In meinem Beitrag „Banken verlieren Marktanteile wegen Finanztransaktionssteuer“ hatte ich darauf verwiesen, dass nach aktueller Lesart die Finanztransaktionssteuer nicht wie die Mehrwertsteuer funktionieren würde. Daraufhin erhielt ich einige Anfragen wie die Steuer denn genau erhoben wird.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?

Bei der Mehrwertsteuer ist die Erklärung ganz einfach. Diese fällt nur beim Endkunden also Verbraucher an. Unternehmen können sich über das Finanzamt die bezahlten Mehrwertsteuern wieder zurückholen. Gleichzeitig muss die eingenommene Mehrwertsteuer aber auch abgegeben werden. Damit ist diese Steuer ein Posten der dem Unternehmen keinen Ertrag oder Verlust einbringt. Nur der Endkunde bezahlt die Mehrwertsteuer und der Staat hat hieran seine Einnahmen. Der Grund für diese Ausgestaltung ist, dass Produkte utopisch teuer werden würden, wenn die Mehrwertsteuer immer anfallen würde. Stellen Sie sich nur Produkte vor, an denen mehrere Firmen am Produktionsprozess beteiligt sind wie beispielsweise Handys. Für jedes Teil würde Mehrwertsteuer anfallen. Jeder wertsteigernde Schritt des Gerätes wie bspw. der Zusammenbau würde ebenfalls wieder besteuert werden. Am Ende kosteten die Geräte Unsummen. Um dies zu verhindern, wurde die oben besprochene  Vorgehensweise entworfen.

Finanztransaktionssteuer mit gänzlich anderem Ablauf

Die Finanztransaktionssteuer soll bei jeder Transaktion anfallen. Dadurch entstehen sogenannte Kaskadeneffekte. Den normalen Trader betrifft dies nicht, da er die Steuer einmal bezahlen muss, eine Position jedoch nicht intern in mehreren Handelsbüchern verschiebt. Banken haben jedoch gerade im Handel von Derivaten oder Aktienemissionen sowie Handel von Staatsanleihen mehrere bankinterne Abteilungen sowie Tochterfirmen die Großtransaktionen abwickeln. Beispielweise kauft eine Banktochter Staatsanleihen des deutschen Staates. Hierauf muss die FTS (Finanztransaktionssteuer) bezahlt werden. Anschließend wird die Position bankintern weitergereicht beispielsweise an die Verkaufsabteilung um an Bankkunden die Anleihen weiter zu geben. Es würde wieder die Steuer entstehen. Dieser Prozess kann bei großen Projekten einige Abteilungen oder Firmen beinhalten und führt zu einer immensen Besteuerung einer Transaktion die eigentlich nur unternehmensintern weitergegeben wird.

Eine Lösung muss her

Bisher gibt es noch keine Aussagen wie diese Probleme gelöst werden können. Das einzige was möglicherweise ausgenommen werden wird ist das Market Making. Dieses wäre ohnehin nicht mehr möglich nach Einführung der FTS. Die Margen sind hauchdünn und 10 Basispunkte Steuer würden das Market Making unrentabel machen. Die Folge wäre eine Austrocknung der Liquidität, was im Endeffekt auch die Realwirtschaft belastet!

Ihr Sebastian Hell

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4 Gedanken zu “Der Kaskadeneffekt der Finanztransaktionssteuer

  1. Man kann dem Betreiber dieser Seite für seine Aufklärungsarbeit nur danken.
    Leider werden in der Diskussion über die FTT die Begrifflichkeiten oftmals nicht korrekt verwendet: Die FTT (in der vorgelegten Version) ist eben gerade keine (Netto-)Mehrwertsteuer, sondern eine Brutto-Umsatzsteuer. Als Ökonom sträuben sich mir die Nackenhaare ,wenn ich sehe, wie -gewollt oder ungewollt- im Sprachgebrauch diese beiden völlig verschieden wirkenden Steuerarten begrifflich vermengt werden.
    Diese Vermenung erst führt zu den gängigen Politparolen, man müsse schliesslich für jedes Brötchen 19% MWST bezahlen, weshalb nicht auch 0,1% FTT … schrecklich, wieviele Menschen auf diese Desinformationspolitik geneigter Kreise hereinfallen.

  2. Vielen Dank für Ihr Feedback. Es ist genauso wie Sie schreiben. Mittels Desinformationen soll eine Steuer eingeführt werden, mit deren Ausgestaltung am liebsten hinter dem Berg gehalten wird. Ich nehme zudem an, dass die meisten Politiker sowieso den Unterschied zwischen Transaktionssteuer und MWST gar nicht verstehen würden.

  3. Pingback: Deutsches Aktieninstitut mit Studie zur Transaktionssteuer

  4. in der heutigen ausgabe der börsen-zeitung die FTT unter rechtlichen gesichtspunkten betrachtet .. da der artikel kostenpflichtig ist, sehe ich davon ab, ihn zu verlinken bzw. zu zitieren. evtl. erteilt ihnen die BZ ja die erlaubnis … viele grüsse

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