Sebastian: Michael, danke dass Du Dich für das Interview bereit erklärt hast. Kannst Du den Lesern kurz etwas über Dich erzählen über Deinen Hintergrund, Handelsstil, etc.

MichaelGassnerMichael: Ich handle schon seit über 30 Jahren sehr aktiv an den Märkten. Seit 20 Jahren handle ich insbesondere den FDax, sowohl im sehr kurzfristigen Bereich, als auch im Bereich Swing-Trading. Im Swing-Trading komme ich hier auf ca. 10 Trades am Tag. Im kurzfristigen Bereich auf bis zu 50 Trades am Tag.

Sebastian: Was hältst Du von der Einführung der Finanztransaktionssteuer?

Michael: Die Einführung der FTS würde den deutschen Kapitalmarkt in den Bereich eines Entwicklungslandes zurückführen. Nicht nur das Tradingvolumen  würde massiv zurückgehen, sondern auch die Möglichkeiten der Kapitalaufnahme für mittelständische und große deutsche Unternehmen würden massiv eingeschränkt werden. Getroffen werden hier insbesondere auch der Kleinanleger und die Nachwuchstrader. Die sowieso schon im Vergleich zu anderen Industrienationen eingeschränkte Aktienmarktkultur in Deutschland würde massiv leiden.

Der Kapitalmarkt hat ja die Aufgabe die verfügbaren Kapitalmittel möglichst effizient in den attraktivsten zukunftsträchtigsten Feldern respektive  Unternehmen einzusetzen. Im Prinzip der Kern einer freien Marktwirtschaft.  Diese sehr wichtige Funktion der Börse würde massiv eingeschränkt werden.

Interessanterweise werden die ursprünglich geplanten Adressaten der FTS aber gerade nicht getroffen. Banken mit ihren Handelsabteilungen werden elegant ins Ausland abwandern.

Sebastian: Wird Dein Handel dadurch betroffen sein? Du lebst zwar im nicht betroffenen Ausland (Schweiz), aber so wie es aussieht musst Du beim Handel des FDAX  in Deutschland auch die Steuer berappen.

Michael: Das ist richtig. Das Problem ist jedoch nicht nur die Steuer an sich, sondern die potentielle Änderung der Struktur des Marktes. Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Studien, die mit einer Abnahme des Handelsvolumens von ca. 80 % rechnen! Selbst die Europäische Kommission sieht dies ähnlich.

Für mich hätte der FDAX daher nicht mehr genügend Liquidität und ein wesentlich erratischeres Kursbild. Ein Handel wäre für mich dann nicht mehr sinnvoll. Außerdem würden sich meine Kosten für einen Kauf/Verkauf etwa verzwanzigfachen!

Sebastian: Sollte aus Deiner Sicht in den Handel eingegriffen werden um Finanzkrisen zu verhindern oder reguliert sich der Markt ohnehin langfristig von alleine?

Michael: Langfristig reguliert sich der Markt tatsächlich  von alleine. Lediglich kurzfristig sollten Maßnahmen wie kurzfristige Handelsaussetzungen etc., getroffen werden. Hier hat man z.B. in den USA ein recht gutes Regelwerk.

Der letzte der Risiken entdecken würde, ist die Politik.  Die Finanzmärkte sind da immer schneller und effektiver. Und eine Abwärtsbewegung muss nicht nur negativ sein. Sie ist ab und zu notwendig, um Blasen und Fehlallokationen abzubauen (Gutes Beispiel hierfür die Neue Markt Korrektur). Die derzeitige massive Liquiditätsflut, hervorgerufen durch viele Notenbanken  lösen die Probleme nur kurzfristig.

Die große Krise wird dadurch jedoch nur noch größer.  Die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren eine Blase ungeheuren Ausmaßes angefüttert.

Sebastian: Hast Du für die Zukunft spezielle Maßnahmen geplant aufgrund der Finanztransaktionssteuer? Beispielsweise Handel anderer Märkte, Weg- oder Umzug, etc.?

Michael: Wenn die FTS tatsächlich kommt, werde ich auf andere Handelsprodukte ausweichen müssen.

Da ich gerne zu normalen Tageszeiten handle, wird sich dann meine Aktivität auf den Handelsplatz London konzentrieren. Nahezu der gesamte europäische Handel wird sich dann dort konzentrieren.

