Sebastian: Danke, dass Du mir ein Interview gibst.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

jensJens: Ich bin jetzt mittlerweile schon seit über 16 Jahren an der Börse aktiv. Seit fast 10 Jahren handele ich intensiv an den Terminmärkten und habe mich auf den Handel von Optionen spezialisiert. Vorrangig Optionen auf Futures in den USA.

Sebastian: Du handelst primär Optionen und Futures an den internationalen Terminmärkten. Wird Dein Handel durch die Finanztransaktionssteuer betroffen sein oder gar eingeschränkt werden?

Jens: Als in Deutschland ansässiger Steuerzahler wird mich natürlich die FTS auch treffen, wobei ich aktuell noch nicht genau einschätzen kann in welchem Umfang. Es gibt zwar konkrete Aussagen, dass Derivate einem Steuersatz von  0,01 % unterworfen sein werden, aber gerade beim Thema Optionen ist nichteindeutig geklärt, worauf diese 0,01% am Ende tatsächlich berechnet werden. Und so könnte diese Steuer zwischen einigen Cent bis hin zu mehreren Euro reichen. Und erst wenn man genau weiß wie hoch diese Steuer tatsächlich sein wird, lässt sich abschätzen wie groß der Einfluss auf den Handel sein wird. Grundsätzlich kann man wohl aber davon ausgehen, dass Strategien die nur sehr kurz im Markt sind und auf kleinste Preisveränderungen abzielen deutlich mehr tangiert werden als längerfristige Handelsstrategien.  Ganz aktuell hört man ja, dass die FTS nur für Finanzinstitute gelten soll und nicht für private Händler. Man wird sehen was letztendlich da auf uns zukommt.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von einer Finanztransaktionssteuer?

Jens: Überhaupt nichts. Alle neuen Steuern werden heute benutzt um einerseits das Wahlvolk zu beruhigen und andererseits den unerschöpflichen Geldhunger des Staates zu befriedigen. Der Nutzen der durch solch eine Steuer erreicht werden soll ist lediglich vorgeschoben. Durch Steuern werden niemals Fehlentwicklungen beseitigt, der Staat bedient sich nur dieser Entwicklungen um immer neue Steuern und Abgaben zu erheben. Letztendlich bezahlen die Kleinanleger mangels Gestaltungsmöglichkeiten mehr Steuern und die Institutionen verschieben ihre Steuerpflicht in Länder in denen weniger besteuert wird. Volkswirtschaftlicher Nutzen daher null bzw. im schlimmsten Fall sogar negativ, da dies langfristig das Vermögen der breiten Masse reduziert.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht von staatlicher Seite aus in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Jens: Nein. Der Staat sollte nicht eingreifen sondern vorab Regeln aufstellen, in denen sich ein Markt frei und fair gestalten kann. Und diese Regeln sollten für alle gelten. Wodurch gerade der Staat prädestiniert sein soll Krisen zu verhindern hat sich mir noch nicht erschlossen. Tatsächlich greift der Staat ja auch nie ein, sondern wird von den Märkten getrieben und betreibt dann Kosmetik um die größten Schäden zu vertuschen. Die Mär vom bösen Spekulanten der die Preise treibt und Länder in den Schuldensumpf führt mag ja bei einfach gestrickten Wählern ankommen, aber man muss sich doch nur die Verschwendung des Staates anschauen (jedes Staates – nicht nur Deutschland) um zu erkennen, dass der Staat in den meisten Fällen kein guter Krisenmanager ist.  Warum sollte er dies also in den Finanzmärkten können?

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Jens: Nein, aktuell nicht. Als Börsenhändler führt man ja in Deutschland kein so schlechtes Leben, wenn man auch einmal die andere Seite der Steuermedaille sieht. Uns geht es hier besser als 95% der Weltbevölkerung, wir jammern halt alle nur gern. Und wenn ich eines Tages mal in ein anderes Land ziehe, dann dürfte die Hauptmotivation das bessere Wetter sein.  Und auch der Handel anderer Märkte ist derzeit nicht geplant, wobei man hier niemals nie sagen sollte, denn gerade die Entwicklung der Finanzindustrie bringt permanent interessante Gelegenheiten und Chancen.

