Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Peter Müller, Geschäftsführer QTrade . Das Interview hat mein Kollege Marcel Adler in Sankt Petersburg geführt.

MA: Danke, dass Sie Zeit für ein Interview gefunden haben. Ich weiß, dass Sie sehr viel unterwegs sind. Können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

pmueller_120x160PM:  Ich bin 36 Jahre alt und lebe derzeit abwechselnd in München und in Sachsen, wo ich geboren bin. Für Trading begann ich mich erstmals mit etwa 18 Jahren zu interessieren und handelte ab da recht aktiv – zunächst mit asiatischen Pennystocks, später dann mit Futures. Während meines Studiums der Rechtswissenschaften arbeitete ich zeitweise bei einem Broker im Frankfurter Raum, um „die andere Seite“ kennenzulernen. Noch während meines Studiums gründete ich mit Partnern ein Unternehmen zum Vertrieb von Finanzinformationen und später ein Unternehmen zur Beratung von Hedgefonds und anderen institutionellen Kunden. Seit 2009 bin ich Geschäftsführer der QTrade GmbH.

MA: Was halten Sie von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

PM: Ich finde die Idee Finanztransaktionen zu besteuern nicht grundsätzlich schlecht. Jedoch sollte eine Steuer auch das politische Ziel erfüllen. Bei der FTS sind diese Ziele zum einen die Generierung von Mehrsteuereinnahmen und zum anderen der Schutz des Finanzmarktes vor massiven Verwerfungen in Folge hochfrequenter Spekulation. Nachdem, was ich bisher über die Pläne zur Ausgestaltung der FTS erfahren habe, werden diese Ziele meiner Einschätzung nach gerade nicht erreicht werden. Das Kapital ist flüchtig und insbesondere große Marktteilnehmer wie Banken und Hedgefonds, werden das Geschäft einfach ins FTS-Ausland verlagern und dadurch der Steuer entgehen. Nicht die vielfach beschworenen Heuschrecken und Finanzhaie werden diese Steuer bezahlen, sondern die kleinen und mittelgroßen privaten Trader. Zudem übersieht die Politik, dass auch die reine Spekulation ihre Funktion hat, indem sie an den Märkten erst die nötige Liquidität und damit gerade Stabilität schafft. Sollten unsere Märkte nun mangels Intraday-Liquidität austrocknen, werden die Märkte eher noch erratischer und unvorhersehbarer reagieren.

MA: Wie hätte denn die Steuer Ihrer Meinung nach anders gestaltet werden müssen?

PM:  Um Schaden für einzelne Finanzplätze zu vermeiden, hätte man zumindest alle großen Standorte inklusive USA und Fernost anbinden müssen. Da dies nicht mal in Europa gelungen ist, hätte man die Steuer konsequent fallen lassen müssen. Es ist aber im Moment so, als würden Zigaretten in einem Supermarkt besteuert werden und im nächsten nicht  (wobei die Zigaretten vergleichbar sind, die Supermärkte direkt nebeneinander im Wettbewerb stehen und nicht durch eine Grenze mit effektiven Kontrollen getrennt sind). Das Ausgabeprinzip schadet nur dem Standort und das Herkunftsprinzip diskriminiert die Trader und führt zu Abwanderung. Will die deutsche und europäische Politik jetzt nicht plötzlich ins Lager der Globalisierungsgegner wechseln und sich international abschotten, ist die FTS bereits jetzt gescheitert.

MA: Aus Sicht des Brokers: Was hat die Branche zu erwarten?

PM: Ich kann nur für unser Unternehmen sprechen: Wir sehen das Ganze gelassen, wobei wir die Entwicklungen genau beobachten und das Thema regelmäßig mit unseren Rechtsanwälten und anderen Beratern besprechen. Die Branche entwickelt sich ständig weiter und wird auch auf die Einführung der FTS eine kreative Antwort finden. Trader wie Broker die sich nicht anpassen, werden aber sicher mit Problemen zu kämpfen haben. Aber gerade darin sehen wir auch eine Chance…

MA:  Sollte aus Ihrer Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

PM:  Es kann schon Situationen geben, in denen eingegriffen werden muss. Der Markt ist kein losgelöstes Überwesen, sondern Teil unserer Gesellschaft mit der Aufgabe gesellschaftlichen Nutzen und Wohlstand zu schaffen. Eingriffe sollten jedoch sehr sparsam und wohlüberlegt erfolgen – genauso wie eine Operation nur durchgeführt wird, wenn sie unvermeidlich ist. Der Eingriff könnte sonst mehr schaden als nutzen. Letztlich ist das eine Einzelfallentscheidung.

MA: Gibt es spezielle Pläne für die Zukunft von QTrade in punkto Finanztransaktionssteuer?

PM: Die gibt es.

MA: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

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