Sebastian: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Mähr der guten Finanztransaktionssteuer, die angeblich nur die bösen Banken bestrafen soll und niemanden anderen, wird für Leser dieses Blogs immer unglaubwürdiger. In früheren Beiträgen hatte ich bereits auf die Auswirkungen für Unternehmer, den Wirtschaftsraum der EU, Riester-Sparer sowie Privatleute hingewiesen.

Nun können sich auch Rentner einreihen!

Also ob die oben genannten „Nebenwirkungen“ der Finanztransaktionssteuer nicht schon genug wären, sind laut einer aktuellen Studie des Münchener Professors Dr. Christoph Kaserer auch die Rentner massiv betroffen. Bisherige Berechnungen zur Auswirkung einer FTS auf die Rentner gingen meist von einer zu geringen Umschlaghäufigkeit in den Portfolios aus. Allerdings ist diese durch die Schwankungen an den Märkten und dem verstärkten Trend in Richtung Finanzanlagen in den letzten Jahren gestiegen.

renten_transaktionssteuer
Quelle: Prof. Dr. Christoph Kaserer, TU München

Die obenstehende Tabelle zeigt die Verminderung der Rente bei einer Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,1 % und einer unterschiedlichen Umschlaghäufigkeit (U) in Abhängigkeit der Rentenlaufzeit (m).

Jemand der beispielsweise 20 Jahre seine Rente erhalten würde und eine Umschlaghäufigkeit von 80 Prozent hat (0,8), würde eine Verminderung der Rente durch die Steuer von 5,45 Prozent erfahren.

Das gesamte Gutachten von Herrn Prof. Dr. Kaserer findet sich hier!

Ihr
Sebastian Hell

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Die Einführung der Finanztransaktionssteuer – auch als „Tobin Tax“ bekannt – war von Anfang an heftig umstritten. Als Spielball von politischen Interessen, Wirtschaftslobbyismus und linker Polemik war es schwer eine Sachdiskussion zu diesem Thema zu führen. Inzwischen haben sich 11 EU-Staaten auf die Einführung der Steuer geeinigt, die jede einzelne Finanztransaktion mit einem bestimmten Prozentsatz besteuern soll. Bei Derivaten soll diese Steuer bei 0,01 % des gehandelten Volumens liegen.

Herkunftsprinzip und Ausgabeprinzip:

Wie der Blog transaktionssteuer.info berichtet, soll bei der Finanztransaktionssteuer (FTS), sowohl das Ausgabe- als auch das Herkunftsprinzip zum tragen kommen.
Das Ausgabeprinzip besagt, dass alle Finanzinstrumente, die in dem besteuernden Staat emittiert oder an einer inländischen Börse gehandelt werden, der Transaktions-Besteuerung unterliegen. Würde man jedoch allein dieses Prinzip anwenden, würden sich Trader und Investoren umgehend nach alternativen Handelsplätzen umsehen. Die englische LSE oder andere ausländische Börsenplätze würden sofort reagieren und zum Beispiel den FDAX (freilich unter anderem Namen) auf ihrem elektronischen Parkett handelbar machen. Die Folge wäre eine Abwanderung von Kapital und die volkswirtschaftlichen Kritiker der FTS würden damit Recht behalten, dass die Steuer nur Nachteile für den Finanzplatz Deutschland bringt, ohne zu erhöhten Steuereinnahmen zu führen.
Aus diesem Grund soll zudem das Herkunftsprinzip angewandt werden: Hierbei richtet sich die Erhebung der Steuer nach dem Wohn- bzw. Firmensitz des Traders. Dies bedeutet, dass die Steuer auch dann fällig würde, wenn „Herr Schulze aus Wiesbaden“ in London den FTSE 100 handelt – auch wenn Großbritannien bei der FTS überhaupt nicht mitmacht!