Sebastian: Vielen Dank für das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Jens Rabe, Deutschland, Optionshändler

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat am 08. Mai 2013 eine neue Studie zur Thematik der Finanztransaktionssteuer veröffentlicht. Man kommt darin zu folgenden sehr interessanten Schlüssen:

  1. Obwohl in der aktuellen Fassung des Steuerentwurfs der EU Kommission nur Finanzinstitute steuerpflichtig sind, ist dennoch damit zu rechnen, dass die erhöhten Kosten auf Verbraucher und Unternehmen abgewälzt werden und dadurch alle die Finanztransaktionssteuer entweder direkt oder indirekt entrichten müssen.
  2. Das DAI sieht sehr große Probleme in möglichen Kaskadeneffekten. Ich habe dieses Thema bereits schon früher in diesem Blogbeitrag ausführlich besprochen.
  3. Die Klassifizierung von Unternehmen als „Finanzinstitut“ könnte große Probleme nach sich ziehen. Es gibt eine Reihe an Unternehmen deren Geschäftsmodell die Finanzierung von Waren oder Rohstoffen für andere Firmen ist. Würde eine Klassifizierung dieser Unternehmen als Finanzinstitute erfolgen, dann würden erhebliche Mehrkosten entstehen. Wie genau die Abgrenzung zu einem Finanzinstitut erfolgen wird, ist bis dato noch unklar.
  4. Unternehmen werden bei der Absicherung von Risiken massiv behindert. Des Weiteren wird in die Altersvorsorge vieler Menschen eingegriffen, die ihre Vorsorge über Versicherungen, Banken etc. verwalten lassen. Die Transaktionssteuer würde dort immer anfallen.
  5. Abschließend führt das DAI auf, dass für 24 größere Unternehmen Mehrkosten zwischen 600 Millionen und 1,5 Milliarden Euro entstehen könnten. Damit sind direkte Folgen und Auswirkungen auf die Realwirtschaft wahrscheinlich.

 

Die gesamte Studie umfasst 25 Seiten und kann hier abgerufen werden

Ihr Sebastian Hell

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Studie zur Transaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Sebastian: Danke, dass Du Dir Zeit nehmen konntest für ein Interview.  Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

rene_WolframRené: Ich bin seit nunmehr 15 Jahren an den Märkten aktiv, seit 10 Jahren lebe ich hauptberuflich von der Börse. Ich handele auf verschiedenen Zeitebenen, in verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Strategien und versuche so, die Dynamik der Märkte zu adaptieren und aus der Vielzahl der sich bietenden Möglichkeiten das Optimum herauszuholen.

Sebastian: Wird Dein Handel durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer betroffen sein? Falls Ja, welche Auswirkungen wird es geben?

René: Ich denke, die Auswirkungen für mich werden verglichen mit reinen Daytradern und Scalpern eher moderat negativ ausfallen. Bei den meisten meiner Setups ziele ich auf Gewinnspannen ab, die groß genug sind, um eine drastische Steuer zu kompensieren. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich natürlich auch für mich bestimmte Geschäfte nicht mehr lohnen und ich somit meine Handelsfrequenz eher zurückfahren werde.

Sebastian: Was hältst Du grundsätzlich von der Einführung einer Steuer in dieser Form?

René: Es ist gelinde gesagt ganz großer Unsinn und sie wird genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich bewirken soll. Der Handel wird viel illiquider werden, weil sich große Gruppen aus dem Markt zurückziehen werden. Die Folge wird sein, dass wir im schlechtesten Fall Verhältnisse bekommen, wie an Provinzbörsen. Die Gefahr von irrationalen Bewegungen ist dann viel größer. Schließlich sind es einzig und allein professionelle Trader, die selbst in hektischen und riskanten Phasen bereit sind, Liquidität in den Markt zu schießen. Vertreibt man sie vom Marktgeschehen, macht man die Märkte nicht ruhiger, sondern unnötig hektischer und schwieriger kalkulierbar. Es passt aber absolut in das Bild der bisherigen Krisenpolitik, die immer wieder daraus bestand, dass man ein Feuer mit Brandbeschleuniger zu löschen versuchte.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

René: Märkte regulieren sich selbst. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Die Frequenz mit der es zu immer neuen Blasenbildungen und Crashs kommt, nimmt doch erst zu, seitdem die Zentralbanken und immer stärker auch die Politik eingreifen. Durch das Intervenieren werden kranke Wirtschaftszweige künstlich am Leben gehalten, was effektiv den gesunden Zweigen Kapital abzieht. Liquiditätsüberschüsse fließen überwiegend nicht in die Realwirtschaft, sondern werden von den Banken dazu genutzt, um Geschäfte zu tätigen, die sie wahrscheinlich nicht machen würden, wenn sie das Risiko tatsächlich selbst tragen müssten. Wenn die nächste Blase platz – und das wird sie so sicher wie das Amen in der Kirche – gehen Politik und Zentralbanken die Möglichkeiten aus, gegenzusteuern. Wo sich der Staat dann bedienen kann, muss und vermutlich auch wird, kann sich ja jeder am Beispiel Zypern ausrechnen.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

