Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

auf meinen letzten Blogeintrag „Zu kurz gedacht – Warum das Beispiel Schweden doch richtig ist …“ erhielt ich sehr viel positives Feedback. Dabei tauchte auch verstärkt die Frage auf, wie man als privater Trader reagieren sollte und ob es Möglichkeiten gebe die Steuer zu umgehen.

Derzeit sieht es ganz danach aus, als ob die Finanztransaktionssteuer an den Sitz des Händlers gebunden ist. Das bedeutet, dass die Länder die an der Steuer teilnehmen alle Trader die in den jeweiligen Ländern sitzen besteuern können und werden. Daher hatte ich darauf verwiesen, dass die Deutsche Bank über Tochterfirmen die Steuer umgehen könne. Dieses Konzept griff vor Kurzem auch eine österreichische Tageszeitung auf.

Was kann man tun?

Sollte die Finanztransaktionsteuer wirklich so eingeführt werden wie oben erwähnt, bleibt einem Trader wahrscheinlich nur der Umzug. Länder wie Gibraltar, Malta oder auch Lettland haben sehr traderfreundliche Steuersätze.

Eventuell bietet sich auch Tschechien an, da in Prag einer der größten europäischen High Frequency Trader sitzt und dies nicht ohne Grund. Gibraltar bietet gute Flat Tax Systeme und exzellente Internetverbindungen. Befreundete Händler sitzen dort seit Jahren und auch einige Eigenhandelsfirmen.

CFDs und Forex als Ausweg?

Wenn man nicht umziehen will oder kann weil man Verpflichtungen hat oder das Trading nur einen geringen Teil zum Einkommen beiträgt, wird es deutlich schwieriger. Möglicherweise kann man die Steuer durch CFDs und Forexhandel (Foreign Exchange = Devisen) umgehen.

In allen Artikeln und Entwürfen rund um Die Finanztransaktionssteuer die ich lese, ist die Rede von Anleihen, Aktien und ab und an auch Termingeschäften. Von Differenzkontrakten wie CFDs wird nicht gesprochen und Devisen sollen solange diese Kassa gehandelt werden (klassischer FX-Handel) auch ausgenommen sein.

Der CFD-Markt könnte dadurch einen richtigen Boom erleben, ähnlich dem Wachstum in England. Dort wurden CFDs eingeführt um die Stempelsteuer des Königreichs zu umgehen. Wer sich mit CFDs und Devisenhandel nicht wohlfühlt und auch nicht umziehen kann, für den sehe ich derzeit noch keine Lösung. Eventuell ergibt sich etwas wenn die Pläne der Regierung konkretisiert werden.

Ihr Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

zum Thema Finanztransaktionssteuer habe ich einen interessanten Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ gelesen. Sie finden den Artikel hier.

In einem Absatz wird über Schweden als Negativbeispiel geschrieben und warum dieses Beispiel nicht als Gegenargument gegen die Einführung der Steuer angeführt werden darf.

Hartnäckig hält sich auch die These, Schweden sei ein Negativbeispiel für die Steuer. Dort war die im Jahr 1985 eingeführte Börsenumsatzsteuer tatsächlich ein Desaster. Der Handel mit Anleihen und Futures ging nach ihrem Start innerhalb kürzester Zeit um bis zu 90 Prozent zurück. Einnahmen für den Fiskus gab es praktisch nicht, denn ein Mausklick genügte und die Händler wichen einfach auf den Börsenplatz London aus. Der Konstruktionsfehler des schwedischen Gesetzes bestand darin, dass es entscheidend war, wo der Trader in die Computer tippte. Nur wenn der Rechner im Land stand, war die Transaktion auch steuerpflichtig. So war es sehr einfach, das Geschäft auf einem anderen Handelsplatz in Auftrag zu geben.
Nun ist Europa klüger: Im Vorschlag der EU-Kommission soll es darauf ankommen, wo die Händler – also meist Banken – ihren Firmensitz haben. Nur wenn man seinen Sitz aus dem Geltungsbereich der Steuer komplett heraus verlagert, könnte man sie dann umgehen. Also sagt die Deutsche Bank Deutschland Ade? Wohl eher nicht.“

Besonders der Satz: „Also sagt die Deutsche Bank Deutschland Ade? Wohl eher nicht.“ erregte meine Aufmerksamkeit. Dies ist viel zu kurz gedacht und nur auf den ersten Blick logisch!

Höchstwahrscheinlich wird die Deutsche Bank ihren Sitz nicht verlagern.
ABER
: Sie kann dem Beispiel der US-Banken folgen wie diese die „Volcker-Rule“ umgangen haben und weiterhin umgehen.

Die „Volcker-Rule“ wurde im Zusammenhang mit der Finanzkrise eingeführt und verbietet US-Banken den Handel mit Produkten die nicht im Interesse ihrer Kunden sind. In der Regel ist hiermit der Eigenhandel gemeint.

Umgangen werden konnte das neue Gesetz ganz einfach. Banken gliederten ihre Handelsabteilungen in Tochterfirmen in Hongkong, Singapur, Moskau oder Zürich aus. Des Weiteren wurden Hedge Fonds gegründet in die die Banken investierten. Dadurch konnte das neue Gesetz leicht ausmanövriert werden.

Was denken Sie nun, was Firmen machen werden die von der Steuer betroffen sind?

Ganz einfach: Tochterfirmen im Ausland mit Sitz im Ausland eröffnen und der Handel kann weitergehen.

Ihr Sebastian Hell

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

das Thema Finanztransaktionssteuer wird in den Medien immer populärer. Dennoch gibt es keinen vernünftigen Blog der zeitnah über die Auswirkungen dieser Steuer und die aktuellen Pläne der EU-Regierungen berichtet. Ich will daher an dieser Stelle für Aufklärung sorgen und die Steuer und deren Folgen aus Sicht eines Finanzmarkthändlers kommentieren.

Sie werden hier aktuelle Neuigkeiten sowie meine Kommentare dazu finden. Gelinde gesagt, ist diese Steuer ein Witz und wird niemals die geplanten Ziele erreichen. Deutschland und Österreich planen die Einführung ab 2014. Aus dem deutschen Finanzministerium hört man jedoch, dass eine Einführung wohl erst 2016 möglich sei. Dennoch hielt dies die Planer nicht davon ab, potentielle Einnahmen schon 2014 zu verbuchen.

Unbestätigt ist auch wohin die Steuer fließen soll: Direkt nach Brüssel als erste EU-Steuer oder zu den einzelnen Ländern? Hier liegt noch viel im Argen und von den negativen Auswirkungen auf die Märkte und der Kapitalflucht ins Ausland ganz zu schweigen. Wir werden Sie regelmäßig über die neusten Stände auf dem Laufenden halten!

Ihr Sebastian Hell