Darum klagt Großbritannien:

Während das Ausgabeprinzip sogar noch zu einer Stärkung des Finanzplatzes London führt, da viele Anleger wegen der Steuer dorthin ausweichen würden, befürchtet man an der Themse durch das Herkunftsprinzip sogar Schaden für die britische Finanzindustrie. Großbritannien müsste die Steuer dann nämlich im Rahmen von internationalen Steuerhilfeabkommen einziehen, diese aber sodann gleich wieder an das Land, welches die Steuer erhebt abführen. Weiterhin könnte die europarechtlich verankerte Dienstleistungsfreiheit durch die FTS beeinträchtigt sein, da Finanzunternehmen aus den 11 FTS-Ländern dann möglicherweise in ihren Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern unzulässig benachteiligt würden.

Abwarten, Herr Schäuble!

Für Trader und Anleger wird der Ausgang der Klage vor dem Europäsichen Gerichtshof sehr spannend werden und auch die damit einhergehenden Änderungen an der FTS. Gesichert scheint, dass die Steuer in 2014 kommen wird, aber möglicherweise ändern sich bis dahin noch viele Details.

Quelle: http://www.termintrader.com/termintrader/trading-artikel/ausbildung/eine-chance-fuer-trader-england-klagt-gegen-finanztransaktionssteuer,12,2475.html

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

in Italien wurde in diesem Jahr die Finanztransaktionssteuer eingeführt. Nun gibt es erste Zahlen von einem Online Broker der ein Viertel des italienischen Aktienhandels an der italienischen Borsa Italiana ausmachen soll.

Umsatz bricht im März ein

Der oben erwähnte Broker namens Directa vermeldete einen Umsatzrückgang von 19 Prozent im März. Dies kann auf die Finanztransaktionssteuer zurückzuführen sein, muss jedoch nicht in meinen Augen. Von der Steuer sind nur Werte von mehr als 500 Millionen Euro Marktkapitalisierung betroffen. Momentan sind das gut 70 Aktien. Da nur wenige Aktien unter die Steuer fallen, kann der Monat März für Directa auch normal schwach gewesen sein. Es müsste genau gezeigt werden, wie hoch der Handelsrückgang innerhalb der Kategorie der betroffenen Aktien gewesen ist. Ich will die Steuer nicht in Schutz nehmen, aber Zahlen sollten für eine solide Argumentation auch richtig unterlegt sein.

Mehr Erfahrung ist notwendig

Bevor genaue Rückschlüsse gezogen werden können, brauchen wir mehrere Monate an Erfahrungswerten. Alles andere kann in einer stichhaltigen Diskussion in jede Richtung ausgelegt werden.

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

erst in meinem letzten Beitrag „Was der weltgrößte Broker von der Finanztransaktionssteuer hält“ habe ich darüber geschrieben wie ICAP aus London die Steuer sieht.

Nun habe ich einen sehr aufschlussreichen Bericht der Deutschen Bank erhalten, dessen Kernaussagen ebenfalls höchst interessant sind und der deutlich zeigt wie Politiker wider besseres Wissen agieren!

Die Kernaussagen der Deutschen Bank im Kurz-Check:

  1. Die Steuer ist nicht zielführend. Weniger der Finanzsektor als mehr Unternehmen und Haushalte werden bestraft. Die Finanzzentren der beteiligten Länder würden massiv schrumpfen und die Realwirtschaft würde leiden.
  2. Ein Anstieg der Kosten für die Finanzierung der beteiligten Staaten durch Staatsanleihen würde erfolgen. Aufgrund der erhöhten Kosten durch die Steuer, müsste sich dies im Zinssatz widerspiegeln. Für Länder wie Deutschland sicherlich tragbar, für viele andere jedoch nicht. Insgesamt müssten die beteiligten Staaten mehr als 8,5 Milliarden Euro mehr an Zinsen bezahlen!
  3. Die EU Kommission kommt in einer eigenen Studie zu dem Schluss, dass die Steuer das BIP um 0,4 Prozent schmälern dürfte. Bei Erwartung von Einnahmen in Höhe von 0,2 Prozent, werden real also 0,2 Prozent des BIP oder 30 bis 35 Milliarden Euro verloren (!!!)
  4. Ein Rückgang um 70 bis 90 Prozent des Derivatehandels in den beteiligten Staaten wird erwartet. Ein gewünschter Effekt der EU laut der Deutschen Bank. Doch vergisst man hier, dass viele Unternehmen sich gegen Preisrisiken mittels Derivaten absichern müssen.
  5. Die Absicherungskosten für Unternehmen würden sich verdreifachen!