René: Auswandern wegen der Finanztransaktionssteuer ganz sicher nicht. Die Verwendung unserer Steuergelder und die Lügengeschichten, die den unbedarften Bürgern aufgetischt werden, wären eher Gründe, dem Land den Rücken zu kehren. Doch meine Familie lebt hier, meine Freunde leben hier – deshalb würde ich den Wohnsitz nicht ins Ausland verlegen. Was die Märkte angeht, so handele ich schon jetzt zu 85% in Dollar und an den amerikanischen Terminbörsen gehandelte Futures. Ich werde auf kurze, schnelle Trades im FDAX verzichten, doch das mache ich bereits jetzt, so dass sich für mich aus aktueller Sicht nicht allzu viel verändern wird, wenn die FTS kommt. In anderen Ländern wurde sie recht schnell wieder zurückgenommen, als man gesehen hat, welche negativen Auswirkungen sie hat. Dies setzt Verstand und Reflektionsvermögen bei den Entscheidungsträgern voraus. Die letzten 10 Jahre haben diese Merkmale nicht ganz so ausgeprägt erkennen lassen, weshalb ich sehr gespannt bin, ob man die Sache irgendwann kippt.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit René Wolfram, Deutschland, Trader für multiple Märkte

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Sebastian: Danke, dass Du mir ein paar Fragen zur Finanztransaktionssteuer beantwortest. Kannst Du etwas zu Deinem Hintergrund sagen?

Kai_skoruppa_Bild_1Kai: Ich bin seit 1998 an der Börse aktiv. Angefangen mit Optionsscheinen, habe ich im Laufe der Jahre sehr viele Anlageklassen kennengelernt. Wobei mir die systematische Herangehensweise im Forex-Markt letztendlich den größten Erfolg gebracht hat. In den letzten Jahren hat sich ja auch einiges im Bereich Software getan, sodass die Vollautomatisierung des Handels nicht mehr annähernd so schwierig ist, wie das noch Mitte der 2000er der Fall war.

Sebastian: Ab 2014 wird wahrscheinlich eine Finanztransaktionssteuer in elf Ländern eingeführt werden. Falls nicht 2014 dann auf jeden Fall 2015. Was hältst Du davon?

Kai: Natürlich war kein ernsthafter Trader erfreut, als 2011 der erste Gesetzesentwurf für eine Transaktionsteuer von der EU-Kommission vorgelegt wurde. Die Absicht besteht ja darin, die Banken und Hedgefonds an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen. Ob diese Absicht am Ende jedoch auch erfüllt wird, steht für mich offen. Wie schon so oft in der Geschichte werden unter dem Deckmantel, die „Bösen“ zu bestrafen, Lösungen vorgeschlagen, die letztendlich alle Steuerzahler zu tragen haben.

Sebastian: Siehst du Probleme für Deinen Handel durch eine Finanztransaktionssteuer?

Kai: Momentan lässt sich noch zu wenig Konkretes hierzu sagen. Denn solange keine eindeutigen Gesetze gefällt worden sind, können wir über die Kosten die auf uns zukommen nur spekulieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es nun mal zu der normalen Arbeit eines Händlers gehört sich ständig auf neue Gegebenheiten im Markt anzupassen. Ich ziehe hier gerne den Vergleich zum Börsenhandel vor 15 Jahren. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen man bei den Brokern für einen Round-turn bis zu 40 USD und mehr bezahlt hat. Auch zu dieser Zeit gab es Händler, die trotz alledem Geld verdient haben. Die Gebühren, welche wir bei den Brokern heutzutage bezahlen, sind in den letzten Jahren auf ein Minimum geschrumpft. Kommt die Transaktionssteuer, dann werden diese wieder um einen gewissen Betrag ansteigen. So ist das nun Mal. Gute Händler werden auch dann noch Geld verdienen. Davon bin ich überzeugt.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden, um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Kai: Es gibt Bereiche, die einer Regulierung bedürfen. Eines dieser Bereiche ist zum Beispiel der High Frequency Handel (Hochfrequenz-Handel). Viele verwechseln das HF-Trading mit dem automatisierten Trading. Jedoch ist das automatisierte Trading nichts anderes als eine Vorgehensweise in der man wichtige Aufgaben, in denen wir Menschen weniger gut sind, an eine Software abgibt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Anzahl der Trades wird hierdurch nicht unbedingt gesteigert. Im HF-Trading jedoch ist die Steigerung der Trades genau das Ziel. Es werden Tausende Positionen in Millisekunden geöffnet und wieder geschlossen um hiermit andere Marktteilnehmer durcheinanderzubringen und ungeahnte Bewegungen am Markt herbeizurufen.

