddeutschen Küste und wenn wir mal über einen Umzug ins Ausland nachgedacht haben, dann hat bisher eigentlich häufiger das Wetter eine Rolle gespielt als die steuerliche Situation. Es ist für mich noch nicht abschätzbar, wie negativ der Einfluss durch die Transaktionssteuer werden könnte, da muss ich einfach abwarten.

Generell ist eine Umstellung im Handel nach 14 Jahren natürlich nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen, aber darüber nachdenken werde ich. Lieber wäre es mir, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde, dass eine derartige Steuer mehr Schaden als Nutzen bringt.

Daher danke ich Dir auch für Deinen Einsatz und Deine Aufklärung rund um dieses Thema und wünsche Dir viel Erfolg!

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Lars Erichsen, Deutschland, CFD-Trader

 

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