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

die Firma ICAP aus London ist laut eigenen Angaben der weltgrößte Broker.  Über eine Milliarde Pfund Umsatz macht das Unternehmen mit Sitz in London, New York, Tokio und 20 weiteren Standorten pro Jahr. Über 3.000 Mitarbeiter arbeiten für die Firma. Die Stimme des Unternehmens hat durchaus Gewicht und daher möchte ich nachfolgend die Kernpunkte aus einer jüngst veröffentlichten Studie zusammenfassen.

  1. Die Wirtschaften der teilnehmenden Länder werden nachhaltig durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer geschädigt. Anstelle einer Verringerung des Handels, werden sich die Beteiligten einfach in anderen Ländern niederlassen, die nicht unter die Finanztransaktionssteuer fallen. Für Großfirmen ist dies relativ einfach durch die Gründung neuer Niederlassungen und Tochterfirmen möglich.
  2. Innerhalb der Teilnehmerländer ansässige Banken und Firmen werden einen gravierenden Wettbewerbsnachteil erfahren. Die Transaktionskosten steigen massiv an. Institute außerhalb der Zone der Finanztransaktionssteuer können erheblich bessere Angebote machen und werden dadurch ihre Marktanteile ausbauen können. ICAP erwartet, dass Firmen die von der Finanztransaktionssteuer betroffen sind, primär Geschäfte mit Unternehmen außerhalb der elf teilnehmenden Länder machen werden.
  3. Großbritannien könnte durch eine Welle von Neugründungen profitieren, wenn Unternehmen ihren Sitz nach England verlagern um die FTS (Finanztransaktionssteuer) zu umgehen. Erhöhte Steuereinnahmen wären die Folge.
  4. Die Verteilung der Einnahmen könnte zu einem großen Streitpunkt innerhalb der EU werden.
  5. ICAP bezweifelt, dass eine Einführung ab 2014 in der geplanten Form möglich ist. Eine zentrale Behörde für die Überwachung der Finanztransaktionssteuer müsste geschaffen werden. Diese müsste vor allem auch den Handel in Ländern überwachen die nicht an der FTS teilnehmen. Ein derartiger Großapparat würde deutlich länger als Januar 2014 benötigen um funktionsfähig zu sein.

 

Ihr
Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

die Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer scheint nun Form anzunehmen. Bisher war nicht ganz klar wie die Steuer aussehen wird. Wird es eine italienische Lösung geben, die dem Ausgabeprinzip entspricht oder eine wie von Deutschland geforderte Ausgestaltung nach dem Herkunftsprinzip. Bevor ich weiter ausführe, sollten die beiden Prinzipien kurz erklärt werden.

  • Ausgabeprinzip

    Hierbei fällt die Steuer auf Finanzprodukte an, die der Steuer unterliegen und in den Ländern ausgegeben werden, die bei der Finanztransaktionssteuer mitmachen. Bestes Beispiel hierfür sind Italien und Frankreich. Die Staatsbürger und Ausländer werden beim Handel der ausgewählten Produkte besteuert, sonst aber nicht. Wenn also ein Italiener oder Franzose in New York Futures handelt, dann wird er nicht besteuert. Handelt er oder ein Ausländer jedoch die Aktien die unter die FTS fallen, dann fällt die Steuer an. Diese Variante kann leicht umgangen werden indem man einfach im Ausland handelt.

  • Herkunftsprinzip

    Hier wird es (zumindest für den Fiskus) schon spannender. Herkunftsprinzip bedeutet, dass alle Staatsbürger die in den teilnehmenden Ländern leben, Steuer auf alles bezahlen müssen was die Politiker für gut (oder schlecht) befinden. Ein Deutscher müsste also dann die Steuer auf deutsche Finanzprodukte aber auch amerikanische oder asiatische Werte bezahlen sofern die Politiker diese mit besteuern (mit Sicherheit wird der Fiskus auch Auslandswerte besteuern).

Doppelt hält besser!

Mit dem Herkunftsprinzip ist es aber nicht getan! Es ist geplant auch das Ausgabeprinzip zur Geltung kommen zu lassen. Dadurch will man auch verdienen, wenn Ausländer Finanzprodukte in den Teilnehmerländern der FTS handeln. So versucht man die Finanzplätze vollends zu ruinieren!