Ein anderes Thema sind Produkte von Banken, die so komplex sind, dass Sie von den allermeisten Bankangestellten nicht mehr verstanden werden. Diese Produkte führen dann zu derartigen Krisen wie wir sie zuletzt 2008 gesehen haben und ich bin der Meinung, dass man gut und gerne darauf verzichten sollte. Börsen-Blasen wird es jedoch immer geben. Solche entstehen aus menschlichen Verhaltensmustern wie Angst und Gier und man kann sie nur schwer kontrollieren. Da hilft auch keine Finanztransaktionssteuer.

Sebastian: Planst Du spezielle Maßnahmen aufgrund der Steuer wie bspw. Standortverlagerung oder Handel anderer Märkte zu ergreifen?

Kai: Die einzige Chance, die ich sehe, ist wie immer die Anpassung meiner Tradingsysteme. Eine Möglichkeit wäre es, den Handel auf Produkte zu verlagern, die von der FTS nicht betroffen sind (wenn es denn so etwas überhaupt geben wird). Natürlich muss man die genauen Gesetzestexte abwarten und dann entsprechende Entscheidungen treffen. Da ich persönlich jedoch vorwiegend mit Forex handle, kann es sein, dass ich gar nicht von diesem Thema betroffen sein werde. Denn ich kann mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass auch der freie Austausch von Devisen besteuert werden soll. Also abwarten und handeln, wenn es so weit ist.

Sebastian: Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Kai Skoruppa, Deutschland, Trader & Betreiber von Forex-Ausbildung.com

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

In meinem Beitrag „Banken verlieren Marktanteile wegen Finanztransaktionssteuer“ hatte ich darauf verwiesen, dass nach aktueller Lesart die Finanztransaktionssteuer nicht wie die Mehrwertsteuer funktionieren würde. Daraufhin erhielt ich einige Anfragen wie die Steuer denn genau erhoben wird.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?

Bei der Mehrwertsteuer ist die Erklärung ganz einfach. Diese fällt nur beim Endkunden also Verbraucher an. Unternehmen können sich über das Finanzamt die bezahlten Mehrwertsteuern wieder zurückholen. Gleichzeitig muss die eingenommene Mehrwertsteuer aber auch abgegeben werden. Damit ist diese Steuer ein Posten der dem Unternehmen keinen Ertrag oder Verlust einbringt. Nur der Endkunde bezahlt die Mehrwertsteuer und der Staat hat hieran seine Einnahmen. Der Grund für diese Ausgestaltung ist, dass Produkte utopisch teuer werden würden, wenn die Mehrwertsteuer immer anfallen würde. Stellen Sie sich nur Produkte vor, an denen mehrere Firmen am Produktionsprozess beteiligt sind wie beispielsweise Handys. Für jedes Teil würde Mehrwertsteuer anfallen. Jeder wertsteigernde Schritt des Gerätes wie bspw. der Zusammenbau würde ebenfalls wieder besteuert werden. Am Ende kosteten die Geräte Unsummen. Um dies zu verhindern, wurde die oben besprochene  Vorgehensweise entworfen.

Finanztransaktionssteuer mit gänzlich anderem Ablauf

Die Finanztransaktionssteuer soll bei jeder Transaktion anfallen. Dadurch entstehen sogenannte Kaskadeneffekte. Den normalen Trader betrifft dies nicht, da er die Steuer einmal bezahlen muss, eine Position jedoch nicht intern in mehreren Handelsbüchern verschiebt. Banken haben jedoch gerade im Handel von Derivaten oder Aktienemissionen sowie Handel von Staatsanleihen mehrere bankinterne Abteilungen sowie Tochterfirmen die Großtransaktionen abwickeln. Beispielweise kauft eine Banktochter Staatsanleihen des deutschen Staates. Hierauf muss die FTS (Finanztransaktionssteuer) bezahlt werden. Anschließend wird die Position bankintern weitergereicht beispielsweise an die Verkaufsabteilung um an Bankkunden die Anleihen weiter zu geben. Es würde wieder die Steuer entstehen. Dieser Prozess kann bei großen Projekten einige Abteilungen oder Firmen beinhalten und führt zu einer immensen Besteuerung einer Transaktion die eigentlich nur unternehmensintern weitergegeben wird.

Eine Lösung muss her

Bisher gibt es noch keine Aussagen wie diese Probleme gelöst werden können. Das einzige was möglicherweise ausgenommen werden wird ist das Market Making. Dieses wäre ohnehin nicht mehr möglich nach Einführung der FTS. Die Margen sind hauchdünn und 10 Basispunkte Steuer würden das Market Making unrentabel machen. Die Folge wäre eine Austrocknung der Liquidität, was im Endeffekt auch die Realwirtschaft belastet!

