Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

es gibt wieder Neuigkeiten zur umstrittenen Finanztransaktionssteuer. Obwohl weiterhin keine Einigung vorliegt, gibt es derzeit große Diskussionen zwischen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinem französischen Amtskollegen Pierre Moscovici. Die Franzosen wollen große Teile des Derivategeschäftes von der Steuer befreien. Vor allem Aktienderivate bescheren den französischen Banken große Gewinne und sollen daher auf jeden Fall ausgenommen  werden!

Frankreich bangt um seine Banken

Im Gegensatz zu Deutschland, sieht man in Frankreich die Finanztransaktionssteuer mittlerweile nüchterner. Dies liegt sicherlich auch an den Erfahrungswerten der bereits bestehenden Transaktionssteuer. Das Handelsvolumen einiger betroffener Aktien fiel drastisch und die Aktivität der Marktteilnehmer verlagerte sich schlichtweg auf Werte im Ausland. Zudem waren die geplanten Einnahmen aus der Steuer auch deutlich geringer als zuvor geplant. Des Weiteren will sich die französische Regierung die Banken weiterhin „warm“ halten, da man diese für strategische Übernahmen benötigt, um dadurch die französische Rolle im Finanzbereich zu stärken. Kurzum: Die Franzosen rudern immer weiter zurück und zerlegen die Finanztransaktionssteuer schrittweise.

Alle 11 Staaten müssen abstimmen

Deutschland und Frankreich sind nicht die einzigen Länder, die die Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer entscheiden. Insgesamt haben sich elf Länder zu einer Kooperation zusammengeschlossen und müssen gemeinsam entscheiden. Da sich nicht einmal die beiden Giganten Deutschland und Frankreich einig werden können, dürfte eine Einigung unter allen noch viel schwieriger werden.

Was am Ende bleibt

Im Februar soll es neue Treffen zwischen Deutschen und Franzosen geben, um die Eckpunkte zu besprechen. Die Bundesregierung bleibt bisher dabei, dass eine Transaktionssteuer eingeführt werden soll (siehe Koalitionsvertrag). Allerdings glauben auch in Deutschland immer Politiker nicht mehr an eine schnelle Einführung (bspw. Volker Bouffier). Meine Prognose ist, dass am Ende eine Finanztransaktionssteuer kommen wird, in aufgeweichter Form, die vor allem Kleinanleger treffen wird. Außerbörsliche Geschäfte zwischen Banken kann man sowieso kaum bis gar nicht kontrollieren. Repogeschäfte sollen ohnehin ausgenommen werden. Derivategeschäfte wollen die Franzosen nicht besteuern usw.

Ihr Sebastian Hell

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Ein Gedanke zu “Update zur Finanztransaktionssteuer: Werden Derivate ausgenommen? Deutschland und Frankreich im Streit!

  1. ach, so negativ fände ich es gar nicht, wenn man eine FTT in erster linie auf diejenigen instrumente erhebt, die originär nicht zum schnellen bzw. häufigen umwälzen gedacht sind/waren. dazu zähle ich u.a. aktien und länger laufende obligationen.
    wer damit „zocken“ will, soll auf gängige derivate zurückgreifen, oder eben die FTT bezahlen. zugleich würde ich (in dtld) die kapitalertragssteuer zugunsten einer besteuerung nach pers. ekst-satz (wie zb in der schweiz üblich) abschaffen. tradinggewinne trügen somit wie jede andere gewinnorientierte unternehmung auch zur finanzierung des staates bei
    wer nun meint, ich stünde politisch links und dem trading allzu kritisch ggü., irrt. ich trade seit inzwischen fast 15jahren in vollzeit, demnächst von der schönen schweiz aus.

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