Was kann man machen?

Betrachtet man die aktuelle Gesetzesvorlage sieht es danach aus, als ob der Handel unmöglich werden wird, zumindest für kurzfristige Händler. Allerdings scheint es auch Lösungen zu geben. Diese werde ich jedoch erst präsentieren wenn die Gesetzesvorlage entsprechend abgeschlossen ist. Derzeit bin ich mit Anwälten und Steuerberatern in Kontakt, um eine saubere Lösung zu finden die FTS legal zu umgehen.

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

ich hatte in meinem Beitrag „Italien führt nun auch die Finanztransaktionssteuer ein“ versprochen, dass ich mit einigen befreundeten Tradern sprechen werde. Unter anderem habe ich mich mit Dr. Andrea Unger, dem dreifachen Weltmeister im Trading unterhalten.

Er sieht die Einführung der Steuer ganz locker und befürchtet dadurch keine Eingriffe in seinen Handel. Nur die größten Aktien mit einer Marktkapitalisierung von über 500 Millionen Euro werden besteuert. Allerdings auch nur dann, wenn man die Position über Nacht hält. Da die meisten italienischen Profi- und Privat-Trader sowieso Daytrading oder Scalping betreiben, geht von der Steuer keine Gefahr aus.

Futures werden nur gering besteuert

Von Devisentransaktionen ist sowieso keine Rede gewesen und die Steuer auf italienische Futures liegt laut Dr. Unger im Bereich von 0,75 Euro. Der Rest ist frei und ohne Finanztransaktionssteuer. Trader sind erleichtert, da die Steuer mehr politischen Nutzen hat, aber wenig bis kaum in den Handel von Profi-Tradern eingreift.

Wie sehen es die Broker?

Ich habe einige Anfragen an befreundete Broker verschickt, aber bisher nur die Auskunft erhalten, dass die Rechtsanwälte und Steuerberater der Firmen gerade alles prüfen und man zu gegebener Zeit ein Statement veröffentlichen wird.

Ich werde gerne den Standpunkt der Broker durchgeben, sobald ich Neuigkeiten habe. Grundsätzlich verstehen jedoch die Finanzfirmen selbst nicht wie genau die Abgabe der Steuer erfolgen soll.

Man muss sich vor Augen halten, dass wenn ein deutscher Kunde ein außerbörsliches Derivat (CFD) auf eine italienische Aktie in London handelt, es schwierig wird die Steuer abzuführen beziehungsweise der italienische Staat dies gar nicht kontrollieren kann. Hier liegt noch einiges im Argen und es scheint mir, als ob die italienische Steuer nicht wirklich durchdacht war.

Weitere Infos zum Thema CFDs und Finanztransaktionssteuer finden Sie auch in meiner Kolumne „Kann man die Finanztransaktionssteuer umgehen?“

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

eine Finanztransaktionssteuer funktioniert wie eine Mehrwertsteuer auf börsliche und außerbörsliche Produkte. Kauft oder verkauft der Investor ein finanzielles Produkt, so muss er die Finanztransaktionssteuer zusätzlich an den Staat abführen. Diese beträgt im Schnitt knappe 0,1 %. Die Funktion der Finanztransaktionen ist zum einen, kurzfristige Spekulationen zu vermeiden. So ist es schlicht aufgrund der Abgabe unrentabel für Anleger, ausschließlich kurzfristig zu denken. Außerdem ist es eine weitere Möglichkeit für Staaten, Steuereinnahmen zu erhöhen.

Frühformen der Finanztransaktionssteuer

Die frühste Form der Finanztransaktionssteuer trat im 17. Jahrhundert in England auf. Hier wurde eine Steuer auf den Stempel belegt, die bei jeder Finanztransaktion bezahlt werden musste. Eine ähnliche Steuer wurde 1881 von Preußen eingeführt, die bis 1992 Bestand hatte.