Ihr Sebastian Hell

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Kaskadeneffekt der Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Interview zur Finanztransaktionssteuer: Andrea Unger, Italien, System-Trader (Trading-Weltmeister 2008 & 2009 & 2010 & Q4 2012)

Sebastian: Schön, dass Du mir ein kurzes Interview zur Finanztransaktionssteuer geben kannst. Kannst Du bitte unseren Lesern etwas über Deinen Hintergrund als Trader erzählen?

andrea_ungerAndrea: Ich handle seit mittlerweile über 12 Jahren. Mein Spezialgebiet liegt in der Erstellung von automatischen Handelssystemen, die ich in unterschiedlichen Märkten (Rohstoffe, Devisen, Indizes und Zinsen) einsetze. Dabei kommen auch teils sehr verschiedene Handelsansätze zum Tragen, die von sehr kurzfristigen bis hin zu langfristigen Strategien reichen.

Sebastian: In Italien gibt es bereits eine Finanztransaktionssteuer. Schränkt das Deinen Handel von Futures und Aktien ein?

Andrea: Die Ausgestaltung der italienischen Finanztransaktionssteuer ist sehr ungewöhnlich. Ziel sollte ursprünglich die Bestrafung der „bösen Spekulanten“ sein. Man wollte diese an den Kosten der Finanzkrise beteiligen und zukünftige Krisen verhindern. In der Praxis ist es jedoch so, dass jeder außer den „bösen Spekulanten“ bestraft wird. Die Steuer ist nur auf wenige Aktien ausgerichtet und fällt auch nur dann an, wenn man Positionen über Nacht hält. Obwohl die Finanztransaktionssteuer auch auf Termingeschäfte wie Futures übertragen wurde, sind die Kosten derart gering, dass es Niemanden wirklich stört. Solange die Finanztransaktionssteuer in Italien in ihrer derartigen Form bestehen bleibt, gibt es keinerlei Handelseinschränkungen für mich.

Sebastian: Wenn sich Frau Merkel durchsetzt, dann wird die Finanztransaktionssteuer noch viel härter. Eine komplette Besteuerung von Derivaten mit 0,01 Prozent wird  in elf Ländern erfolgen. Siehst Du hier Probleme für Deinen Handel?

Andrea: Diese Form der steuerlichen Ausgestaltung wäre definitiv deutlich schwieriger für mich. Ich bin zwar kein Hochfrequenz-Händler, doch eine Besteuerung von 0,01 Prozent bei Derivaten würde große Teile meines Gewinns vernichten. Die Systeme und damit die gesamten Strategiekörbe wären weniger robust und deutlich anfälliger für Verluste. Die Konsequenz wäre eine Umstellung der Systeme auf andere Märkte und andere Strategien. Ich habe bereits Strategien für diesen Fall entwickelt, handle diese jedoch noch nicht, da mir die Ansätze selbst nicht gefallen. Sollte die Steuer jedoch kommen, müsste ich reagieren und meinen Handel anpassen.

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Andrea: Ich bin kein Fan einer Finanztransaktionssteuer, da ich selbst nicht daran glaube, dass man destabilisierende Spekulationen mittels einer Steuer in den Griff bekommen kann. Damit Märkte negativ beeinflusst werden, muss mit enormen Summen spekuliert werden. Unternehmen und Personen die derartige Beträge kontrollieren und in die Märkte geben können, haben auch das Know How eine Finanztransaktionssteuer problemlos zu umgehen. Nicht die normalen Trader die ihren Lebensunterhalt verdienen sind das Problem sondern meist wenige Hedge Fonds mit Milliardenbeträgen. Diese kann man jedoch kaum kontrollieren.

Sebastian: Hast Du spezielle Maßnahmen geplant wenn die Finanztransaktionssteuer kommt? Umzug in ein anderes Land oder Handel anderer Märkte?

Andrea: Ich lebe in Italien und werde meinen Lebensmittelpunkt auch nicht aufgrund des Trading verlagern. Auch der Handel anderer Märkte könnte schwierig sein, je nachdem worauf die Finanztransaktionssteuer anfällt. Daher bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig als mit längerfristigen Strategien und größeren Positionen zu arbeiten, um die Steuer zu kompensieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Andrea: Ich danke Dir für Deinen Einsatz mit Deiner Seite um allen Tradern eine Stimme zu geben! So etwas gibt es bisher leider überhaupt nicht!

 

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Nach einem meiner letzten Beiträge über die Finanztransaktionssteuer in Italien, kontaktierte mich der besprochene Broker Directa aus Italien und setzte mich mit auf den Presseverteiler. Man hat vor Kurzem eine detaillierte Pressemeldung mit einer guten Auswertung veröffentlicht. Dadurch haben wir nun saubere Daten aus Italien von einem der größeren Broker. Die Pressemeldung finden Sie nachfolgend.