Alles begann mit Keynes

Der englische Ökonom John Maynard Keynes war der Erste, der die Idee einer expliziten Finanztransaktionssteuer verfolgte. Nach der großen Depression im Jahre 1936 argumentierte Keynes, dass die kurzfristige Spekulation eingedämmt werden müsse, indem man die Finanztransaktionssteuer einführt. Dies würde den Firmen erlauben, sich auf längerfristige Gewinnmaximierung zu konzentrieren. Auf der anderen Seite entkräftete er sein eigenes Argument, da er befürchtete, dass die Liquidität einiger Branchen durch eine solche Steuer gefährdet werden würde.

Keynes Schüler setzte seine Arbeit fort

Die Tobin-Steuer geht auf einen der Schüler Keynes zurück. James Tobin hatte eine Steuer entwickelt, mit der er vor allem den Devisenmarkt nach dem Zusammenbruch des Bretton-Wood-Systems die Entwicklung der Währungen an langfristige Faktoren koppeln wollte. Diese Steuer wurde niemals umgesetzt.

Entwicklung in der Europäischen Union

Unter dem Druck der Finanzkrise wurden immer mehr Möglichkeiten diskutiert, die den Handel mit Wertpapieren einschränken sollten. Auch die Finanztransaktionssteuer wurde von unzähligen Experten diskutiert. Insbesondere linke Kräfte propagieren diese Steuer, da es mit ihr möglich wäre, den die Macht des Finanzsektors zu beschneiden. Liberale Wirtschaftswissenschaftler besinnen sich hingegen auf das Argument, das einst Keynes selbst vorgebracht hatte, dass eine Finanztransaktionssteuer bedrohliche Auswirkungen auf die Liquidität der Wirtschaftsinstitutionen haben könnte. Ein Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg am 13. Oktober 2012 beschloss, dass eine ganze Reihe von Staaten in der EU die Finanztransaktionssteuer einführen würde.

Welche Staaten sind dabei?

Frankreich machte am 01. August 2012 den Anfang und führte die Steuer ein. Am 01. März 2013 folgte Italien. Zu Beginn des Jahres 2014 werden womöglich Deutschland, Belgien, Österreich, Portugal, Slowenien, Griechenland, Italien, Spanien, Slowakei und Estland die Finanztransaktionssteuer in ihre Gesetzgebung aufnehmen.

 

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

in meinen letzten Artikel „Finanztransaktionssteuer trifft die Unternehmen hart“ hatte ich bereits darüber geschrieben, dass ab 01. März 2013 die Finanztransaktionssteuer auch in Italien gilt. Nachfolgend möchte ich kurz zusammenfassen, was die italienische Finanztransaktionsteuer im Kern beinhaltet:

  1. Steuer fällt auf Aktien und Derivate an, die auf italienische Aktien mit einer Marktkapitalisierung von 500 Millionen Euro oder mehr emittiert wurden.
  2. Börsliche Transaktionen werden bis Ende des Jahres mit 0,12 Prozent (0,10 Prozent ab 2014) und außerbörsliche Transaktionen werden mit 0,22 Prozent (0,20 Prozent ab 2014) besteuert.
  3. Die Steuer fällt dann an, sobald italienische Aktien oder Derivate (wie unter 1. genannt) ins Spiel kommen. Der Wohnort des Traders ist im Gegensatz zu den Überlegungen in Deutschland in Italien (und auch Frankreich) egal.

Meine Meinung: Betroffen sind derzeit über 70 Aktien die eine Marktkapitalisierung von über 500 Millionen Euro aufweisen. Von Futures direkt wie dem S&P MIB ist bisher keine Rede. Auch Scalper die in kleineren Werten unterwegs sind haben nichts zu befürchten. Wer bisher die großen Aktien handelte als Daytrader, kann vielleicht auf Aktien aus dem S&P oder Futures ausweichen.

Interessant ist aber, dass im Gegensatz zu Frankreich die Italiener das Schlupfloch „CFD“ gesehen und gestopft haben. CFDs unterliegen der Steuer. Wie aber alle ausländischen Broker nun dazu gezwungen werden können die Finanztransaktionssteuer an den italienischen Staat abzuführen, ist mir noch schleierhaft.

Ich werde dies bezüglich jedoch mit meinen Brokerkontakten aus London sprechen wie man dort die Situation sieht und gerne hier berichten. Des Weiteren spreche ich mit italienischen Tradern, welche Maßnahmen dort getroffen wurden. Dies kann deutschen Händlern sicherlich nur weiterhelfen.

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