Ihr
Sebastian Hell

Informationsblatt für die Presse 29.04.2013

Finanztransaktionssteuer in Italien: Directa verzeichnet 18 % weniger Ordervolumen

Die italienische Variante der Anfang des Jahres von den EU-Finanzministern beschlossenen FTT besteuert seit dem 1. März zu 0,12 Prozent alle italienischen Assets, die Overnight gehandelt werden. Intraday-Geschäfte und ausländische Aktien werden nicht besteuert. Verglichen mit Januar und Februar sind diese zu besteuernden Trades im März um 14 Prozent zurückgegangen, von 8.529 auf 7.330 am Tag. Das tägliche Ordervolumen ist sogar um insgesamt 18,6 Prozent gefallen. Wenn man die Transaktionskosten vergleicht, so hat der Directa-Kunde im Januar und Februar pro Transaktion 3,22 Euro an Kommissionen bezahlt. Ab dem 1. März sind die Kosten auf 4,58 Euro gestiegen. Das sind Mehrkosten von über 43 Prozent.

Weniger Steuereinnahmen als vom Staat erwartet

Directa macht als einer der größten Online-Broker Italiens rund 25 Prozent des Online-Trading-Marktes an der italienischen Börse aus, drei Prozent betreffen den zu besteuernden Overnight-Handel. „Täglich werden von unseren Kunden durchschnittlich 10.000 Euro an Steuern abgeführt“, erklärt Fabbri. „Wenn man das hochrechnet, kommt man bis Ende des Jahres auf rund 3 Millionen Euro. Bedenkt man aber, dass der italienische Staat sich aus den Einnahmen der Steuer rund eine Milliarde errechnet hat, frage ich mich, wo er die restlichen 997 Millionen hernehmen will.“

Positive Jahresbilanz für 2012 trotz Umsatzrückgang

Die Kunden des italienischen Online-Brokers Directa S.I.M.p.A. haben 2012 auf den italienischen Aktienmärkten einen Umsatz von insgesamt 31 Milliarden Euro erreicht. Das sind 15.3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich dazu sank der Handelsumsatz der italienischen Börse um insgesamt 28,8 Prozent. Dennoch konnte Directa – aufgrund der massiven Rückgänge der Transaktionen und des Handelsumsatzes – seinen Marktanteil auf dem elektronischen Aktienmarkt der italienischen Börse (MTA) von 2,61 Prozent (2011) auf 3,10 Prozent erhöhen.

Neues Handelssystem LMAX

„2012 war für viele sehr mühselig – das war abzuwarten und ist nicht verwunderlich“, erklärt Directa-Vorstandsvorsitzender Mario Fabbri. „Ich denke aber, dass es uns ganz gut gelungen ist, die massiven Rückgänge einzudämmen. Vor allem aber haben wir weiter in den Ausbau unseres Serviceangebots investiert. Nur dadurch konnten wir im Oktober diesen Jahres dem Forex-Trading das multilaterale Handelssystem (MTF) LMAX Exchange anbieten. Dies ist eine entscheidende Neuigkeit, die wir auch weiter ausbauen wollen. So ist in Zukunft beispielsweise ein 24-Stunden-Service geplant.“

Pressekontakt Directa Deutschland:

Alexandra Barone, +49 – 162 – 6068669, a.barone@gmx.de

********************************************

Kurzporträt Directa

Die seit März 1996 operativ tätige Directa Sim nimmt auf dem italienischen Online-Trading-Markt eine Pionierstellung ein und zählt zu den ersten Online-Brokern weltweit. Sie wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, Privatanlegern zu ermöglichen, direkt von ihrem PC aus kostengünstig und mit unverzüglicher Orderausführung an den Finanzmärkten zu handeln.

Der Schwerpunkt lag dabei von Anfang an auf sehr aktiven Kunden, die dank Directa über das Internet an der Mailänder Börse (Aktien, Derivate, Anleihen), der NYSE, NASDAQ, AMEX, OTC und CME (über Market Maker oder ECN), an der Eurex, auf XETRA in Frankfurt und Chi-X in London handeln können. Directa ist keine Bank, sondern eine Wertpapier-Maklergesellschaft (eine italienische SIM), d.h. ein Finanzdienstleister, der nach dem italienischen Gesetz befugt ist, u.a. Börsenaufträge von privaten und institutionellen Kunden entgegenzunehmen und Geldmittel und Wertpapiere von Privatkunden zu verwahren. Directa unterliegt der italienischen Börsenaufsichtsbehörde Consob und der italienischen Zentralbank Banca Italia. Weitere Informationen finden Sie unter www.directa.com

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Pressemeldung zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Interview zur Finanztransaktionssteuer mit Peter Müller, Geschäftsführer QTrade . Das Interview hat mein Kollege Marcel Adler in Sankt Petersburg geführt.

MA: Danke, dass Sie Zeit für ein Interview gefunden haben. Ich weiß, dass Sie sehr viel unterwegs sind. Können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

pmueller_120x160PM:  Ich bin 36 Jahre alt und lebe derzeit abwechselnd in München und in Sachsen, wo ich geboren bin. Für Trading begann ich mich erstmals mit etwa 18 Jahren zu interessieren und handelte ab da recht aktiv – zunächst mit asiatischen Pennystocks, später dann mit Futures. Während meines Studiums der Rechtswissenschaften arbeitete ich zeitweise bei einem Broker im Frankfurter Raum, um „die andere Seite“ kennenzulernen. Noch während meines Studiums gründete ich mit Partnern ein Unternehmen zum Vertrieb von Finanzinformationen und später ein Unternehmen zur Beratung von Hedgefonds und anderen institutionellen Kunden. Seit 2009 bin ich Geschäftsführer der QTrade GmbH.

MA: Was halten Sie von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

PM: Ich finde die Idee Finanztransaktionen zu besteuern nicht grundsätzlich schlecht. Jedoch sollte eine Steuer auch das politische Ziel erfüllen. Bei der FTS sind diese Ziele zum einen die Generierung von Mehrsteuereinnahmen und zum anderen der Schutz des Finanzmarktes vor massiven Verwerfungen in Folge hochfrequenter Spekulation. Nachdem, was ich bisher über die Pläne zur Ausgestaltung der FTS erfahren habe, werden diese Ziele meiner Einschätzung nach gerade nicht erreicht werden. Das Kapital ist flüchtig und insbesondere große Marktteilnehmer wie Banken und Hedgefonds, werden das Geschäft einfach ins FTS-Ausland verlagern und dadurch der Steuer entgehen. Nicht die vielfach beschworenen Heuschrecken und Finanzhaie werden diese Steuer bezahlen, sondern die kleinen und mittelgroßen privaten Trader. Zudem übersieht die Politik, dass auch die reine Spekulation ihre Funktion hat, indem sie an den Märkten erst die nötige Liquidität und damit gerade Stabilität schafft. Sollten unsere Märkte nun mangels Intraday-Liquidität austrocknen, werden die Märkte eher noch erratischer und unvorhersehbarer reagieren.

MA: Wie hätte denn die Steuer Ihrer Meinung nach anders gestaltet werden müssen?

PM:  Um Schaden für einzelne Finanzplätze zu vermeiden, hätte man zumindest alle großen Standorte inklusive USA und Fernost anbinden müssen. Da dies nicht mal in Europa gelungen ist, hätte man die Steuer konsequent fallen lassen müssen. Es ist aber im Moment so, als würden Zigaretten in einem Supermarkt besteuert werden und im nächsten nicht  (wobei die Zigaretten vergleichbar sind, die Supermärkte direkt nebeneinander im Wettbewerb stehen und nicht durch eine Grenze mit effektiven Kontrollen getrennt sind). Das Ausgabeprinzip schadet nur dem Standort und das Herkunftsprinzip diskriminiert die Trader und führt zu Abwanderung. Will die deutsche und europäische Politik jetzt nicht plötzlich ins Lager der Globalisierungsgegner wechseln und sich international abschotten, ist die FTS bereits jetzt gescheitert.

MA: Aus Sicht des Brokers: Was hat die Branche zu erwarten?

PM: Ich kann nur für unser Unternehmen sprechen: Wir sehen das Ganze gelassen, wobei wir die Entwicklungen genau beobachten und das Thema regelmäßig mit unseren Rechtsanwälten und anderen Beratern besprechen. Die Branche entwickelt sich ständig weiter und wird auch auf die Einführung der FTS eine kreative Antwort finden. Trader wie Broker die sich nicht anpassen, werden aber sicher mit Problemen zu kämpfen haben. Aber gerade darin sehen wir auch eine Chance…

MA:  Sollte aus Ihrer Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

PM:  Es kann schon Situationen geben, in denen eingegriffen werden muss. Der Markt ist kein losgelöstes Überwesen, sondern Teil unserer Gesellschaft mit der Aufgabe gesellschaftlichen Nutzen und Wohlstand zu schaffen. Eingriffe sollten jedoch sehr sparsam und wohlüberlegt erfolgen – genauso wie eine Operation nur durchgeführt wird, wenn sie unvermeidlich ist. Der Eingriff könnte sonst mehr schaden als nutzen. Letztlich ist das eine Einzelfallentscheidung.

MA: Gibt es spezielle Pläne für die Zukunft von QTrade in punkto Finanztransaktionssteuer?

PM: Die gibt es.

MA: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Interview zur Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

vor etwa einer Woche wurde bekannt, dass LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter vor dem Finanzausschuss klar gemacht hat, dass die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) eine Finanztransaktionssteuer unter Umständen nicht verkraften würde. Die Analysten der Bank hätten errechnet, dass durch die Besteuerung jeder Transaktion Mehrkosten von drei Milliarden Euro entstehen könnten, die für die LBBW nicht tragbar wären.

Finanztransaktionssteuer greift nicht wie die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden

Das „schlaue“ an der Finanztransaktionssteuer, zumindest aus Sicht der Politik ist, dass die Steuer bei jeder Transaktion greifen soll. Während die Mehrwertsteuer nur beim Endkunden erhoben wird und Unternehmen diese wieder vom Finanzamt zurückholen können, soll dies bei der Finanztransaktionssteuer nicht der Fall sein. Bei der Mehrwertsteuer wird sichergestellt, dass keine unnötige Verteuerung der Produkte entsteht wenn diese von mehreren Firmen weiterverarbeitet werden. Sie fällt nur einmal am Ende des Prozesses beim Endkunden (Verbraucher) an.

Finanztransaktionssteuer „darf“ immer bezahlt werden

Die Finanztransaktionssteuer wird immer erhoben, auch wenn ein Produkt bankenintern gehandelt wird und erst später an Kunden weitergegeben. Gerade bei Emissionen von Staatsanleihen, die zuerst von den Banken gekauft und später erst weitergegeben werden, würde die Steuer immer wieder anfallen. Gleiches gilt auch für die Emission von Aktien, falls diese zunächst auf dem Handelsbuch der Bank verbleiben und später schrittweise abverkauft werden. Durch die ständige Besteuerung von Wertpapieren steigen die Kosten extrem an.

US-Banken freuen sich und gewinnen Marktanteile

Laut einer Studie der Deutschen Bank gewinnen US-Banken durch die geplante Finanztransaktionssteuer mehr Anteile. Es sei bereits jetzt schon ein Trend zu beobachten, dass Banken außerhalb der EU bevorzugt werden.

Ihr
Sebastian Hell

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Banken verlieren Marktanteile gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

 

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Briten haben vor wenigen Tagen Klage beim Europäischen Gerichtshof gegen die geplante Finanztransaktionssteuer eingelegt. Damit will Großbritannien deutlich zeigen, dass man nicht nur gegen die Steuer ist, sondern durchaus den Willen besitzt auch zu handeln. Bisher waren die Worte des englischen Finanzministers eher zurückhaltend, doch mit der Klage folgt zumindest eine sichtbare Demonstration des Widerwillens gegen eine solche Steuer.

Warum klagen die Briten?

In einigen Foren kam die Frage auf warum die Briten eigentlich klagen. Sie seien von der Steuer ohnehin nicht betroffen. Dies ist jedoch falsch! Aufgrund der Globalisierung sitzen viele britische Firmen in den teilnehmenden Ländern an der Finanztransaktionssteuer. Daher haben diese Firmen ebenfalls mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie einheimische Unternehmen.

Finanzplatz London ebenfalls gefährdet

Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer kann dazu führen, dass London als Finanzplatz ebenfalls gefährdet wird. Ein großer Teil der Transaktionen wird sich nach London verlagern. Doch aufgrund des Herkunftsprinzips werden Trader, die in den teilnehmenden Ländern ansässig sind, auch die Steuer abführen müssen, wenn sie Wertpapiere aus Großbritannien handeln. Dies ist vor allem ein Aufreger für alle Länder die nicht teilnehmen, da sie gleichermaßen bestraft werden aber nichts von den Einnahmen erhalten.

Refinanzierung ist auch ein Thema

Die Refinanzierung der Staaten ist zudem ein wichtiger Streitpunkt. Investoren die in den elf teilnehmenden Ländern der Finanztransaktionssteuer ansässig sind, werden beim Kauf von Staatsanleihen einen Renditeaufschlag fordern. Dies ist nur logisch, da aufgrund der Steuer die Kosten steigen und diese durch eine höhere Rendite kompensiert werden müssen. Wie hoch der Aufschlag ausfallen könnte, muss erst berechnet werden und ist von Erfahrungswerten abhängig. Bei Hunderten Milliarden Euro an Refinanzierungen sind jedoch schon geringe Aufschläge entscheidend.

Ihr
Sebastian Hell

 

E-Mail Alarm

Kostenloser E-Mail Alarm wenn es neue Beiträge zum Thema Klage gegen die Finanztransaktionssteuer gibt!

Datenschutzgarantie: Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!